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Anklage gegen früheren MDR-Unterhaltungschef – Moderator Weidling: „Geldverschwendung“

Anklage gegen früheren MDR-Unterhaltungschef – Moderator Weidling: „Geldverschwendung“

Die Staatsanwaltschaft Leipzig hat gegen den ehemaligen Unterhaltungschef des Mitteldeutschen Rundfunks, Udo Foht, Anklage erhoben. Der 62-Jährige muss sich wegen Betrugs in 13 Fällen und zweifacher Untreue im besonders schweren Fall verantworten.

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Udo Foht.

Quelle: dpa

Leipzig. Foht wird außerdem Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung vorgeworfen. Neben dem ehemaligen Fernsehmacher erstreckt sich die Anklage auch gegen den selbstständigen Autoren Carsten Weidling und einen Rechtsanwalt wegen Erpressung und Behilfe zur Erpressung, teilte die Behörde mit. Im Fall einer Verurteilung droht Foht eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren.

Der frühere Unterhaltungschef soll Weidling (47) seit 2003 beruflich und auch finanziell gefördert haben. Foht soll den Sohn der DDR-Moderatoren-Legende O.F Weidling über zwischengeschaltete TV-Produktionsfirmen, anfangs auch über den MDR direkt, begünstigt und dabei Unterschriftenregelungen des Senders umgangen haben. Die Zusammenarbeit brachte aber nicht die erhofften Impulse. Sendungen wie „Treff mit Carsten Weidling“ oder ein Engagement in der Talkshow „Riverboat“ floppten. „Der ehemalige Leiter sah sich gezwungen, den im Namen des MDR geschlossenen Vertrag zum Ende des Jahres 2005 zu kündigen“, so die Staatsanwaltschaft.

Schaden für den MDR

Die Förderung Weidlings habe Foht dennoch fortgesetzt. Nach Meinung des Ermittler warb er zwischen 2008 und 2010 in zehn Fällen Darlehen in Höhe von insgesamt 247.050 Euro bei Produktionsfirmen für seinen Geschäftspartner ein. „Dabei hat er die kurzfristige Rückzahlungsbereitschaft und -fähigkeit vorgetäuscht“, teilte die Staatsanwaltschaft mit. In einem Fall soll der Kredit durch eine überhöhte Rechnung an den MDR beglichen worden sein. „Dem Sender ist dadurch ein Schaden in fünfstelliger Höhe entstanden“, sagte Lutz Lehmann, Sprecher der Leipziger Staatsanwaltschaft gegenüber LVZ-Online. Eine genaue Summe wollte er nicht nennen.

Die Finanzierung Weidlings wurde für Foht immer mehr zum Problem. Nach Erkenntnissen der Ermittler sollten die Hilfen Ende 2009 auslaufen. Der Autor wollte das offenbar nicht hinnehmen. Er soll Foht gemeinsam mit seinem Rechtsanwalt unter Druck gesetzt haben. Sie drohten: „Die illegalen Finanzierungsmethoden gegenüber dem Intendanten des MDR aufzudecken und damit die berufliche Existenz des Unterhaltungschefs zu vernichten“, erklärte die Staatsanwaltschaft. Foht habe deshalb frisches Geld besorgt und in einem weiteren Fall eine überhöhte Rechnung bei der Drei-Länder-Anstalt eingereicht. Der mutmaßliche Schwindel flog beim MDR schließlich 2011 durch interne Überprüfungen auf. Foht wurde anschließend zunächst beurlaubt, später trennte sich der Sender von ihm.

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Carsten Weidling.

Quelle: Armin Kühne

Carsten Weidling sieht einem möglichen Strafprozess gelassen entgegen. „Was den Erpressungsvorwurf gegen mich betrifft, kann ich nur sagen, dass das vermeintliche Opfer, Ex-Unterhaltungschef Udo Foht, mehrfach aktenkundig ausgesagt hat, dass er nicht von mir erpresst wurde“, teilte der Moderator gegenüber LVZ-Online mit. Weidling hält das Verfahren für eine „unfassbare Geldverschwendung öffentlicher Mittel.“

Weitere Verfahren hat die Staatsanwaltschaft auch gegen drei Geschäftsführer von Produktionsfirmen eröffnet. Einer der leitenden Mitarbeiter erhielt nach überhöhten Rechnungen wegen Beihilfe zur Untreue einen Strafbefehl. Zwei weitere Manager müssen sich vor dem Amtsgericht wegen Bestechung verantworten. Bei ihnen sind die Ermittler davon überzeugt, dass sie die Darlehen nur deshalb gewährten, um sich künftige Aufträge beim MDR zu sichern.

Wann gegen Foht und seine Mitstreiter erstmals am Leipziger Landgericht verhandelt wird, ist noch völlig offen. „Die zuständige Kammer prüft derzeit die Anklageschrift vom 28. August“, sagte Gerichtssprecherin Christiane Fernstedt. Die Richter müssten darüber beraten, ob das Hauptverfahren eröffnet wird. Eine Entscheidung noch in diesem Jahr erwarten Beobachter nicht mehr. Die Kammer muss nicht nur die 69 Seiten umfassende Ausarbeitung der Anklagebehörde prüfen, sondern auch 65 Ordner mit Straf- und Beiakten, 250 Ordner mit Geschäftspapieren, 500 Gigabyte digitale Daten sowie die Unterlagen zu rund 200 Bankkonten.

Weidling plant ungewöhnliches Tattoo

Die Tatverdächtigen befinden sich nach wie vor auf freiem Fuß. „Haftbefehle wurden nicht beantragt“, bestätigte Lehmann. Carsten Weidling lebt nach einer Weltreise inzwischen in Bangkok. Bei einer Klagezulassung wolle er „die Top-Flops aus den Ermittlungsakten“ auf seiner Internetseite veröffentlichen und eine Comedy zu den handelnden Personen schreiben. Sollte eine Verurteilung folgen, will der 47-Jährige noch eins draufsetzen: „Dann lasse ich mir den Namen des Staatsanwaltes auf den Hintern tätowieren.“

Matthias Roth

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