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Anthony Bramall drigiert den Fliegenden Holländer an der Oper Leipzig: Hauptperson ist das Meer

Anthony Bramall drigiert den Fliegenden Holländer an der Oper Leipzig: Hauptperson ist das Meer

Anthony Bramall: Nein, aber ich habe davon gehört. Das würde ich so nicht sagen. Aber ich kann den Intendanten Ulf Schirmer zitieren, der sagt, diese konzertante Aufführung sei ein klares Zeichen dafür, dass eine neue Produktion des "Holländers" in der Mache ist.

er ich kann den Intendanten Ulf Schirmer zitieren, der sagt, diese konzertante Aufführung sei ein klares Zeichen dafür, dass eine neue Produktion des "Holländers" in der Mache ist. Und in die Wagner-Festtage passt die Aufführung fabelhaft. Denn so können wir im Wagner-Jahr ein sehr breites Spektrum seiner Opern anbieten, das sich von den "Feen", seiner ersten Oper, bis zum "Parsifal" erstreckt, seiner letzten.

Ist nicht eine konzertante Aufführung nur ein Notbehelf?

Nein, ich finde gerade konzertante Opern sehr interessant.

Warum?

Man kann sich auf das Wesentliche konzentrieren: Die Musik.

Dem würde der Musikdramatiker, der erklärte Gesamtkünstler Richard Wagner wohl nur bedingt beipflichten...

Der des Nibelungen-Ringes sicher nicht, aber beim "Holländer" stand Wagner noch vergleichsweise nah am Anfang, weit vor dem Ring, wo alles zusammenkommt zum Gesamtkunstwerk, wo Text und Szene und Musik sich durchdringen zu einer Art musikdramatischer Sinfonie, in der alles alles bedingt. Ab dem Ring ist die Synthese zwischen Dichtkunst, Wortwahl, Melodik und Form, zwischen der Konstellation von Vokalen und Konsonanten vollkommen. Im Holländer ist zwar vieles schon angelegt, die Synthese aber noch nicht vollzogen. Inhalt und Dichtkunst sind noch nicht das Wesentliche. Hier ist es die Komposition.

Und wie ist für sie die musikhistorische Stellung dieser Komposition?

Zu einem Fünftel steckt Wagner noch in der Vergangenheit, er reflektiert Weber, auch Marschners "Der Vampyr". Manches, vor allem die Anlage der Partie des Daland, verleugnet seine Wurzeln in der Spieloper nicht. Aber auch darin sind zahlreiche Details zu finden, die bereits weit in die Zukunft weisen, das auf den ersten Blick Harmlose mit Bedrohung aufladen. Selbst Sentas Ballade blickt trotz der traditionellen Strophenform weit nach vorn.

Die konzertante Aufführung wird angekündigt als "Szenisches Konzert" - was hat es damit auf sich?

Es wird Auftritte und Abgänge geben, schon daraus entsteht etwas Szenisches. Und wir tragen dem Umstand Rechnung, dass die heimliche Hauptperson des "Fliegenden Holländers" das Meer ist. Es hat in dieser Oper schon die umfassende psychologische Bedeutung, die ihm später C. G. Jung explizit zuschreiben sollte.

Sie fluten also die Bühne?

Nein, es wird kein Wasser auf der Bühne geben, aber wir zeigen das Meer.

Wie?

Joseph Mallord William Turner, der wohl wichtigste Maler der britischen Romantik schuf in den 1840er Jahren, in denen Richard Wagner seinen "Fliegenden Holländer" komponierte eine Vielzahl grandioser See-Stücke, Werke von einem für diese Zeit ungeheuerlichen Abstraktionsgrad, von unglaublicher Modernität. Davon werden wir einige hinter die Bühne projizieren. Denn sie passen für mich perfekt zu Wagners Oper.

Warum ausgerechnet die? See-Stücke gibt es zuhauf ...

Ja, aber konkretere, traditionell gegenständliche Bilder würden das Ganze zu sehr in Richtung Biedermeier drängen. Und Wagners Musik weist genauso weit in die Zukunft wie Turners Bilder.

iSonntag, 26. Mai, 15 Uhr, Oper Leipzig: Der fliegende Holländer; Karten (20-73 Euro) unter Tel. 0341 1261261 oder an der Tageskasse. www.oper-leipzig.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.05.2013

Peter Korfmacher

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