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Antiillusion: „Der letzte Engel“ feiert Premiere vor dem Völkerschlachtdenkmal

Sommertheater Antiillusion: „Der letzte Engel“ feiert Premiere vor dem Völkerschlachtdenkmal

Auch dieses Jahr gibt es vorm grobklotzig aufragenden Völkerschachtdenkmal wieder einen schönen Kontrast an Luft und Tiefe: Am Mittwoch feiert die Sommertheater-Produktion „Der letzte Engel“ Leipzig-Premiere.

Die im Dunklen sieht man, die im Hellen nicht: Johannes Gabriel, Kirsten Hildisch als Engel, Simon van Parys und Verena Noll (von links).

Quelle: René Schäffer

Leipzig. Auch dieses Jahr gibt es vorm grobklotzig aufragenden Völkerschachtdenkmal wieder einen schönen Kontrast an Luft und Tiefe. Und einen Hauch Transzendenz gleich noch dazu. „Der letzte Engel“ nämlich wird aus hoffentlich freundlich mildem Sommerhimmel auf die Freiluftbühne herab flattern. Unsichtbar sichtbar und garantiert schrecklich, wie es ja noch jeder Engel ist. Was sich von Mittwochabend an bei der neuen Inszenierung des freien Theaterensembles „Konsortium Luft und Tiefe“ überprüfen lässt.

Denn ein Engel ist es, der hier eingreift ins Geschehen, also ins Leben dieser oft glaubensfernen, ahnungslosen Menschen, die da auf der Bühne zu sehen sind. Und durchaus bildet dafür Rilkes berühmter Satz „Ein jeder Engel ist schrecklich“ einen dramaturgischen Bezugspunkt. Allerdings ist es nicht der einzige, den Regisseur Silvio Beck und Dramaturg Stefan Ebeling anklingen lassen. Neben den „Duineser Elegien“ liefern auch die Bibel und Dylan, Sloterdijk und Wenders (nein, nichts aus dem „Himmel über Berlin“), Giorgio Agamben und Harry Mulisch einiges fürs intellektuelle Unterfutter dieser Inszenierung.

Die darüber ihre eine Kernintention allerdings nicht aus dem Blick lässt: Dass „Der letzte Engel“ Sommertheater ist, hat hier keiner der Macher vergessen. Beck: „Und spannend auch jenseits all dieser Bezüge wie auch der Frage, ob man etwa an Engel glaubt oder nicht, ist ja dann eher, wie man heute so eine transzendente Figur inszeniert und zeigt. Diese Konstruktion von Wahrnehmung: Das Publikum sieht ja, was die Handelnden auf der Bühne nicht sehen. Und während die Erzählung durchaus realistisch ist, stützt diese Konstruktion sich auf einen gewissen Antirealismus.“

„Die Welt ist darstellbar – wenn auch nicht unbedingt erkennbar“

Das Unsichtbare zeigen mit den Mitteln des Theaters, welches beim Konsortium Luft und Tiefe traditionell ja die des Volkstheaters oder zumindest des volkstheaterhaften ist. „Realismus“, sagt Beck, „ist bei uns schlicht der konkrete Versuch, ganz reale menschliche Konflikte durchzuspielen. Die Prämisse dabei: Die Welt ist darstellbar – wenn auch nicht unbedingt erkennbar.“

Das zu zeigen, ist natürlich ein Engel bestens geeignet. Als Figur, die auf der Bühne eben exponiert und präsent ist, aber als nicht wahrnehmbar behauptet wird: „Jemanden zeigen, der nicht zu sehen ist – dieser antiillusionistische Impuls ist zugleich der Spielimpuls.“

Und der natürlich auch eine Steilvorlage im Sinne jenes erwähnten Volkstheatergedankens. Man braucht nicht allzu viel Phantasie, um sich vorzustellen, welche szenisch-spielerischen Funken sich daraus schlagen lassen: „Natürlich ist es von Vorteil“, erklärt Ebeling, „dass da seit 2011 ein harter Ensemblekern aufeinander eingespielter Schauspieler existiert. Die machen maßgeblich das Stück, und ganz klar ist diese Eigenständigkeit der Schauspieler ein konzeptuelles Standbein.“

Protokollantin des Sprechtexts

Von Anfang an gehe man da gleich in die szenischen Proben, versuche Stoff und Sujet in Improvisationen zu durchdringen, während Regieassistentin Marieta Gollwitzer mitschreibt, die Probenszenen und den daraus erstehenden Sprechtext protokolliert. „Zehnfingrig!“, wie Beck anerkennend hinzufügt. Auch, weil dieses Protokoll der Improvisation die Arbeitsbasis für die anschließende Redaktion ist, für Straffung und Verdichtung des Textes – und dessen erneute Rückführung ins Spiel, auf die Bühne.

All das immer im Bewusstsein, dass auf dieser weder Thesen- noch Theorietheater stattfinden soll, sondern das, was Stefan Ebeling verspricht: „Eine Sommerinszenierung eben. Tragikomisch, leicht und rasant. Mit einem eleganten Plot, der einen wirklich schön bei Laune hält.“ Sicher: Da läutet jemand die Werbeglöckchen und redet mit Engelszungen. Ob man drauf hört – natürlich eine Frage des Glaubens. Könnte sich hier allerdings mal lohnen.

Konsortium Luft und Tiefe: „Der letzt Engel“, Leipzig-Premiere Mittwoch, 20 Uhr, weitere Vorstellungen von Donnerstag bis Sonntag, jeweils 20 Uhr, vor dem Völkerschlachtdenkmal, Karten für 17/11 Euro: 0345 9491192 oder 0176 61210334; www.schaustelle-halle.de; www.theaterschafft.de; www.schloss-kannawurf.de

Von Steffen Georgi

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