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Armin Petras wechselt nach Stuttgart - und nimmt Teil der Leipziger Hartmann-Mannschaft mit

Armin Petras wechselt nach Stuttgart - und nimmt Teil der Leipziger Hartmann-Mannschaft mit

„Offene Rechnungen" – der Titel des schmalen Bändchens über die siebenjährige Intendanz von Armin Petras am Berliner Maxim-Gorki-Theater sagt viel aus. Einerseits wäre Petras, der zur neuen Spielzeit ans Schauspiel Stuttgart wechselt, noch länger in Berlin geblieben, wäre seine Forderung nach einer Aufstockung des Etats um 400.000 Euro nicht abgelehnt wordene.

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Armin Petras

Quelle: dpa

Berlin. Andererseits ging es am kleinsten Stadttheater der Hauptstadt seit der Spielzeit 2006/2007 immer wieder um offene Rechnungen: der Deutschen mit ihrer Geschichte, ihren Klassikern, ihrem sozialen Umfeld. Petras steht als Intendant, Regisseur und Dramatiker für ein politisches Theater, das nach den Spuren der Vergangenheit in der Gegenwart sucht. Bezeichnenderweise steht das heute beginnende Abschluss-Spektakel „Fünf Tage im Juni" im Zeichen des Volksaufstands in der DDR vor 60 Jahren.

Immer wieder sagt Petras „Wir ziehen um". Denn fast die Hälfte des künstlerischen Personals folgt ihm nach Stuttgart, von Schauspiel-Stars wie Fritzi Haberlandt und Peter Kurth bis zu Regisseuren wie Jan Bosse. Petras will in Stuttgart aber nicht das Gorki-Theater wiederaufbauen. „Ich finde es wichtig, in jeder Stadt Theater neu zu entdecken."

In Berlin – Petras wuchs zehn Fuß-Minuten vom Gorki-Theater auf - seien Deutschlands historische Brüche so offen sichtbar wie in keiner anderen deutschen Stadt. Petras hat die Seele der Ostdeutschen nach der Wende als Regisseur und als Stückeschreiber unter dem Pseudonym Fritz Kater immer wieder erforscht, zum Beispiel in dem Stück „HEAVEN (zu tristan)". Darin macht sich ein Mann aus Wolfen auf in ein neues Leben.

In der Stadt der Wutbürger gäbe es ganz andere Reibungsflächen, sagt Petras. „Der Südwesten erschien mir lange wie ein besonders konservativer Fleck dieser Republik. Jetzt gibt es dort die erste grüne Landesregierung und in Stuttgart ein grünes Stadtoberhaupt. Das könnte ein Paradigmenwechsel für die ganze Republik sein, denke ich." Besonders interessant sei es, dass es sich bei dieser Bewegung nicht um „avantgardistische Kreuzberger Jugendliche", sondern um ein bürgerliches Publikum handele. Petras will diese neue Bürgerlichkeit zur Säule seines ersten Stuttgarter Spielplans machen und die sozialen, moralischen, demografischen und psychologischen Dimensionen des Themas auf der Bühne beleuchten.

Leipziger Schauspieler folgen nach Stutgart

Viele Schauspieler aus Sebastian Hartmanns altem Leipziger Ensemble begleiten Petras nach Stuttgart, etwa Thomas Lawinky, der in der Skala und in Berlin bereits in „Droge Faust" zu sehen war, Manolo Bertling, der in der Petras-Inszenierung „Ion" im Centraltheater spielt, und Holger Stockhaus. Auch der Regisseur Martin Laberenz wird künftig in Stuttgart Regie führen. Petras sagt: „Ich finde es schade, dass Hartmann in Leipzig aufhört. Aber ich freue mich, dass dadurch so viele gute Leute frei werden."

Petras hat sowohl mit Hartmann als auch mit dessen Vorgänger Wolfgang Engel eng zusammengearbeitet. „Eigentlich komisch", kommentiert er selbstironisch. Auch mit dem künftigen Leipziger Intendanten Enrico Lübbe kann Petras sich Kooperationen vorstellen. „Im Moment ist mein Ost-Theater Dresden. Aber Leipzig wird immer meine Traumstadt bleiben, und es gibt dort mit Ellen Hellwig eine Schauspielerin, die ich sehr schätze. Ich würde mich freuen, wenn sich ein gemeinsamer Weg ergibt."

Ein wenig Wehmut zum Abschied: „Ich habe die Befürchtung, dass ich nie wieder so ein tolles Haus wie das Gorki finden werde. Wie die Menschen hier für das Theater da sind, von der Technik bis zur Kantine, ist einmalig", sagt Petras. Dieser Zusammenhalt erklärt sich auch aus der Rolle des frechen Underdogs, den das Gorki neben Volksbühne, Schaubühne, Berliner Ensemble und Deutschem Theater in der Hauptstadt gibt - was sich auch in einem kleineren Budget niederschlägt.

„Dass wir das Gorki-Studio schließen mussten und junge Autoren nicht weiter fördern konnten, gehört zu den negativen Erfahrungen meiner Intendanz", sagt Petras. Er hinterlässt seiner Nachfolgerin Shermin Langhoff, bislang Chefin des Berliner Ballhaus Naunynstraße, ein stabiles Haus: Vor Petras war das Haus von der Schließung bedroht, inzwischen ist es eine feste Größe in der Berliner Theaterlandschaft. Mit dem Fokus auf soziale Themen - etwa mit der Langzeitstudie über Einwohner aus Wittenberge - oder der intensiven Beschäftigung mit Heinrich von Kleist wurden hier Maßstäbe gesetzt.

Zieht Fritz Kater, das Alter Ego des Regisseurs als Stückeschreiber, eigentlich mit um? „Der reist nie mit. Fritz Kater schreibt einen Text und steckt ihn in den Briefumschlag. Und ich hoffe, dass ihm während meiner Intendanz in Stuttgart auch weiterhin was einfällt."

Nina May

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