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Armin Zarbock über fünf Südknecht-Jahre: „Das Wort Galgenhumor trifft auf den Punkt“

Festwoche Armin Zarbock über fünf Südknecht-Jahre: „Das Wort Galgenhumor trifft auf den Punkt“

Mit einer Festwoche feiert das Ensemble „Adolf Südknecht“ den fünften Geburtstag seiner gleichnamigen historischen Seifenoper-Improschau. Schauspieler Armin Zarbock vorab im Interview.

Wirt Adolf Südknecht (Armin Zarbock, links) mit Hausmeister Krause (August Geyler).

Quelle: André Kempner

Leipzig. Seit 2012 koppelt das Projekt „Adolf Südknecht“ erfolgreich Improvisationstheater um eine Kneipiersfamilie mit Einflüssen der deutschen und der Leipziger Geschichte. Los ging es in den 1920er Jahren, inzwischen ist man in den 50ern angekommen. An einem Dienstag im Monat gehört der Saal des Horns Erben den Südknechts Susanne Bolf, Armin Zarbock, August Geyler, den Musikern Claudius Bruns und Frank Berger sowie einem Gast-Schauspieler. Zum Fünfjährigen läuft von 7. bis 12. März eine Festspielwoche. Wir sprachen zuvor mit Armin Zarbock, der Wirt Adolf Südknecht verkörpert.

Zum Start im Februar 2012 haben Sie gesagt: „Wie lange die Serie läuft, hängt vom Zuspruch ab. Erst einmal planen wir bis zum Jahresende.“ Ist nach fünf Jahren der Wille weiterzumachen ungebrochen?

Ja. Wir haben immer noch Lust – vor allem darauf, die Zukunft aus Sicht der Zeit, in der wir gerade spielen, kennenzulernen. Darauf arbeiten wir hin. Weder bei den Zuschauern noch bei uns sind Ermüdungen zu spüren.

Der Zuschauerzuspruch ist also auch stabil?

Anfangs kamen besonders viele, inzwischen haben wir einen Schnitt von 50, 60 Besuchern. Für einen Dienstag ist das okay, reicht allerdings nicht, um die Kosten für den hohen Aufwand pro Folge zu decken. Geld verdient man damit nicht.

Wie viel Zeit geht für historische Recherche drauf?

Eine Menge. Um zusammenzutragen, was in der jeweiligen Zeit passiert ist, braucht es pro Folge mehrere Stunden. Allein das Schreiben der Pressemitteilungen, in der ich historische Fakten unterbringe, kostet viel Zeit. Ganz zu schweigen von dem Aufwand, den August Geyler betreibt, um das große Südknecht-Dossier mit jetzt gut 80 Seiten Umfang zu aktualisieren. Der sitzt noch wesentlich länger als ich an dem Stoff. Den wiederum müssen wir alle uns reinziehen, um den Hintergrund für unser Spiel zu haben.

„Geschichte wiederholt sich“

Sie müssen inzwischen wandelnde Lexika sein.

Oh ja. Man muss natürlich Lust dazu haben, sich mit Geschichte und speziell der Leipziger zu beschäftigen. Aber es ist ungemein spannend. Oft lassen sich Rückschlüsse zur Gegenwart ziehen, Geschichte wiederholt sich oft – leider auf unangenehme Art.

Die Serie hat lange in der Zeit des Zweiten Weltkriegs gespielt ...

Ursprünglich wollten wir ein Jahr in einer Folge bündeln. Das erwies sich für diesen Abschnitt als unmöglich, es ist zu viel passiert. Für 1933 bis 1945 haben wir drei Jahre gebraucht – die Machtergreifung, die Kriegssituation, die Bombardierung Leipzigs ...

Wie haben Sie die Balance gehalten zwischen Spiegelung der Nazi-Gräuel und Anspruch auf Unterhaltung?

Wir haben darauf hingearbeitet, existenzielle Themen mit Alltag zusammenzubringen. Gerade in den schlimmsten Situationen spielten Humor und Ablenkung als Hilfs- und Überlebensmittel eine sehr wichtige Rolle für den Menschen. Das Wort Galgenhumor trifft es auf den Punkt.

Es gab Irritationen wegen der aufgehängten Hakenkreuz-Fahne ...

Ja, die haben wir zunächst nicht gleich nach den Vorstellungen abgenommen. Wenn dann Besuch nach oben in den Saal kam, der die Serie nicht kannte, gab es Irritationen und Nachfragen. Bei einem Gastspiel kam es zum Streit mit einem Techniker, der die Fahne nicht als Requisit akzeptierte.

Jeder ist mit seinem Charakter sehr vertraut. Haben Sie sich schon mal jenseits der Bühne dabei ertappt, in Ihrem Verhalten dem Wirt Adolf Südknecht zu ähneln?

Manchmal denke ich: Das hätte Südknecht jetzt auch gesagt. Es ist natürlich fantastisch, eine Figur über Jahre zu entwickeln. Manchmal überrascht mich Adolf aber selbst: In einer Folge gestand er, fremd gegangen zu sein. Das hat mich regelrecht geschockt. Ich wollte das nicht, aber die Figur wollte es.

Antons Wiederkehr

Könnten Sie sich vorstellen, mit Adolf Südknecht befreundet zu sein?

Klar. Das ist schon ein netter Mensch, ein Kneipenwirt, der gut mit Gästen umgeht und einen Unterhaltungswert entwickelt. Er verkauft seinen Allasch nicht nur des Geldes wegen, sondern weil er seine Gäste mag.

Hat sich jemand ungeahnt anders entwickelt?

Ich hab zum Beispiel gehofft, dass sich die glühende Nazi-Anhängerin Adele nach dem Krieg besinnt und diesem Wahnsinn abschwört. Wir sind jetzt schon in der DDR, doch überzeugt hat Adolf sie noch nicht.

In der 80er-TV-Serie „Dallas“ stand Bobby Ewing unter der Dusche, nachdem er laut Dreh eigentlich gestorben war. Die Quoten waren aber gesunken, deshalb wurde der Tod als Traum verkauft. Hatten die Südknechts schon eine Rückruder-Situation?

Ja. Sohn Anton, ein Kommunist, war sehr beliebt, ist aber gestorben, das hat sich spontan ergeben. Die Zuschauer wollten, dass August Geyler dafür Antons Zwillingsbruder spielt. Der wiederum war Nazi und solch ein Mistkerl, dass wir ihn umgebracht haben. Daraufhin wurde August Hausmeister Krause. Nun stellte sich heraus, dass Anton doch noch lebt. Seit letzten November ist er zurück – in Adolf-Südknecht-Zeit nach zwölf Jahren im Gulag! Nun hat August eine Doppelrolle. Einschneidend war auch Johannes Gabriel als Gast, der das ganze Konstrukt aushebelte, weil er im Stück sagte, wir würden ja bloß eine Impro-Schau machen und alles spielen. Das hat für Unruhe gesorgt. In der nächsten Folge haben wir das auch als bösen Traum behandelt.

Wie ist es zu den Ablegern „Im Keller“, „Kampf der Welten“ und „Lichter der Großstadt“ gekommen?

Wir wollten uns nie auf die Impro-Schau beschränken. Irgendwann kam der Gedanke: Lasst uns was mit Regie machen, ein durchkomponiertes Stück, in dem man sich noch besser in die Zeit vertiefen kann. Wir wollten zudem andere Theaterformen ausprobieren: „Lichter der Großstadt“ ohne Sprache in Stummfilm-Anmutung oder „Kampf der Welten“ nur mit Mimik und Sprache. Das war wunderbar.

Südknecht-Festspielwoche

Dienstag, 7. März: Vorführung der aufgezeichneten ersten Südknecht-Folge vom 8. Februar 2012. Anschließend gibt es eine Live-Talkrunde, in der die Figuren Auskunft geben. 20 Uhr im Horns Erben (Arndtstraße 33)

Mittwoch, 8. März: „Adolf Südknecht – Kampf der Welten“; Theaterstück ausschließlich mit Mimik und Stimme, dazu Klangcollagen und Lieder; 20 Uhr im Horns Erben

Donnerstag, 9. März: „Adolf Südknecht – Im Keller“, ein Theaterstück über das Ende des Zweiten Weltkriegs in einem Luftschutzraum. 20 Uhr im Abfüllkeller der ehemaligen „Branntwein- und Likörfabrik Wilhelm Horn“ im Backsteingebäude auf dem Hof (Prellerstraße 54)

Freitag, 10. März: „Adolf Südknecht – Lichter der Großstadt“, Stummfilm-Theaterstück mit Livemusik, 20 Uhr im Horns Erben

Samstag, 11. März: „Adolf Südknecht – Die Seifenoper-Improschau spezial: Anno 1951: Geburts- und Frauentag“. 20 Uhr im Horns Erben

Sonntag, 12. März: „Adolf Südknecht – das Konzert“; konzertante Aufführung mit Liedern aus allen Südknecht-Projekten, 18 Uhr, Horns Erben.

Karten zu 15 und 10 Euro an der Abendkasse, im Vorverkauf über www.culton.de 14,30 Euro; Festivalticket für alle Aufführungen der Festspielwoche für 35 Euro. Kartenreservierung und Infos unter www.AdolfSuedknecht.de.

Von Mark Daniel

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