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Ein Leben für die Malerei: Arno Rink ist tot

Im Alter von 76 Jahren Ein Leben für die Malerei: Arno Rink ist tot

Der Maler Arno Rink ist tot. Er starb am Dienstag im Alter von 76 Jahren. Rink gilt als einer der wichtigsten Wegbereiter der Neuen Leipziger Schule.

Arno Rink ist tot.

Quelle: Waltraud Grubitzsch

Leipzig. Vollblutmaler, Malermacher, Vater der Neuen Leipziger Schule: Arno Rink war ein „leidenschaftlicher Gegenständler“. Er sah sich selbst als „harten Kern der gegenständlichen Malerei“, auch wenn Kritiker seine Bilder zuweilen nicht mehr für zeitgemäß hielten. Auch Neo Rauch, einer der wichtigsten deutschen Maler der Gegenwart, holte sich das Rüstzeug bei dem „Malermacher“, dem die Schüler wie Kinder waren. Drei Wochen vor seinem 77. Geburtstag starb Rink nach schwerer Krebserkrankung am Dienstag in Leipzig. Bis zuletzt hatte er im Atelier gearbeitet.

Fotos aus dem Leben des Leipziger Malers Arno Rink.

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Am 26. September 1940 im thüringischen Schlotheim geboren und aufgewachsen, besuchte Rink nach dem Abitur die Arbeiter- und Bauernfakultät für bildende Kunst in Dresden. An der renommierten Hochschule für Grafik und Buchkunst (HfBK) in Leipzig wurde er zunächst abgelehnt, arbeitete dann als Fahrstuhlführer in der Wollkämmerei. Als es 1962 im zweiten Anlauf klappte, blieb Rink fast ein halbes Jahrhundert - erst als Student, dann als Lehrer, Rektor und Prorektor. Und er war dann auch der einzige Chef einer Hochschule der DDR, der nach der Wende im Amt blieb.

Die HfBK erlangte Weltruf, der einstige Schüler von Werner Tübke (1929-2004) und Bernhard Heisig (1925-2011) Anerkennung als Lehrer. Viele Studenten des „Vaters der Neuen Leipziger Schule“ eroberten später den Kunstmarkt. Zu den erfolgreichen Eleven neben Rauch, der nach Rinks Emeritierung für eine Weile auch dessen Professur übernahm, zählen auch Papstmaler Michael Triegel sowie Tim Eitel, David Schnell und Christoph Ruckhäberle.

Arno Rink mit seinem ehemaligen Schüler Neo Rauch bei seinem letzten öffentlichen Auftritt am 27. Mai 2017 bei der Ausstellungseröffnung in Aschersleben.Dort zeigten beide Künstler gemeinsam eine Auswahl ihrer Werke.

Quelle: André Böhmer

Daneben mehrte Rink stets sein eigenes Oeuvre. Als 15-Jähriger hatte er mit zeichnerischen Versuchen begonnen und später auch die Öl-Malerei für sich entdeckt. Schon in den 1970er und 1980er Jahren bereicherte seine unverwechselbare Bildsprache die Malerei in der DDR. An manchen Werken arbeitete er bis zu sieben Jahre. „Ich war schon immer so langsam. In der DDR fiel das bloß nicht so auf“, berichtete er schmunzelnd nach der Emeritierung 2005, die ihm mehr Zeit fürs Atelier ließ.

Er habe stets „die Freiheit der Malerei mit dem Mut zum Pathos“ verteidigt, sagte ein Sprecher des Museums der bildenden Künste in Leipzig. „Die Sinnlichkeit des Eros, aber auch das Leiden am Menschen sind seiner Malerei eingeschrieben.“ Mit seinen Aktbildern teilte er eine Vorliebe seines Vaters. „Ich habe die Frauen immer geliebt“, sagte Rink zu seinem 75. Geburtstag. Der Akt, der allein aus der Vorstellung des Künstlers heraus entstand, ist der Lichtpunkt in den oft so düsteren Bildern.

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Alfred Weidinger, Direktor des Museums der Bildenden Künste in Leipzig: „Ich habe Arno Rink am letzten Donnerstag noch zum jour fixe getroffen. Es war sein großer Wunsch, dass die Retrospektive mit ihm im nächsten Jahr im Museum noch stattfindet. Ihm war aber auch klar, dass er es selbst nicht mehr erleben wird. Wir haben da ganz offen darüber geredet. Rink hat diese Retrospektive noch mit gestaltet. Für mich war Arno Rink die Brücke zur Kunst von Leipzig, das hätte ich sehr gern mit ihm noch ausgebaut. Die Ausstellung werde ich jetzt mit seiner Frau Christine Rink weiter konzipieren.

Eigen+Art-Galerist Judy Lybke: „Es gibt kaum jemanden, der im Künstlerischen und vor allem im Weltmaßstab so bedeutend für Leipzig war. Rink hat als Lehrer an der Kunsthochschule die Entwicklung der Malerei nach vorn getrieben. Durch ihn hat sich die Malerei von Leipzig in der Welt ausbreiten können. Es gab niemand, der für die Leipziger Malerei und darüber hinaus in ganz Deutschland so wichtig war, wie Arno Rink. Er hat junge Künstler wie Neo Rauch, David Schnell und Tim Eitel beflügelt, ohne ihn wäre deren weltweit beachtete Entwicklung nicht möglich gewesen. Für Neo Rauch war er künstlerische Lehrer und Vaterfigur zugleich, wie auch die aktuelle Ausstellung der beiden in Aschersleben zeigt.“

Skadi Jennicke, Beigeordnete für Kultur der Stadt Leipzig: "Wir verlieren eine große Künstlerpersönlichkeit, die sich zu dem als Lehrer und Rektor der Hochschule für Grafik und Buchkunst weltweit einen Namen gemacht hat. Sein Tod hinterlässt eine große Lücke, sein Name wird untrennbar mit den Leipziger Schulen im ehrenden Gedächtnis bleiben".

abö

Aufhören war für den leidenschaftlichen Künstler nie ein Thema, er sah das Malen vielmehr als seine Verantwortung. „Die Vorstellung, dass einige Bilder ungemalt bleiben, verfolgt mich.“ Wenn ihm ein Bild gelungen war, hatte er ein Glücksgefühl. Er träumte davon, mit seinen Werken auch nach seinem Tod Teil des Bewusstseins der Menschen zu sein. „So wie die Mona Lisa, die kennt ja auch jeder, ohne sie gesehen zu haben.“

Voller Vorfreude half er in den vergangenen Wochen auch bei der Vorbereitung der im Frühjahr 2018 in Leipzig geplanten Retrospektive „Arno Rink. Ich male!“. Dafür kam er häufig ins Museum der bildenden Künste, trotz Krankheit. Auch ins Atelier zog es ihn bis zuletzt. „Er hat gemalt, wie es die Kraft zuließ“, berichtete seine Witwe Christine Rink. „Er war eben ein Vollblutmaler.“ Zuletzt hatte Rink an einer neuen Fassung des Gemäldes „Italienische Begegnung“ von 1978 gearbeitet. „Das ist ihm leider nicht mehr gelungen, sie bleibt unvollendet“, sagte seine Witwe.
Simona Block

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