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Ars-viva Kunstpreise 2016

Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig Ars-viva Kunstpreise 2016

Leipziger Galerie für Zeitgenössische Kunst präsentiert Arbeiten der diesjährigen Träger des ars viva Kunstpreises: Flaka Haliti, Hanne Lippard, Calla Henkel & Max Pitegoff.

 
 

Quelle: Kempner

Leipzig.  Es sieht nach Ironie aus, wenn auf der Einladung zu einer Veranstaltung namens ars viva ausgerechnet ein Betonblock mit kühler Fliesenoberfläche zu sehen ist. Doch diese Blöcke, in der Ausstellung gibt es einige in verschiedenen Farben, haben eine Eigenschaft, die vielen Kunstwerken abgeht: Sie dürfen benutzt werden. Zum Beispiel als Sitzgelegenheit. Dass sich das Fotografenduo Calla Henkel & Max Pitegoff als Installateur betätigt hat, steht für eine Grundtendenz der diesjährigen Preisverleihung: das Überschreiten von Grenzen.

Als einen der ältesten und langlebigsten deutschen Kunstpreise charakterisiert Franziska Nentwig, Geschäftsführerin des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft, ars viva. Seit 1953 vergibt ihn die Institution und bemüht sich, so Nentwig, die jungen Künstler auch auf dem weiteren Weg zu begleiten. Die Arbeiten der Auserwählten werden jedes Jahr an drei anderen Orten präsentiert. Diesmal sind es Karlsruhe, Stockholm und Leipzig.

Henkel und Pitegoff, aus den USA stammend, haben in Berlin mit der Times Bar und dem New Theater temporäre Orte der Kommunikation und Kunst geschaffen. Daneben fotografieren sie aber auch auf ganz herkömmliche Weise. In einer Serie wurden Wohnungen abgelichtet, die bei Airbnb als Gästeunterkunft gelistet sind. Auffällig dabei ist, dass die inszenierte Individualität der Gastgeber sehr uniform ausfällt.

Auch wenn der Preis ars viva seit einigen Jahren keine richtungweisende Überschrift mehr hat, zieht sich doch ein Thema durch die diesjährige Auswahl. Es geht im Identität unter den Bedingungen allgegenwärtiger Migration, die sich in allen vier Biografien der Preisträger widerspiegelt. Dass sich für Künstler Identität als existenziell notwendige Verschiedenheit darstellt, ist eigentlich selbstverständlich, muss aber in Zeiten, in denen rechtsradikale „Identitäre“ eine völkische Homogenität einfordern, besonders herausgestellt werden.

Hanne Lippard, in England aufgewachsene Berlinerin mit norwegischem Pass, arbeitet vorwiegend mit dem Wort und der Stimme. Von ihr ist eine Performance zu sehen respektive zu hören. In einer Soundinstallation kann der Besucher das Resultat einer früheren Perfomance erleben. Ein kurzer Film zeigt zudem einen Mann, der zwar physisch in der Realität agiert, aber gedanklich in der Virtualiltät seines Handy-Displays lebt und damit zum freiwilligen Autisten wird.

Flaka Haliti ist Kosovarin und hat zur Biennale Venedig 2015 den Pavillon ihres so jungen wie prekären Staates gestaltet. In Leipzig zeigt sie neben einer Sammlung von Mails zwischen entfernt voneinander lebenden Paaren und einem trennend-verbindenden Vorhang einen Raum mit lustig aussehenden Figuren in Comic-Manier. Sie sind aus Armierungseisen gebogen und stecken in gelben Ikea-Taschen voll blauem Sand. Stehen diese Taschen sowohl als Symbol global vereinheitlichten Lifestyles wie auch für den Transport von allem, was man bei einer Flucht schleppen kann, sind die kleinen Personen unübersehbar Charaktere, die man nicht verwechseln kann.

Wenn eine Organisation wie der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft junge Kunst fördert, können Hintergedanken der Imagepflege aufkommen. Als dekorative Wandhänger für Vorstandsetagen kann man die Arbeiten der diesjährigen Preisträger aber keinesfalls bezeichnen.

Ars viva 2016. Flaka Haliti, Hanne Lippard, Calla Henkel & Max Pitegoff; Galerie für Zeitgenössische Kunst, Karl-Tauchnitz-Str. 9–11; bis 22. Mai, Di–Fr 14–19 Uhr, Sa/So 12–18 Uhr.

Von Jens Kassner

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