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Aufgeregt ehrlich: Leipziger Trio mit neuem Album und Record-Release-Party

Soundcheck L.E. Aufgeregt ehrlich: Leipziger Trio mit neuem Album und Record-Release-Party

„Verlogene Sounds“, „prätentiöse Texte“ und generell alles „miserabel“: An der Eigenwerbung müssen die Leipziger von „Widerstand der Dinge noch arbeiten. Ihre Musik ist dafür umso mitreißender – und angemessen abgedreht. Mit „und der große, zottelige Hund“ hat das Trio nun neues Material am Start – und die zünftige Release-Party ist auch schon angesetzt.

Veteranen der Leipziger Szenekultur: Jörn Drewes, Christian Feist und Falk Fiedler (von links).
 

Quelle: Foto: Selfie

Leipzig. Eines muss man den drei Leipzigern von Widerstand der Dinge lassen: Das mit dem professionellen Understatement haben sie raus. Da wird dem unbedarften Entdecker der eigenen Musik im Internet weisgemacht, viel mehr als „verlogene Sounds und holprige Rhythmen“ habe man nicht zu bieten, die „prätentiösen Texte“ seien ohnehin „alle miserabel“. Und man fragt sich unweigerlich: Wie gut soll das schon werden?

Sympathisch-angeranzt

Sehr gut, muss die Antwort nach mehreren Durchgängen des aktuellen Studiooutputs namens „und der große, zottelige Hund“, dessen Cover stilsicher von einem etwas irritiert wirkenden Wellensittich geziert wird, lauten. Denn ganz so uninspiriert, wie vollmundig verkündet, sind die insgesamt 34 Minuten Musik dann doch nicht.

Ehrlicher, angepunkter Schrammelrock ist es, der dem Hörer geboten wird. Ein Sound, der immer mal wieder augenzwinkernde Blicke zum Schaffen von Kollegen wie The Hives, den frühen Mando Diao oder auch den großen The Clash wirft – alles eingebettet in die leicht angeranzten Klangwelten von Deutschpunk-Vertretern wie Slime.

Aufgeregt ehrlicher Rock

Aufgeregt ehrlicher Rock: „und der große, zottelige Hund“, das neue Album von Widerstand der Dinge.

Quelle: Promo

So rockt man zum Einstieg mit „Du kannst es finden“ locker los, schnuppert in „Mein Leben“ – das im Gegensatz zu dem aller anderen natürlich nicht scheiße ist – auch mal ein wenig am Funk, hämmert „Schwarzarbeit“ wie weiland „Yoko Ono“ von den Ärzten nach gerade einmal 34 Sekunden über die Ziellinie und schafft mit „Der Schöne und das Biest“ einen amtlichen Groove-Rocker mit ordentlich Biss. Das Klangbild präsentiert sich bei all dem stets erdig-kratzig, immer mit Raum für die nötigen Kanten und den obligatorischen Dreck.

Dadaismus, Antriebslosigkeit und Jeans

Auch textlich weiß das Trio zu überzeugen – auf ganz eigenwillige Art. Wo bei anderen Vertretern deutscher Gitarrenmusik gern versucht wird, die Botschaften allzu verkopft zu transportieren, gehen Widerstand der Dinge den entgegengesetzten Weg und stürzen sich kopfüber in fast schon dadaistische Buchstabenhaufen. Sinnsuche wird etwa in „Wassermassen“ schnell obsolet, dafür präsentiert man in „James Dean“ die hochinteressante Diskrepanz, man wisse zwar, was am Jugendschwarm der 50er-Jahre dran, nicht aber, was in seinen Jeans drin sei.

Stets ironisch nähert man sich auch den Widrigkeiten des Alltags an, liefert mit „Zu Müde“ eine Hymne auf die allgemeine Antriebslosigkeit und mit „Zoo“ eine pointierte Beschreibung vom Besuch im örtlichen Tierpark. Und auch die Romantik kommt nicht zu kurz, exemplarisch im abschließenden, nahezu episch instrumentierten „Wenn es Nacht ist“ nachzuhören.

So bleibt am Ende dann als Fazit: Der „aufgeregte, unehrliche Lärm“ von Widerstand der Dinge ist letztlich in seiner ganzen Unbekümmertheit dann doch ziemlich ehrlich. Und macht vor allem verdammt viel Spaß.

Widerstand der Dinge: „und der große, zottelige Hund (Eigenvertrieb). Record-Release-Party am Freitag, 11. November 2016 um 21 Uhr im Staubsauger (Karl-Liebknecht-Straße 95). Im Vorprogramm Bungalow 4, Eintritt 5 Euro

Von Bastian Fischer

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