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Aufpolierte Traditionen: Leipziger Grassimesse lockte ins Spannungsfeld zwischen Alt und Neu

Aufpolierte Traditionen: Leipziger Grassimesse lockte ins Spannungsfeld zwischen Alt und Neu

Die Grassimesse im Leipziger Museum für Angewandte Kunst lebt in diesem Jahr vom Spannungsfeld überlieferter und neuer Techniken. Diese Mischung macht es, dass auch das Publikum viel breiter gestreut ist, als man es von einer Verkaufsausstellung hochwertigen Kunsthandwerks erwarten kann.

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Andrang bei Leipziger der Grassimesse (M.). Der Preis der Sparkasse Leipzig geht an den Keramiker Martin Schlotz (li.), der Preis der Carl und Anneliese Goerdeler-Stiftung an die Metallgestalterin Young-I Kim (re.).

Quelle: Wolfgang Zeyen

Die Form der aus blütenweißem Kaolin gedrehten Vasen stammt aus der klassischen Epoche Koreas, sie ist schlicht und zugleich elegant. Das Besondere, das Jong-Min Lee den historischen Vorbildern dann hinzu fügt, ist nicht sehr auffällig. Nach dem ersten Brennen schneidet er zarte, organische Strukturen in die Oberfläche, an unregelmäßige Strömungsmuster erinnernd. Trotz eines sehr langen Arbeitstages dauert es Wochen, ein Stück fertigzustellen. "Seine Frau ist gar nicht begeistert von seiner Arbeitsweise, fürchtet, er könnte noch wahnsinnig werden", sagt Jong-Mins Standbetreuerin. Dass die Vasen dann sehr teuer sind, beim Käufer eher in der Vitrine stehen als auf dem Couchtisch, ist klar. Was aber zieht einen Koreaner, dessen Luxusartikel in einer Pariser Galerie vertreten werden, zur Grassimesse? "Die Messe hat bei uns einen sehr guten Ruf, wir erwarten viel von der Präsenz in Leipzig."

Die Kombination uralter Traditionen mit neuen Gestaltungsideen und auch Techniken ist bei vielen Ausstellern anzutreffen, fast eine Grundtendenz. Nicht immer sieht man das den Exponaten an, manchmal sind Erklärungen nötig. So bei den Schmuckstücken der Hallenserin Silke Trekel. Dass ein wichtiges Ausgangsmaterial für ihre Ketten und Broschen gerasterte Industriekeramik ist, die ansonsten in Wärmetauschern Anwendung findet, ist nicht offensichtlich. Sie verformt die Masse vor dem Brennen, sägt oder feilt später noch daran. Nachdem sie einige Jahre große Objekte derart hergestellt hat, kombiniert sie nun kleinere Teile mit Silber und anderen Metallen zu Accessoires.

Manchmal liegt die Kombination von Alt und Neu gar nicht so sehr in der Herstellung als in der Ideenfindung. Karoline Peisker, ebenfalls Schmuckgestalterin aus Halle, hat sich die Form ihrer Fingerringe aus edlem Silber vom Gewinde alltäglicher Getränkeflaschen aus Plastik abgeschaut.

Fast schon ikonoklastisch muss es hingegen erscheinen, wenn Christina Röhlen aus Nordrhein-Westfalen für ihre Colliers Steine wie etwa schimmernden Labradorit mit solch profanen Materialien wie Schrumpfschlauch und Nylon kombiniert.

Zu dieser Grassimesse waren von Freitag bis gestern ganz traditionelle Arbeiten - wobei mit klassisch manchmal auch diese Periode der Moderne gemeint sein kann - ebenso wie Hightech-Produkte zu finden. Und eben die vielen Hybride. Diese Mischung macht es, dass auch das Publikum viel breiter gestreut ist, als man es von einer Verkaufsausstellung hochwertigen Kunsthandwerks erwarten kann. Nicht nur gutbetuchte, leicht angegraute Besucher bestimmten das Bild, mehr noch Familien und auch Jugendliche. Museumsdirektorin Eva-Maria Hoyer weist darauf hin, dass bei einer Befragung im Vorjahr festgestellt wurde, dass 60 Prozent der Besucher unter 41 Jahre alt sind, Kinder gar nicht mitgezählt. Weniger überrascht es, dass die Mehrheit der Interessenten weiblichen Geschlechts ist.

Ebenso wurde die Vermutung bestätigt, dass es sich auch für Besucher um ein Ereignis von überregionaler Wahrnehmung handelt. Für die Aussteller sowieso, bis auf Albanien waren seit der Wiederaufnahme der Messe 1997 alle europäischen Länder und einige außereuropäische schon zu Gast.

Aus Österreich kommt Robert Comploj, einer der nicht so zahlreichen Glasgestalter auf der diesjährigen Grassimesse. Reduzierte Formen kombiniert er mit ausgefeilten Herstellungsverfahren, von denen manche aus Murano, der venezianischen Glasbläserstadt, stammen. So bringt er Kombinationen verschieden gefärbter Glasstangen in die perfekte Vasenform, das Muster lebt aber von den kleinen Unregelmäßigkeiten. Der Kunsthandwerker hat mit Jong-Min Lee gemein, noch jung zu sein. Ebenso wie der Koreaner ist er trotz der hohen Perfektion noch nicht lange auf dem Markt. "Mal sehen,was die Messeteilnahme bringt. Ich freue mich auf jeden Fall, unter den vielen Bewerbern ausgewählt worden zu sein."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 28.10.2013

Jens Kassner

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