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Aufruhr in der Sächsischen Schweiz: „Wilhelm Tell“ im Garten des Mückenschlösschens

Sommertheater Aufruhr in der Sächsischen Schweiz: „Wilhelm Tell“ im Garten des Mückenschlösschens

In seinem diesjährigen Sommerstück interpretiert das Freistaatstheater Schillers Drama „Wilhelm Tell“ im Garten des Mückenschlösschens sehr humoristisch. Und sächsisch.

Streitende Sachsen: Katrin Büchner, Björn Dreyer und Andreas Richter (von links) spielen zu dritt „Wilhelm Tell“.

Quelle: Christian Modla

Leipzig. Ein milder Sommerabend, neben den Gästen ragen die Kiefern gen Himmel – Sommertheater im Garten des Mückenschlösschens. An den vollen Tischen herrscht entspannte Atmosphäre, man freut sich mit Bier und Wein auf das Kommende: „Wilhelm Tell“ – in einer sehr freien Umsetzung des Klassikers von Friedrich Schiller.

Eigentlich ein Drama über Tyrannei und Machtmissbrauch, in dem der Titelheld die Unterdrückten befreit, interpretiert das Freistaatstheater unter Leitung von Andreas Richter und Friederike Behr das Drama allerdings humoristisch. Und sächsisch. Schon die kurze Einführung stürzt das Publikum in Gelächter, ein kleiner Sprachkurs nebst Anweisungen zum Mitmachen, die Gäste sollen das Gespielte kommentieren. Bei Sätzen wie zum Beispiel „Das Volk leidet“ stimmen die Zuschauer mit einem „So doll“ ein, so zieht es sich durch das gesamte Stück.

Ein Barde tritt auf die Bühne, gekleidet mit Federhut und in der Hand eine Mandoline, so singt er die Einleitung zum Stück und führt in das Geschehen. Berta und ihr Geliebter Ulrich fliehen vor dem mächtigen Landsherrn Gessler, denn dieser hat es auf Ulrich abgesehen. In größter Not wissen sich die beiden nicht zu helfen, aber sie wissen, Ulrich muss untertauchen. Da hilft Wilhelm Tell, Held und Jäger aus der Sächsischen Schweiz, und organisiert einen Unterschlupf. Der Geliebte verweilt dort, Berta macht es sich indes auf dem Erntedankfest gemütlich.

Leicht naiv kommt Berta herüber, als sie sich an einer Kette oder einer geschenkten Erdbeere erfreut. Das wahre Wesen der Berta von Bruneck, hier Berta von Stolpen, wird verdrängt und von Kindlichkeit geradezu überschwemmt. Vater Klaus organisiert, als sie über den Marktplatz stolziert, eine Hochzeit mit dem von ihr gehassten Gessler. Gezeter ist da programmiert, und so muss er einsehen, dass die Hochzeit nicht stattfindet, „Ich dachte, ich bin dann der Vati der Sächsischen Schweiz“, kommentiert er traurig.

Auf der Suche nach Wilhelm Tells Sohn

Gessler demonstriert seine Macht mit einer Kopfdeckung. Jeder soll einen Hut grüßen, der am Marktplatz prangt. „Man erweise ihm Respekt“, sagt er während der Anbringung. Der militante Tell hingegen möchte davon nichts wissen, so kommt es zur legendären Apfelszene. Wilhelm muss seinem Sohn die Frucht vom Kopf schießen, prompt sucht man sich aus dem Publikum einen mehr oder weniger geeigneten Sohn – in dem Fall könnte er der Vater des Schauspielers sein. Der Schuss sitzt und trifft selbstverständlich nur den Apfel.

Trotzdem ist danach klar: „Gessler muss weg.“ Das propagieren im Wirtshaus der Bürgermeister, Tell und die verkleidete Berta – nun als Bert Schandau unterwegs. Gessler wird in den Wald geführt, dort wartet das Todeskommando Wilhelm Tell auf ihn – der Pfeil trifft sein Ziel, und es ist vollbracht, der Landsherr stirbt, und keiner muss mehr unter seinen Machenschaften leiden. Ein Happy End – darauf folgt jubelnder Beifall.

„Wilhelm Tell – Held der Sächsischen Schweiz“, bis 24. August immer mittwochs und donnerstags, 20 Uhr, Garten des Mückenschlösschens (Waldstraße 86), bei Regen im Saal, Karten für 15 Euro: 0341 9832051

Von Sarah Englisch

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