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Ausverkauftes Abschiedskonzert - Unheilig am Völkerschlachtdenkmal

15.000 Zuschauer Ausverkauftes Abschiedskonzert - Unheilig am Völkerschlachtdenkmal

Am Freitag hat Unheilig vor der imposanten Kulisse des Leipziger Völkerschlachtdenkmals das erste von zwei Konzerten gegeben. Die Band verbindet ihre Abschiedstournee mit der diesjährigen 1000-Jahrfeier der Messestadt.

Unheilig am Freitag vor dem Völkerschlachtdenkmal.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Der Mann, der sich selbst und den alle anderen nur den Grafen nennen, und die Fans seiner Ein-Mann-Band Unheilig teilen längst ihre eingeübten Rituale miteinander. „Ihr seid der ....“, ruft er den 15 000 Menschen vor dem Völkerschlachtdenkmal zu. Und fast alle wissen, was sie sind: „... Hammer!“ nämlich, wie sie lautstark entgegnen.

Ungefähr drei Stunden zuvor mag der eine oder andere von ihnen gestern Abend noch nicht so sicher gewesen sein. Als gegen halb sieben die Industrial-Waver The Crüxshadows aus Florida ihr Leid klagen und sich dazu zwei spärlich begleitete Tänzerinnen bewegen, schauen sie in etliche eher verständnislose Gesichter. Mit den Münchnern von Megaherz, der zweiten Vorband, lärmt eine Stunde später immerhin eine der Gruppen, die Anfang der 90er die Stilrichtung „Neue Deutsche Härte“ begründet haben – laut Wikipedia auch das Genre von Unheilig.

Aber in Wahrheit sitzt der Graf ja längst zwischen allen Stühlen und Stilen. Oder besser: Er rennt und rennt und rennt. Ein Tuten kündigt kurz vor halb neun seine Ankunft an. Noch ein bisschen Marlene Dietrich, dann Hildegard Knef aus der Konserve, schon öffnet sich der Vorhang – und gibt zunächst den Blick auf mächtige Kerzenständer und eine Dampflokomotive frei. Kinder bis 10 und Senioren über 65 genießen bei Unheilig-Konzerten traditionell freien Eintritt, wenn man sie rechtzeitig anmeldet. Es ist schön, dass der Graf auch bei der Gestaltung des Bühnenbilds an sie denkt.

Unheilig am Völkerschlachtdenkmal.

Zur Bildergalerie

„Heute feiern wir 1000 Jahre Leipzig“, gibt er sogleich bekannt. Doch ist das ist nur eine Besonderheit des zweifach ausverkauften Doppelkonzerts gestern und heute Abend: Es sollen die beiden letzten Auftritte des Grafen hier sein. Wobei man sich als Anhänger nicht beklagen darf. Nachdem er vor knapp einem Jahr verkündet hatte, sich im Herbst 2016 aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen, ist er im April vor vielleicht 3000 Leuten im Haus Auensee aufgetreten und hat nun noch die zehnfache Menge an Eintrittskarten verkauft: 30 000 Zuschauer an zwei aufeinanderfolgenden Abenden – das schaffen nur wenige.

Wobei Leipzig, das darf man ihm glauben, durchaus eine gewisse Rolle in der Vita des Grafen spielt, über die ja ansonsten nicht viel bekannt ist. Vielleicht steht in seinem Ausweis der Name „Bernd Heinrich Graf“, vermutlich ist er um die 40, und möglicherweise lebt er in Würselen bei Aachen. So genau weiß man das nicht. Sicher hingegen ist: 2001 spielte Unheilig, damals noch keine Ein-Mann-Show plus Live-Band, sondern ein Trio, beim Wave-Gotik-Treffen eines der ersten Konzerte überhaupt. Bis 2008 folgten vier weitere WGT-Engagements.

Natürlich bleibt logisch, dass eine Band, die mal wie Rammstein und mal wie DJ Ötzi klingt, im Land polarisiert wie sonst vielleicht nur Pur oder Mario Barth. Anderswo muss der Graf daher auch viel Kritik einstecken wegen all der Plattitüden, die Musik und Texte durchziehen.  „Die Weisheiten des Lebens“, ein Lied, das in Leipzig auf der Zielgeraden kurz vor den Gassenhauern „Große Freiheit“ und „Geboren, um zu leben“ drankommt, ist in dieser Hinsicht besonders schlimm. Zum Mitschunkeln reiht der Graf Allerweltssprüche aneinander. „Jeder ist seines Glückes Schmied“, „Eine Hand wäscht die andere“, „Morgendstund hat Gold im Mund“, soso. Da wird aus dem Pathos, das nunmal fast alle Dunkelromantiker schätzen, einfach nur Schlager-Kitsch.

Sei’s drum, solange die glaubwürdigen Momente nicht fehlen. Vermutlich wird der Graf auch am Sonnabend in „Für immer“ den Moment lobpreisen und schließlich ein letztes Mal in Leipzig ein Tränchen verdrücken. „Es ist Zeit zu gehen. Wir danken euch für all die Jahre“, wird er mit den meisten der wiederum 15 000 Anhänger im Chor singen. „Lasst uns zusammen Abschied feiern und im Herzen für alle Zeit zusammenstehen.“ Und in genau diesem Augenblick wird das dann auch so sein.

Die gesamte Rezension zum Konzert lesen Sie in der LVZ-Printausgabe vom 29. August 2015.

Völkerschlachtdenkmal Leipzig 51.312367 12.413267
Völkerschlachtdenkmal Leipzig
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