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Autor Dieter Zimmer vermacht seinen Vorlass der Leipziger Stadtbibliothek

Autor Dieter Zimmer vermacht seinen Vorlass der Leipziger Stadtbibliothek

Dieter heißt Thomas. Der wird 1939 in Leipzig geboren, bekommt vom Krieg und vor allem auch von der schweren Zeit danach eine ganze Menge mit. 1953 flüchtet die Mutter mit dem Jungen ins damals noch offene West-Berlin.

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ZDF-Journalist Dieter Zimmer (rechts) übergibt Ulrich Kiehl von der Stadtbibliothek Leipzig seinen Vorlass.

Quelle: André Kempner

Thomas ist der Hauptdarsteller in den Romanen "Für'n Groschen Brause" und "Alles in Butter". Das erste Buch ist ein Leipzig-Buch, der Junge ist in seiner Stadt zu erleben, die wurde im Krieg schwer zerstört, mühsam der Neubeginn. Später kommt der Romanheld im Westen an. Alles in Butter nun? Von wegen. Denen aus dem Osten wird nichts geschenkt im aufblühenden Wirtschaftswunderland.

Beide Bücher sind in der Connewitzer Verlagsbuchhandlung Peter Hinke neu erschienen. Ihr autobiografischer Autor? Zimmer, Dieter. Der wird morgen 74 und lebt mit seiner Familie in Wiesbaden. In sein Leipzig zieht es ihn stets zurück, früher, als die Mauer noch stand und jetzt erst recht. Die Entwicklung der Stadt fasziniert ihn. Zimmer ist bekennender Leipziger. Nun hat er der Stadtbibliothek seinen Vorlass vermacht. Jetzt schon? - "Warum nicht? Ich weiß doch die Dinge in sehr guten Händen und brauch' mir keine Sorgen machen, wenn ich mal die Löffel abgebe." Über die Geistesgaben freut sich Ulrich Kiehl, Leiter des Literaturarchivs der Bibliothek, kommt doch mit der Zimmer'schen Sammlung eine spezielle Note in die Bestände des Hauses. Kiehl: "Wir besitzen schon 25 Sammlungen von wichtigen Leipziger Personen, haben zum Beispiel zu Lebzeiten die Vorlässe von Werner Heiduczek und Andreas Reimann in Obhut nehmen dürfen. Bei Dieter Zimmer gibt es den Fall, dass mit seinen Dokumenten ein Blick von außen auf unsere Stadt möglich wird. Es gibt nur wenige Menschen, die trotz jahrzehntelanger Abwesenheit so intensiv Leipziger geblieben sind."

Zimmer wuchs zwar in Leipzig auf, seine Berufskarriere fand aber im Westen statt. Über viele Jahre prägte er das ZDF, war TV-Reporter und Studioredakteur der heute-Sendung, moderierte vielfach die Wahlabende im "Zweiten". Von so einem Leben, oft im Kontext der Geburtsstadt Leipzig, künden Bücher, Briefe, Dokumente, darunter Zimmers Stasiakte, die nun fein sortiert in einem Regal des Bibliotheksarchiv stehen. Mehrere Aktenordner Briefe werden gerade von Kiehl aufgearbeitet. Zimmer, der Reporter im Westen, bekam oft Post - auch aus Leipzig. So 1980 nach seinem Film "Mein Leipzig lob ich mir's?", der im Osten, wo das Westfernsehen weitestgehend zu empfangen und tägliche Informationsquelle war, große Resonanz fand. Den führenden Genossen gefiel freilich die Sichtweise von Zimmer auf seine Geburtsstadt nicht so sehr. Zu kritisch sein Blick. Dem Messeamt am Markt prophezeite er ob seiner nicht gelungenen Architektur keinen allzu langen Bestand, und die Umweltbelastung durch die Braunkohleindustrie war auch zu heftig kritisiert worden. Das führte dazu, dass der ZDF-Mann Zimmer mit einem Arbeitsverbot für den ehemaligen Bezirk Leipzig belegt wurde.

Zimmer lächelt: "Das Verbot hat ja nur neun Jahre gedauert." Er nimmt sein bis heute populärstes Buch in die Hand. 1980 erschien der Leipzig-Roman "Für'n Groschen Brause - Eine liebevolle Familienchronik aus unliebsamen Zeiten" zum ersten Mal. Zimmer erinnert sich: "Von bundesdeutschen Verlagen bekam ich zunächst sieben Absagen, man sei nicht interessiert an so einer Geschichte aus der DDR/Ostzone, auch sei die Story zu unliterarisch. Der Scherz-Verlag in Bern sagte schließlich Ja, das war ein großer Tag in meinem Leben." Das Buch verkaufte sich sehr gut, erlebte zahlreiche Neuauflagen, in der Schweiz hieß es, weil man mit den Begriffen Groschen und Brause wenig anfangen konnte, "- und auf dem Balkon der Kaninchenstall".

Zimmer war nicht nur Roman-Autor, er schrieb Sachbücher und immer wieder Essays. Jetzt sitzt er wieder mal an einem neuen Buch. Er widmet es seiner Mutter Annalies. "1914 geboren, ist ihr Leben ein deutsches Schicksal des 20. Jahrhunderts. Ihr Mann, mein Vater, den ich nicht kannte, in einem Straflager der Nazis zu Tode gekommen, ein Familienmitglied der Euthanasie zum Opfer gefallen, viel Elend in Krieg und Nachkrieg, Flucht aus Leipzig und Neubeginn im Westen. Das ist doch ein guter Stoff", sagt Zimmer. Fast 200 Seiten sind schon geschrieben.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.12.2013

Thomas Mayer

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