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Autorenfilme fürs Kopfkino: Neues Album von Two Wooden Stones

Autorenfilme fürs Kopfkino: Neues Album von Two Wooden Stones

Nach ihrem Auftritt am Samstag in einer Leipziger Justizvollzugsanstalt touren Two Wooden Stones mit ihrem neuen Album zunächst ein bisschen durch Deutschland, bevor die Band Anfang April ins Werk 2 zurückkehrt - und danach in den Nahen Osten aufbricht.

Er war wohl der erste jener Migranten-Riege, die Leipzigs Popszene gerade einer erfrischenden Sauerstoff-Kreativ-Therapie unterzieht. Aus Frankreich kommend, verschlug es Jérôme Shélhôm 2008 hierher, eine alte Klampfe auf dem Rücken und den Kopf voller Lieder. Seine Ideen fielen auf jenen kreativen Humus, für den diese Stadt wohl nicht zu Unrecht einigermaßen gerühmt wird. Oder, etwas prosaischer: Shélhôm hatte das Glück, schnell in den richtigen Läden und Communities die richtigen Leute zu treffen.

Bald war er der heimliche King der Wohnzimmerkonzerte im Leipziger Westen, kurz darauf erschien die erste Platte seiner frischen Band. Mit dem Nachfolgealbum "Looking For The Light" ist er endgültig bei seinem musikalischen Ich angekommen. "Acoustic- Freak-Folk-Rock" nennt er das. Es ist ein sanftes Crossover aus melancholischem Folk mit Weltmusikanleihen aus aller Herren Regionen und tiefem Gespür für die Erzeugung innerer Dramatik durch Reduktion auf das Maximum.

Aufgenommen und gemixt wurde im Proton-Studio. Das wird von Torsten Schroth betrieben, einem umtriebigen Klangtüftler, der eigentlich vom Reggae kommt und schon vom Marley-Clan nach Florida eingeflogen worden ist, um eine Gala zu produzieren. Praktischer ist, dass Schroth unter dem Namen Tiny Dawson als Keyboarder für Two Wooden Stones tätig ist. Das spart Zeit, Kosten und Nerven. Drauf hat er's sowieso: Der Gesamtklang findet trotz der stilistischen Vielfalt immer die emotionale Mitte der Songs. Viele Instrumente, musikalische Arabesken und Satzgesänge werden harmonisch in den Sound eingewebt, ohne dass effektversessen gebosselt wird nur um des lieben Frickelns willen.

Im Zentrum steht die warme, nuancenreiche, sehr charismatische Stimme des Chefs, der in sehr poetischer Sprache in einem definitiv nicht frankophonen Englisch seine Geschichten erzählt. Die sind offenkundig sehr persönlich, bleiben dabei aber in schönen Bildern, ohne konkret zu werden. Zusammen mit der Musik, die fast immer leicht sehnsuchtsvoll in unbestimmte Fernen schweift, entstehen starke Impulse für die Autorenfilme in den individuellen Kopfkinos.

Einen öffentlichen Film hat er zur Sicherheit auch abgedreht: Das Video zu der markanten Speed-Gospel-Nummer "Sold My Soul" ist ein überaus gewitzter Vintage-Clip, in dem sich die Band in alte Stummfilmsequenzen hinein schneiden ließ. Das läuft bei MTV und Viva-online und hat, da aufregend außergewöhnlich, das Zeug, die Band wirklich bekannt zu machen.

Eine Nummer sind sie schon im Nahen und Mittleren Osten. Nach einem ersten erfolgreichen Versuch vor einigen Jahren wird es auch zum neuen Album eine Tour von Marokko bis in die Vereinigten Arabischen Emirate geben. Shélhôms Musik zeigt immer wieder starke Affinitäten zu orientalischen Klängen - gut vorstellbar, dass sie damit dort große Erfolge feiern.

Zwei Konzerte gibt die Band in Leipzig. Für jenes am Samstag gibt es keine Tickets. Wer da ist, hat sich die Eintrittsberechtigung bereits auf andere Weise erworben und zum Teil sehr teuer bezahlt: Sie spielen in der JVA in der Leinestraße. Schön, dass jemand den Leuten drinnen, die da ja nicht umsonst sitzen, zeigt, was sie draußen verpassen. Vielleicht finden sie zurück in die Gesellschaft, zu uns. Alle anderen müssen sich noch bis zum 4. April gedulden, da spielt die Band im Werk 2 den Tourabschluss. Vielleicht ist sie zu diesem Zeitpunkt schon durch die Decke gegangen, und die hiesige Szene hat endlich mal wieder einen überregionalen Act!

Two Wooden Stones: (Kick The Flame), Konzerte Freitag, 19 Uhr, Brohmers (Bernburger Straße 9, Halle) und 4. April, 21 Uhr, Halle D (Werk 2, Kochstraße 132), Vorverkauf 12 Euro. Der Klick zum Clip und mehr: twowoodenstones.com

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.03.2014
Lars Schmidt

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