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Bach meets Funk

Klassik-Festival Bach meets Funk

Volksfeststimmung gibt’s beim Bachfest auf dem Leipziger Markt. Unter freiem Himmel gesellt sich Bier zur Musik. Am Samstag waren Nils Landgren und New Eyes on Baroque zu erleben. Und blieb zuweilen etwas zahm.

Nils Landgren und sein Crossover-Projekt New Eyes on Baroque auf dem Leipziger Marktplatz.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Mit dem Wort „BACHmosphäre“ ist es in etwa so wie mit der Musik, die darunter firmiert: Es passt irgendwie nicht zusammen, aber trotzdem weiß man, was damit gemeint sein soll. So war es auch bei Nils Landgrens Crossover-Projekt New Eyes on Baroque am Samstagabend auf dem Leipziger Markt.

Eine begnadete Sopranistin ist Jeanette Köhn, butterweich und doch kraftvoll, brillant und doch warm. So kann man Bach singen. Zwischen Landgrens charakteristischer roter Posaune, Jonas Knutsson am Saxophon, Johan Norberg an der Gitarre und der Kontrabassistin Eva Kruse wirkt sie aber zuweilen wie nicht von dieser Welt. Anders als ihre Mitspieler schlägt sie einen geschliffen barocken Ton an, und vielleicht ist es sogar der Einbezug der ja an sich exzellenten Sopranistin, der der ganzen Sache einen Riegel vorschiebt. Freiheiten gestattet man sich nämlich nur in begrenztem Maße. Was schade ist, denn die Musiker, die sich hier versammelt haben, sind allesamt Spitzenklasse und erschaffen bei glasklarer Transparenz einen wohligen und vertrauten Gesamtklang. Sphärisch und meditativ ist die Grundhaltung.

Respekt vor dem Vermächtnis

Doch wie in so vielen „Bach meets“-Konzeptionen überwiegt auch hier der Respekt – oder die Angst? – vor dem kompositorischen Vermächtnis des einstigen Thomaskantors. Man getraut sich schlicht nicht, Bachs Musik aus den Grenzen von 1750 in die musikalischen Terrains des Hier und Jetzt hinüber zu wuchten, zumal das des Jazz, und wiegt sich lieber in unverfänglichen A-B-A-Zahmheiten. Sicher, das Risiko, sich zu versündigen, ist nicht unerheblich und führte in der Pop- und Jazzgeschichte schon mehr als einmal zu einschlägigen Ergebnissen. Etwas mehr Experimentierfreude würde man sich von den Musikern schon wünschen. Gitarre, Baritonsaxophon und Kontrabass müssten sich nicht mit allzu braver Generalbasspraxis durch den Hintergrund schleichen – auch wenn es groovt.

Was New Eyes on Baroque machen, ist alles andere als schlecht. Aber ob ihnen wirklich ein so neuer Blick auf den Barock gelingt, bleibt zu bezweifeln. Die Stückauswahl beschränkt sich an diesem Abend vornehmlich auf die Gassenhauer: „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ und „Jesus bleibet meine Freude“ etwa hat man schon hundertfach in solchen und ähnlichen Arrangements gehört. Mehr kann man da auch schwerlich noch rausholen. Die improvisatorischen Passagen versprechen viel, bleiben aber eingepfercht in formaler Strenge.

Beim anschließenden Auftritt von Landgrens gefeierter Funk Unit kommt dann auch endlich Stimmung auf dem Marktplatz auf. Die großartige Funk-Formation präsentiert sich in gewohnt ausgelassener Manier. Mit Titeln wie „Funk for Life“ und „Funk the World“ entlocken sie noch dem letzten Bachfestbesucher ein Fußwippen. Einzig die Tontechniker scheinen sich frühzeitig in den Feierabend verabschiedet zu haben, denn Landgrens Mikrofon und die Keyboard-Sektion sind in diesem zweiten Teil von Anfang bis Ende über weite Strecken so gut wie unhörbar.

Von Alexander Faschon

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