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Bachmann-Abend hat Leipzig-Premiere

Schaubühne Lindenfels Bachmann-Abend hat Leipzig-Premiere

Die Produktion „Erklär mir, Inge“ spiegelt das Lieben und das Leben der österreichischen Dichterin Ingeborg Bachmann, die nach langer Suchtkranktheit 47-jährig starb. Die Compagnie Erweiterte Zugeständnisse Leipzig/Wien feiert am Donnerstag Premiere des Stücks in der Schaubühne Lindenfels.

Innig: Soheil Boroumand und Verena Noll in „Erklär mir, Inge“.

Quelle: Cindy Cordt

Leipzig. Ein bisschen muss man sich noch dazudenken. Zur Probe von „Erklär mir, Inge“ am Dienstag Mittag ist der rechteckige Metallrahmen noch nicht mit Asche und Zigarettenkippen gefüllt. Das übergroße Tuch an der hinteren Wand bleibt ohne die von Cindy Cordt verantworteten Videos weiß. Das Licht muss erst noch eingerichtet werden. Zur Premiere am Donnerstag wird alles komplett sein. Und trotz der Unvollständigkeit ist schon bei diesem Durchlauf klar und eindringlich zu sehen, was die Compagnie „Erweiterte Zugeständnisse Leipzig/Wien“ in den alten Ballsaal der Schaubühne Lindenfels bringen wird.

Es wuselt auf dem Parkett. Verena Noll kramt in einer Kiste, während Johannes Gabriel fragt, wo seine Haare seien und Regisseurin Friederike Köpf anmerkt, dass die Bücher für hier und jetzt noch nicht bereit liegen. „Ich bräuchte mal den Schlüssel“, bemerkt Gabriel; Soheil Boroumand konstatiert amüsiert und dezent entschuldigend in Richtung Proben-Beobachter, dass man halt an furchtbar viel denken müsse.

Nach fabelhaften Produktionen wie „Iras Protest“ und „Abgänge“ – das Stück war nominiert für den Leipziger Bewegungskunstpreis 2015 – präsentiert die Compagnie nun eine weitere Arbeit aus den Bausteinen Lesung, Szenen und Installation. Im Mittelpunkt: das Leben und Lieben der österreichischen Dichterin Ingeborg Bachmann (1926-1973) als eine theatrale Reise.

Gedichte folgen auf Traumbilder, Dialoge aus dem Roman „Malina“ werden mit Bachmanns Briefwechseln mit jenen Männern kombiniert, die sie glücklich machte(n) und leiden ließ(en): Paul Celan, Hans Werner Henze und Max Frisch tauchen auf in dieser Landschaft, in der eine Frisierhaube neben einem Liegestuhl steht, eine Wäscheleine baumelt, ein Podest mit Mikrofon als eine Art Insel für die Öffentlichkeit steht. Nicht zu vergessen der lange Schlauch, der mal fürs Gießen benutzt wird, mal als Mikrofon, ein Friseur-Utensil oder die Wiener Ungargasse symbolisiert. Noll verdeutlicht Bachmanns Pendelschmerz, der beim Tarieren von zu viel oder zu wenig Nähe zu ihren Geliebten entsteht. Durchaus selbst gewählte Extreme, mit denen die Empfindsame aber nicht zurechtkommt.

Dank Noll sowie der Parts von Boroumand/Gabriel entsteht ein Charakterbild der Schriftstellerin, wird die Bedeutung ihrer Lebensbegleiter spürbar. Spiel und Lesung fließen ineinander, und an diesem Mittag erscheint sogar die mit dem Mikro umhergehende Radiojournalistin von MDR Figaro wie ein natürlicher Teil der Installation. Ab Donnerstag offiziell zu sehen – ohne sie, aber mit Asche und Kippen, mit Haaren, Schlüssel, Videos und allem anderen.

„Erklär mir, Inge“: Donnerstag bis Samstag, jeweils 20 Uhr in der Schaubühne Lindenfels, Kartentelefon 0341 4846210, Infos auf www.schaubuehne.com.

Von Mark Daniel

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