Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Bachmannpreis: Durchwachsener Auftakt zu den Tagen der deutschsprachigen Literatur

Bachmannpreis: Durchwachsener Auftakt zu den Tagen der deutschsprachigen Literatur

Man kann literarisch richtig liegen: Über ganz Klagenfurt sind sie verteilt, die Liegestühle mit Ingeborg-Bachmann-Zitaten. Auf leuchtendem Orange ist da zu lesen: „Nichts Schöneres unter der Sonne, als unter der Sonne zu sein.

Voriger Artikel
Mendelssohn-Preis geht an Reich-Ranicki und Schreier
Nächster Artikel
Einzigartige Schau mit Kokoschka-Zeichnungen im Dresdner Kupferstich-Kabinett

Die 35. Tage der deutschsprachigen Literatur mit Lesungen und Diskussionen finden in Klagenfurt statt.

Quelle: PR

Klagenfurt. " Kann man falsch liegen, wenn es um Literatur geht, um das Interesse an einem Text, dessen Qualität sich schwer bemessen lässt? Es kann immer auch sein, dass sich einer verliebt. Dann ist für ihn gut, worüber alle anderen den Kopf schütteln.

„Wir dürfen nicht vergessen, dass die Hinwendung eines Kritikers zu einem Text auch immer einen Urgrund hat", sagt Burkhard Spinnen, um Ausgleich bemüht als Vorsitzender der Jury, zu der noch Meike Feßmann, Hildegard E. Keller, Daniela Strigl, Paul Jandl, Alain Claude Sulzer und Hubert Winkels gehören. Seit gestern befinden sie über die Texte von 14 Autoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Wettlesen" wird das gern genannt, „Betriebsausflug der Literaturszene". 3Sat überträgt live.

„Literatur funktioniert nicht nach dem K.o.-System, in dem am Schluss einer der Sieger ist", sagt der Schweizer Schriftsteller Urs Widmer in seiner Eröffnungsrede. „Die Frage ist nicht, ob Goethe oder Kleist oder Büchner, das heißt, die Antwort auf diese Frage ist: Goethe und Kleist und Büchner." Und Bernhard wohl, an dem keiner vorbeikommt, als Antonia Baum ihren Text „Vollkommen leblos, bestenfalls tot" vorstellt. Vielleicht wird sie am Ende am meisten polarisieren. Denn die junge Berlinerin, sie ist Jahrgang 1984, schreibt allegorisch, energiegeladen, originell. Sie schreibt vorhersehbar, voller Bildbrüche und verschwurbelter Metaphern. So lässt sich das Jury-Urteil zusammenfassen.

Sie hoffe und fürchte, „das soll keine Thomas-Bernhard-Parodie sein", meint Daniela Strigl. Es sei offensichtlich und völlig bewusst Thomas-Bernhard-Stil, stellt Hubert Winkels klar, der Baum eingeladen hat. Strigl blättert nach einem Beweis und findet: „Mein Kopf ist ein aus der Vergangenheit hier her getragener und auf meine zeitgenössischen Kleider draufgesetzter, nichts weiter." Dies sei Vorsatz und Crux dieses Textes.

Zum richtigen Krach kommt es nicht. Genauso wenig wie zu Einstimmigkeit. Nicht über Gunther Geltingers Romanauszug, den er stotternd (das „liegt in der Natur meiner Sprache") vorträgt, in dem einige Bilder gelingen, aber auch etliche Metaphern missglücken. Von der Frage, ob die Rekonstruktion einer Kindheitsperspektive an Norddeutschland gebunden sei, lässt sich Paul Jandl zu der Vermutung hinreißen, offenbar seien dort noch die Heidschnucken auf den Deichen „suizidal verschattet".

Maximilian Steinbeis' routiniert witzige Persiflage von Ratgeberliteratur wird freundlicher aufgenommen, scheint aber ebenso wenig preisverdächtig wie Daniel Wissers Porträt eine Zwangsneurotikers. Die Passiv-Konstruktionen ermüden: „Er fragte sich, wie wohl im Kino nebeneinander gesessen werden würde?" Meike Feßmann sieht darin sogar einen „Vorwand für Prosa von erschütternder Schlichtheit". Bei Anna Maria Praßlers Rollenprosa über das Kennenlernen und (nicht) Abschiednehmen hat dann Alain Claude Sulzer den Eindruck, „triviale Literatur" zu lesen.

Das „Abweichen von der Norm der Sprache", die „einen literarischen Text erst als solchen definiert" (Widmer), wird am ersten Tag zwar mutig präsentiert, führt auf manche Höhen, allerdings auf keinen Gipfel.

Janina Fleischer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Lachmesse Leipzig 2017

    Vom 15. bis 20. Oktober 2017 werden in Leipzig wieder massiv die Lachmuskeln gereizt. Über 180 Künstler kommen zur Lachmesse. mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • Leipziger Opernball 2017

    Schwungvoll im Dreivierteltakt: Der Leipziger Opernball „Moskauer Nächte“ lädt am 4. November aufs Parkett. Hier finden Sie Infos und Fotos zum Event. mehr

  • Lichtfest Leipzig 2017

    Alljährlich am 9. Oktober erinnert das Lichtfest Leipzig auf dem Augustusplatz an die Ereignisse im Herbst 1989. Hier gibt es alle Infos. mehr

Blättern Sie hier durch die aktuelle Veranstaltungsbeilage "Applaus" und finden Sie Konzerte, Shows, Ausstellungen, Sport-Events und mehr in Leipzig und Umgebung. mehr

Erfahren Sie mehr auf www.leipziger-museen.de

"Stasi – Macht und Banalität": Gedenkstätte Museum in der "Runden Ecke" gibt Einblicke in den SED-Überwachungsstaat. mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr