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Ballett: Musiker von The Notwist und Kante vertonen in der Oper das "Nibelungenlied"

Ballett: Musiker von The Notwist und Kante vertonen in der Oper das "Nibelungenlied"

Am Freitag gibt es die letzte Premiere in der Oper vor der Sommerpause mit Mario Schröders Choreographie zum "Nibelungenlied". Die mit dem deutschesten aller deutschen Mythen gern aufziehenden Nebel des Pathos werden indes wohl kaum wabern.

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Ansonsten Helden deutscher Indie-Kultur: The-Notwist-Schlagzeuger Andi Haberl (links) und Kante-Keyboarder Thomas Leboeg.

Quelle: André Kempner

Zumindest nicht klanglich, wie ein Gespräch mit den Musikern Thomas Leboeg und Andi Haberl erahnen lässt.

Gemeinsam liefern die nämlich den neuen Soundtrack zum alten Epos. Und das immer live auf der Bühne, mit Flügel und Schlagwerk, Effektgeräten und Synthesizern. "Über Mythen und Sagen hin zur Popkultur", beschreibt die Oper dieses Konzept dann doch im wie gehabt eher, naja, wenig poppigen Ton. Aber sei es drum. Was Leboeg und Haberl beim Gespräch im Café der Oper zu ihrer Arbeit an diesem "Nibelungenlied" zu erzählen haben, ist in jedem Fall angetan, neugierig zu machen.

Aber natürlich muss man zuerst - da kommt man nicht umhin im Jahr 2013, hier in dieser Stadt und mit Blick aufs Sujet - mal nach dem anderen großen Mythen-Vertoner fragen. Was also fällt diesen zwei Musikern ein, die ja sonst vorrangig mit ihren Bands Kante (wo Leboeg Keyboarder ist) und The Notwist (wo Haberl Schlagzeug spielt) inhaltlich und klanglich in weiter Ferne zu jedweden Götterdämmerungen stehen, wenn man ihnen den Namen Richard Wagner zur Spontan-Assoziation hinwirft.

"Lächerlicher Bart", antwortet Leboeg ohne Schrecksekunde. Die Haberl doch noch braucht, bevor er es gesteht: "Ehrlich gesagt, allzu viel nicht. Zu lange Opern vielleicht." Und bevor nun hier der Eindruck aufkommt: Nein, herablassend klingt das nicht an, wohl aber mit jener wohltuenden Ironie, die von künstlerischer Souveränität kündet. Und so konkretisiert Leboeg: "Natürlich hat Wagner große Musik geschrieben. Aber worum es uns geht, ist mit Blick auf den Stoff das Gegenteil von dem, worum es Wagner wahrscheinlich ging. Wir möchten das Pathos reduzieren, mit unserer Musik nicht noch verstärken, was in dem Stoff sowieso schon so groß dimensioniert ist."

Das nun soll bewerkstelligt werden mit einer Musik der kleinen Klangfigurationen, mit Sounds zwischen minimalistischer Rhythmik und harmonischen Flächen. Aufgebrochen mit verfremdenden Geräuschen, mal naturalistisch, mal elektronisch, mal beides ineinander greifend. Dazu Dissonanzen, Loops - nicht zu vergessen: Hörspielelemente.

Wie diese Ebenen sich vermischen und ineinanderfügen, dürfte einer der spannenden Aspekte dieser Inszenierung sein. Ein weiterer, wie das Ganze dann mit dem "Nibelungenlied" Fritz Langs korreliert - bildet der Kinoklassiker doch einen maßgeblichen Bestandteil in Schröders choreographischer Konzeption. Ein Film also, der wiederum in kinematographischer Hinsicht auch jenes Pathos, jenes groß Dimensionierte bedient, dem Leboeg und Haberl ihrerseits ja etwas entgegen setzen wollen.

Es ist gut möglich, dass aus diesem Dualismus Funken schlagen, Ecken und Kanten erwachsen, an denen Schröder und seine Tänzerinnen und Tänzer sich entzünden und reiben können. Denn es sind gerade Ecken, Kanten, Reibungsflächen, die Elemente des Aufgerauten, Wiederborstigen, Gegenläufigen, die Schröders Arbeiten bei aller gleichzeitigen Schönheit oft fehlen. Und irgendwie klingt es gerade auch deshalb vielversprechend, wenn Haberl von den "trashigen Beckenkombinationen" spricht, die ihm vorschweben: "Ich hätte gern ein präpariertes Drum-Set. Und ich würde gern auch mal mit Essstäbchen darauf spielen. Ich mag das, diese Möglichkeiten zur Modifikation, zur Variierung gewohnter Sounds."

Die Essstäbchen jedenfalls hatte Haberl zum Zeitpunkt dieses Gespräches Mitte Mai schon mal zur Probe mitgebracht. Geklaut aus seiner WG. So bleibt die letzte Frage an die beiden, bevor sie wieder zu ihrer Arbeit verschwinden: Welche Publikumsreaktion erwartet ihr bei der Premiere? Antwort: "Irritation - samt großem Applaus." Ob das eintrifft und ob und wie sich die Essstäbchen in die Musik zur Inszenierung integriert haben, kann man ab morgen erleben.

Mario Schröder: "Das Nibelungenlied", Premiere Freitag, 19.30 Uhr, Oper (Augustusplatz 12), Karten für 15-68 Euro: 0341 1261261, weitere Termine: 20., 21 Juni, je 19.30 Uhr, 29. Juni, 19 Uhr, 30. Juni. 15 Uhr

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.06.2013

Steffen Georgi

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