Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Bands aus Israel und dem Iran beginnen gemeinsame Tour im Leipziger Werk 2

Ramzailech und Langtunes – eine bemerkenswerte Musiker-Freundschaft Bands aus Israel und dem Iran beginnen gemeinsame Tour im Leipziger Werk 2

Ihre Tour, die am Dienstagabend in Leipzig begonnen hat, ist seit langem geplant. Und doch erscheint das Zeichen, das dieses Konzert aussendet, seit den Terroranschlägen der vergangenen Woche umso dringlicher. „The Secret Handshake“ nennen die Bands Ramzailech und Langtunes ihre gemeinsame Konzertreise durch Deutschland – geheimer Handschlag. In ihren Heimatländer wäre das nicht möglich: Sie stammen aus Israel und dem Iran.

Was sie nach der Deutschland-Tour in ihren Heimatländern erwartet, wissen sie nicht: die Bands Langtunes und Ramzailech.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Musikalische Kernschmelze und Intensität. Tanzzwang, Gehörtumulte und Bäche von Schweiß – das Publikum des Werk 2 in Leipzig wurde am Dienstagabend Zeuge des „Geheimen Handschlags“. Einer verabredeten Verschwörung iranischer und israelischer Musiker zur Überwindung von Engstirnigkeit, Langeweile und vorgeschriebenen Denkweisen. Zur Überwindung von Grenzen zwischen Band und Publikum, zwischen Bühne und Zuschauerraum.

Ramzailech aus Israel „schwimmen“ im Saal, auf einer Woge wechselnder Rhythmen und Klänge. Mal sind die Musiker mitten im Publikum, dann ist die Bühne übervoll mit tanzenden Zuschauern. Ihre Interpretation von moderner Klezmer-Musik lebt, atmet, frisst Brot und könnte wahrscheinlich auch Wein trinken. Ramzailech aus Tel Aviv treffen direkt die Beine des Publikums, ihre Partner von Langtunes aus Teheran aber zielen auf Herz und Verstand.

Wenn man das überhaupt so generalisieren kann. Komplexe musikalische Strukturen, nicht unbedingt gebunden an Tanzbarkeit. Britische Einflüsse mit lärmenden, intelligent gesetzten Unterbrechungen, die das Ohr erst in Sicherheit wiegen, um es dann brutal zu attackieren – ja, steht da keine Strafe drauf? Doch, tut es! In ihrem Heimatland, dem Iran, kann die Band kaum legale Konzerte geben. Auf dem Weg zu einer Party werden Behrooz, Kamyar, Garen und Sam – die Musiker von Langtunes – von der Polizei angehalten. Wodka im Kofferraum und unverheiratete Frauen an Bord. Behrooz und Garen werden zu 160 Peitschenhieben und neun Monaten Haft verurteilt. Auf Bewährung.

50 Jahre nach der Leipziger Beat-Rebellion

Rümpft da jemand die Nase? Schwabinger Krawalle? Beat-Rebellion in Leipzig? Alles nicht so lange her, wie wir uns das wünschen würden. Heute aber, da sind sich die Musiker einig, entspricht Deutschland einem Verständnis von Demokratie und Freiheit, das die – eigentlich – so unterschiedlichen Bands eint. Und ihnen den Rahmen für eine Tournee gibt, die Feindschaft, Vorurteile und Fanatismus durch die Botschaft der Musik überwinden will.

Fast drei Stunden halten Ramzailech und Langtunes ihre Zuschauer bei bester Friedens-Laune; getrübt nur von den Schatten, die die Terrorgefahr aus Hannover bis hierher wirft. Ein Thema bei allen gut 200 Zuschauern im Saal, omnipräsent. „Ich habe Angst, aber ich will mich nicht fügen“, sagen die einen. „Sich den Spaß nehmen zu lassen, ist genau, was sie wollen“, sagen die anderen. „Es ist egal, ob du dich ihnen mutig entgegenstellst, oder ob du vor Angst gar nichts tust“, sagt ein junger Iraker, das Hemd verschwitzt, die nassen Haare dampfend, aber mit leuchtenden Augen. „Sie werden erst aufhören, wenn du kein Leben mehr hast. Sie wollen, dass du in ihrer primitiven Denkweise versinkst. Unsere Extremisten genauso wie eure.“

Und rennt zurück in den Saal, um zu Ramzailech zu tanzen.

Was die Bands im Anschluss an ihre eigentlich revolutionäre Tour in ihrer Heimat erwartet, wissen sie nicht. Auch ohne politische oder religiöse Texte haben sie Menschen durch ihre Musik vereint und – scheinbar unüberwindbare – Grenzen überwunden. „Allein die Vorstellung, dass auf den Konzerten Israelis und Iraner und alle anderen zusammen feiern, ist großartig“, sagt Elnaz Amiraslani, gebürtige Iranerin, von der Agentur Parvenue in Nürnberg, die die Musiker vor Jahren zusammen brachte.

Am Ende des Konzertes stellen sich beide Bands im Werk 2 für ein gemeinsames Foto auf die Bühne, bejubelt vom Publikum. Und alles verschmilzt zu einem Applaus.

Von Markus Wittpenn

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Dreamhack Leipzig

    Auf der Dremhack 2017 treten die besten Computerspieler gegeneinander an. mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Great Barrier Reef" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Great Barrier Reef im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

Blättern Sie hier durch die aktuelle Veranstaltungsbeilage "Applaus" und finden Sie Konzerte, Shows, Ausstellungen, Sport-Events und mehr in Leipzig und Umgebung. mehr

Erfahren Sie mehr auf www.leipziger-museen.de

Leipzig gilt als der Geburtsort der modernen Psychologie. Wie früher und heute im Geist geforscht wurde ist vom 14. September bis zum 16. Dezember 2016 in der Ausstellung "Psychologie in Leipzig - Geburt einer Wissenschaft" zu sehen. Besucher können sowohl Beobachter als auch Versuchsperson sein. Unsere Schau des Monats November! mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Onlineabo

    "LVZ-Online Extra" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kö... mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • So war das damals...
    So war das damals...

    Dies ist ein Geschichtenbuch der besonderen Art: Leserinnen und Leser der Leipziger Volkszeitung erzählen Erlebnisse aus ihrer Kindheit und Jugend,... mehr