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Barbara Thalheim im UT Connewitz gefeiert

Programm „AltTag“ mit Band Barbara Thalheim im UT Connewitz gefeiert

Sie ist nach wie vor eine Liedermacherin, die etwas zu sagen hat, die Phrasen und Allgemeinplätze meidet: Barbara Thalheim, geborene Leipzigerin, hat am Mittwoch das UT Connewitz besucht. In ihrem Programm „AltTag“ besingt sie die Vergangenheit und das Altern, ohne je weinerlich zu wirken.

Wunderbarer Abend im UT Connewitz: Barbara Thalheim und Band.

Quelle: Kempner

Leipzig. Barbara Thalheim, geboren 1947 in Leipzig, mit bewegter Kindheit in der Plagwitzer Industriestraße, lädt zu einem Programm namens „AltTag“. Der rote Faden wird am Mittwoch im UT Connewitz gleich mit der ersten Ansage entrollt: „Alt will jeder werden, aber keiner will es sein.“ Ein Abend, der sich diesem verdrängten Thema in allen Facetten von erworbener Weisheit, reichen Erinnerungen, gelebten Idealen und verlorenen Träumen bis hin zu (eigentlich) gewöhnlichen körperlichen Bedürfnissen widmet.

Barbara Thalheim war neben Bettina Wegner die wichtigste Liedermacherin der DDR. Doch bei ihr griff diese Schublade schon immer zu kurz. Bis heute. Denn das gut besuchte UT erlebt keine Synkope weniger als brillanten Jazz. Hochartifiziell, musikantisch überwältigend, rhythmisch komplex – dabei aber immer natürlich warm geerdet.

Der Italo-Argentinier Top Gioia liefert eine gänsehauteinfühlsame Percussion, und Kontrabassist Felix-Otto Jacobi toppt das – auf die handwerkliche Spitze getrieben im letzten Song vor der Zugabe – mit seinem virtuosem Dicksaiter. Doch selbst das ist noch steigerbar: Was Rüdiger Krause mit seinem Halbdutzend Gitarren an Feeling und Können abliefert, würde diesen Abend allein wegtragen.

Muss es aber nicht, denn das macht die Chefin schon selbst. Mit witzigem Charme, authentischer Präsenz und einer nuancenreichen, voluminösen, reifen Stimme, die jeden arglistigen Skeptiker, der nach früheren Höhen fragt, in Ehrfurcht verstummen lässt.

Es ist nicht schlimm, sondern das Recht von Menschen in Barbara Thalheims Alter, ein wenig nostalgisch zu werden. Das gilt auch für Bewohner der östlichen Hälfte des Vaterlandes – denen wird das jedoch oft und böse als „Ostalgie“ ausgelegt. Thalheim kümmert sich um solche Vorurteile nicht, ihre Streifzüge durch die eigene Vergangenheit sind überaus anregend, weil gänzlich frei von Larmoyanz. Als unzerstörbar erweist sich „Als ich 14 war“, mit dem sie 1973 wochenlang die Liedermacher-Hitparade des Ost-Jugendradios DT 64 anführte. Exemplarisch und tief berührend kommt das unsterbliche, oft als Kinderlied missverstandene „Wer möchte nicht im Leben bleiben“ von Kurt Schwaen, das sie beim Vortrag mit einer Reihung ihrer persönlichen Heldinnen und Helden auf der Leinwand begleitet. Von Christa Wolf und Heiner Müller bis Dieter Hildebrandt und Tamara Danz.

Überhaupt die Filme. Für dieses Programm hat sie eine Anzahl ihrer Lieder von bekannten und ganz neuen Filmern in bewegte Bilder setzen lassen. Das läuft auf großer Leinwand, es unterstützt die Songs, konterkariert sie gelegentlich, schafft spannende Konstellationen.

Kritik? Muss es auch geben, denn sonst wird Lobhudelei geargwohnt: Eine Kurzgeschichte des großen Franz Hohler trägt Thalheim offenbar ungeprobt, dadurch arg verhaspelt vor und klaut ihr so eine Menge Wirkung. Aber das bleibt der einzige Wermutstropfen in diesem wunderschönen Konzert am idealen Ort, den die 68-Jährige treffend mit „affenknatterobergeil“ beschreibt. Ähnliches darf ihrem Auftritt bescheinigt werden: Es ist überaus unterhaltsam, Barbara Thalheim so lebendig von Alter und Tod singen zu hören.

Von Lars Schmidt

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