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Bayrischer Fußballverband will von Amateuren profitieren - Auflagen für Journalisten

Bayrischer Fußballverband will von Amateuren profitieren - Auflagen für Journalisten

"Unsere Amateure, echte Profis.“ Mit diesem Slogan wirbt der Deutsche Fußball-Bund (DFB) für seine Hobbykicker. Auf bayerischen Fußballplätzen gilt das seit dieser Saison auch für die Berichterstattung: Wer filmen will, muss zahlen.

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Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) hat strenge Auflagen für Journalisten eingeführt.

Quelle: Daniel Reinhardt (Symbolfoto)

Wie in der Bundesliga. Medienvertreter dürfen auch bei Spielen der vierten, fünften und sechsten Liga nur dann drehen, wenn sie dafür eine Lizenz kaufen – oder ihre Beiträge spätestens 24 Stunden nach Abpfiff kostenlos und ohne Quellenangabe dem Verband zur Verfügung stellen. So verlangt es der Bayerische Fußball-Verband (BFV) – und erntet damit heftige Kritik. Denn wer nicht kooperiert, muss draußen bleiben.

So geschehen am vergangenen Wochenende in Tegernheim bei Regensburg. Einem Kamerateam der „Mittelbayerischen Zeitung“ wurde zum Landesligaspiel zwischen dem FC Tegernheim und dem ASV Burglengenfeld der Zutritt verweigert. „So schwer es uns fällt, der Verband setzt uns unter Druck, daher sehen wir derzeit leider keine andere Möglichkeit“, sagte Peter Bauer, Sportlicher Leiter der Tegernheimer.

Einen ähnlichen Vorfall hatte es auch vor dem Bayernliga-Spitzenspiel zwischen der SpVgg SV Weiden und dem FC Amberg gegeben. Die Weidener hatten sich zum wiederholten Male über die Vorschriften des Fußballverbands hinweggesetzt und alle Kamerateams ins Stadion gelassen. Ein Funktionär des BFV verlangte daraufhin eine Liste mit den Namen aller anwesenden Journalisten und drohte dem Klub wenige Minuten vor dem Anpfiff mit einer Spielabsage. Der Vorsitzende des Vereins, Kurt Haas, erhielt sogar einen Anruf von Verbandspräsident Rainer Koch. Dieser habe wissen wollen, erzählt Haas, ob die Weidener in Sachen Videoteams nun für oder gegen den Verband seien.

Gegen den Verband, sagt Haas, sei er nicht. Wohl aber gegen dessen Methoden. „Ich bin kein Vasall des BFV. Als Verein sehe ich mich als Partner. Und da erwarte ich, dass man auf Augenhöhe miteinander umgeht.“

Aktuell geht es eher gegeneinander. Kurzvideos von deutschen Amateurspielen sind beliebt, werden im Netz tausendfach geklickt. Und die kleineren Vereine freuen sich über die Berichterstattung im Internet. Zahlreiche Medienhäuser haben eigene Fußballportale gegründet, auch die Madsack Mediengruppe („Sportbuzzer“), zu der diese Zeitung gehört. Regionale Fußballportale haben sich zu einem wichtigen Geschäftsfeld entwickelt. Der BFV, der als gemeinnützige Organisation jährlich knapp eine halbe Million Euro Fördermittel vom Freistaat Bayern erhält, hat darin eine zusätzliche Einnahmequelle entdeckt.

Andere Landesverbände könnten nachziehen. Zudem hat der DFB vor einem Jahr sein bundesweites Portal „fussball.de“ überarbeitet. Klubs und Schiedsrichter aller Ligen werden dafür zur Mitarbeit gezwungen. Sie müssen kurz nach Spielschluss alles melden: Aufstellungen, Spielerwechsel, Torschützen, Gelbe Karten, Rote Karten. Tun sie es verspätet oder gar nicht, drohen Strafen. Der bayerische Landesverband geht sogar noch einen Schritt weiter: Seit dieser Saison müssen die Vereine in den drei höchsten Spielklassen des Landes – der Regional-, Bayernund Landesliga – live vom Spielfeldrand tickern. Finden sie keinen Freiwilligen, übernimmt der Verband die Aufgabe – gegen eine Gebühr von 30 Euro pro Spiel. Die Abrechnung erfolgt zeitnah per Einzugsermächtigung.

Viele Vereine wollen da nicht mehr mitspielen, tickern teilweise bewusst falsche Ergebnisse, weigern sich, Kamerateams auszusperren. Der Verband aber sitzt am längeren Hebel. Zwar ist die Rechtslage beim Thema Videos eindeutig: Ein Urteil des Bundesgerichtshofs besagt, dass einzig die Klubs aufgrund ihres Hausrechts Videoaufnahmen verbieten könnten. Das Fußballportal „hartplatzhelden.de“ hatte sich im Oktober 2010 in einem entsprechenden Rechtsstreit mit dem Württembergischen Fußballverband durchgesetzt.

Doch der BFV hat längst einen anderen Weg gefunden. Zur kommenden Saison werden die Zulassungsbestimmungen für die fünfte und sechste Liga um einen Passus ergänzt, der unliebsame Medien von den Sportplätzen ausschließt. In einer Präambel zum Hausrecht heißt es: „Der BFV und die Vereine sind sich einig, dass Personen, die über keine gültige Akkreditierung verfügen, nicht berechtigt sind, die Spiele zu filmen und öffentlich verfügbar zu machen.“ Der Verband sichert sich zudem die Möglichkeit, im Zweifelsfall selbst tätig zu werden. „Neben dem Verein hat der BFV als organisationsverantwortlicher Verband über seine Vertreter das Recht, das Hausrecht durchzusetzen.“ Im Gegenzug bietet der Verband den Vereinen an, bei Rechtsstreitigkeiten mit Medienhäusern den Prozess zu führen.

Auf die Frage, was passiert, wenn ein Klub die Zulassungsunterlagen nicht unterschreiben will, sagte Verbandspräsident Rainer Koch der „Mittelbayerischen Zeitung“: „Dann könnte es sein, dass der Klub nicht zu der Liga zugelassen wird. Zuvor würden wir aber versuchen, in Gesprächen eine Lösung zu finden.“ So oder so: Einen Verlierer gibt es bereits. Den Amateurfußball.

Patrick Hoffmann

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