Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Beliebt und belächelt: Das Rennsteiglied ist auch nach 65 Jahren populär

Ich wandre ja so gerne Beliebt und belächelt: Das Rennsteiglied ist auch nach 65 Jahren populär

Mit dem Rennsteiglied setzte der Volksmusikant Herbert Roth vor 65 Jahren seiner Heimat ein musikalisches Denkmal. Die heimliche Hymne Thüringens wird noch heute gern in geselligen Runden und auf Wanderungen geträllert.

Komponist und Sänger Herbert Roth.

Quelle: dpa-Zentralbild

Suhl. Der Siegeszug eines der bekannten deutschen Wanderlieder begann in einem Dorfsaal im Thüringer Wald. Als der Komponist und Sänger Herbert Roth am 15. April 1951 zum ersten Mal in Hirschbach bei Suhl als Zugabe das Rennsteiglied anstimmte, gab es für die 150 Zuhörer kein Halten mehr. „Der Text kam sehr gut an“, sagt die Tochter des Volksmusikanten, Karin Roth. „Es war von Anfang an ein großer Erfolg.“ Die musikalische Liebeserklärung an seine Heimat hat Herbert Roth (1926-1983) berühmt gemacht. Er ist bis heute unvergessen - trotz früherer Anfeindungen und Schmähungen.

Inzwischen hat das Rennsteiglied seinen festen Platz im Liedgut. Es wird auch nach 65 Jahren noch in Wandervereinen und im Musikunterricht gesungen oder auf Bühnen interpretiert. Selbst im Ausland wie Kanada, China oder Russland sei die Hommage an Deutschlands längsten Höhenwanderweg bekannt, berichtet Roths Tochter, die selbst als Sängerin auf der Bühne steht. „Meine Programme dürfen nie enden ohne das Rennsteiglied.“

Das dreistrophige Lied beschreibt die Verbundenheit zur Natur und die Freude am Wandern. Als der junge Roth einmal lange auf einen Musikredakteur bei einem Weimarer Rundfunkstudio warten musste, schrieb er die Noten und die Zeile „Am Rennsteig wo ich wandere“ auf. Sein Jugendfreund Karl „Kaschi“ Müller dichtete dann später den Text mit der bekannten Anfangszeile „Ich wandre ja so gerne am Rennsteig durch das Land“.

„Ich bin überzeugt, dass Herbert Roth nicht wusste, welch großen Coup er landete“, sagt André Schmidt, Professor an der Musikhochschule in Weimar. Er habe dem Gefühl der Menschen damals ein Lied gegeben. In der Nachkriegszeit mit ihren kaputten Städten sehnten sich viele nach intakter Natur, Harmonie und Freude. „Roth hat seine Emotionen mit den Leuten geteilt, es gab keinen kommerziellen Hintergrund für das Lied“, sagt der Schulmusikprofessor. Die Melodie sei sehr eingängig, gehe schnell ins Ohr und könne leicht nachgesungen werden. Außerdem lasse sich zu dem beschwingten Rhythmus gut wandern. Was den Liedaufbau betreffe, habe Roth alles richtig gemacht, meint Schmidt. Dennoch musste der singende Friseurmeister aus den Thüringer Bergen, der in diesem Dezember 90 Jahre alt geworden wäre, zunächst harsche Kritik einstecken. DDR-Funktionäre warfen Roth Kitsch und „Schmachtfetzen“ vor. „Für die Kulturpolitik galt Roth damals als Hinterwäldler, dessen Lieder zu wenig zum sozialistischen Aufbau beitrugen“, sagt Schmidt. Auch habe seine besungene Liebe zur Heimat vielen zu sehr nach Nationalismus gerochen.

In den 1950er Jahren gingen sogar Weimarer Musikstudenten gegen einen Auftritt von Roth auf die Straße. „Er war eine gefundene Zielscheibe, um vielleicht auch Druck abzubauen, der andere Ursachen hatte“, sagt Schmidt zu dem damaligen Studentenprotest. Roth selbst haben diese Anfeindungen sehr getroffen, wie seine Tochter berichtet. „Er konnte das nicht verstehen, aber er ist unbeeinflusst von den Kritikern seinen Weg gegangen.“ Diese verstummten erst, als das damalige Staatsoberhaupt Walter Ulbricht nach einem Privatkonzert bei einem seiner Urlaubsaufenthalte in Oberhof wissen ließ, dass ihm die Musik gefalle.

Zum Schaffen des Volksmusikers, der im Alter von 56 Jahren einem Krebsleiden erlag, gehören mehr als 300 Titel. Mit seinem Ensemble absolvierte Roth unzählige Fernsehauftritte, Rundfunk- und Plattenaufnahmen sowie mehr als 10.000 Auftritte zwischen Fichtelberg und Kap Arkona. Sein erster Gesangstitel, das Rennsteiglied, wurde mehrfach interpretiert, etwa von Gunther Emmerlich und Florian Silbereisen. Auch Schlager- und Popversionen gibt es. Für Musikprofessor Schmidt wäre es noch interessant zu hören, „wenn Rammstein das Rennsteiglied ins Programm nimmt“.

Von Annett Gehler, dpa

  • Schauspiel Leipzig
    Mikrologo Schauspiel Leipzig

    Theater in Leipzig: Höhepunkte, Premieren, Spielplan und Angebote der Spielzeit 2016/2017 im Schauspiel Leipzig mehr

  • Dreamhack Leipzig

    Auf der Dremhack 2017 treten die besten Computerspieler gegeneinander an. mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Great Barrier Reef" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Great Barrier Reef im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

Blättern Sie hier durch die aktuelle Veranstaltungsbeilage "Applaus" und finden Sie Konzerte, Shows, Ausstellungen, Sport-Events und mehr in Leipzig und Umgebung. mehr

Erfahren Sie mehr auf www.leipziger-museen.de

Leipzig gilt als der Geburtsort der modernen Psychologie. Wie früher und heute im Geist geforscht wurde ist vom 14. September bis zum 16. Dezember 2016 in der Ausstellung "Psychologie in Leipzig - Geburt einer Wissenschaft" zu sehen. Besucher können sowohl Beobachter als auch Versuchsperson sein. Unsere Schau des Monats November! mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Onlineabo

    "LVZ-Online Extra" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kö... mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • So war das damals...
    So war das damals...

    Dies ist ein Geschichtenbuch der besonderen Art: Leserinnen und Leser der Leipziger Volkszeitung erzählen Erlebnisse aus ihrer Kindheit und Jugend,... mehr