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Benefizkonzert "Leipzig hilft Kindern" spielt 48.000 Euro ein

Gewandhaus Benefizkonzert "Leipzig hilft Kindern" spielt 48.000 Euro ein

Die traditionelle Benefiz-Gala von Gewandhaus, Leipziger Volkszeitung, Sparkasse, Verbundnetz Gas und Porsche Leipzig hat am Samstagabend 48.000 Euro für die gemeinsame Stiftung „Leipzig hilft Kindern“ eingenommen.

Am Ende gibt es einen Scheck über 48.000 Euro (v.l.): Stefan Lochner (Porsche), Karsten Heuchert (VNG), Claudia Nerius (Stiftung „Leipzig hilft Kindern“), Harald Langenfeld (Sparkasse Leipzig), Bjoern Steigert (LVZ) und Andreas Schulz (Gewandhaus).

Quelle: Leipzig report

Leipzig. „Was da manchmal passiert“, sagt Claudia Nerius, Vorstandsvorsitzende der Stiftung „Leipzig hilft Kindern“, „die Dankbarkeit, die Tränen der Freude, das ist kaum zu beschreiben.“ Sie erlebt es gottlob vergleichsweise oft. Denn allein in diesem Jahr hat die 2009 gegründete gemeinsame Stiftung von Gewandhaus, Leipziger Volkszeitung, Verbundnetz Gas, Sparkasse Leipzig und Porsche Leipzig wieder rund 100.000 Euro eingesammelt, die dem gemeinsamen Ziel zugute kommen: der „Unterstützung und Förderung der Jugendhilfe, insbesondere der Jugendarbeit, der Jugendsozialarbeit, des erzieherischen Jugendschutzes, der Erziehung in der Familie, in Tageseinrichtungen sowie die Förderung von Volks- und Berufsbildung und Erziehung“ – vorzugsweise in Leipzig und Umgebung. Denn auch vor der Haustür gibt es Not.

Seit Samstagabend sind es noch einmal 48.000 Euro mehr. Diese Zahl steht auf dem Scheck, den Gewandhausdirektor Andreas Schulz überreicht. So groß ist der Erlös der traditionellen Benefiz-Gala im Gewandhaus. Und mit diesen 48.000 Euro können die Vereine, Institutionen und Initiativen, an die dieses Geld geht und die im Foyer des Gewandhauses ihre Arbeit vorstellen, viel bewegen.

Das ist ein schöner Erfolg – wenngleich es im vergangenen Jahr und dem davor noch 55.000 Euro waren, die aus dem Kartenverkauf in guten Zweck flossen. Und angesichts dieses Ergebnisses muss die Frage erlaubt sein, ob das Programm der diesjährigen Gala das richtige war. Denn obschon Wagners Holländer-Monolog und der Schluss seiner „Walküre“ und Anton Bruckners Neunte zweifelsfrei grandiose Musik sind, ist diese Kombination für diesen Anlass vielleicht doch ein wenig wuchtig. Und so bleiben diesmal mehr Plätze frei im großen Saal des Gewandhauses. Nicht dramatisch, aber vielleicht Grund genug, für kommende Jahre nachzujustieren.

Gleichwohl erlebten die rund 1800 im Saal an diesem Samstagabend große Moment mit großer Musik: Wie etwa der Bariton Matthias Goerne, einer der ganz Großen seines Fachs, „Die Frist ist um“ angeht, den Monolog des fliegenden Holländers, das geht tief unter die Haut. Weil Goerne nicht auf vokale Effekte aus ist, darauf, Kraft und Glanz seiner einzigartigen Stimme vorzuführen, sondern die Verzweiflung dieses Ausgestoßenen nach innen kehrt. Christoph Eschenbach, der ihn am Pult mit dem Gewandhausorchester begleitet, folgt dieser verinnerlichten Musizierhaltung, die Schönhit nicht an der Oberfläche sucht, sondern in Wahrhaftigkeit.

Das Benefizkonzert „Leipzig hilft Kindern“ zugunsten der gleichnamigen Stiftung bot am Samstagabend im Gewandhaus die Möglichkeit, Kunst zu genießen und sich gleichzeitig für notleidende Kinder einzusetzen. Insgesamt wurden 48.000 Euro Spenden eingenommen. Fotos: Leipzig report

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Noch auffälliger ist dies in Wotans Abschied von seiner Lieblingstochter Brünnhilde. Die schläft bereits, wenn der Göttervater ihr am Ende der „Walküre“ die letzten Worte der Trauer, der Resignation, der Verzweiflung nachschickt und bei Loge den Feuerring bestellt. Und wie Goerne in fahlen Farben das Psychogramm eines Gottes zeichnet, der sein Werk in Trümmern sieht und von der Zukunft nichts mehr zu erwarten hat als ihr Ende, das zeigt eindringlich,wie menschlich Wagners Protagonisten sind, wenn man sie vom Klischee befreit. Und wenn man sie instrumental so sensibel auf Händen trägt wie Eschenbach, der mit sehr ruhigen Tempi tief hineinleuchtet in diesen so komplexen wie unmittelbar sinnlichen musikalischen Kosmos. Eine hochinteressante Wagner-Kombination, von der man gern nochmehr gehört hätte.

Nach der Pause steht allerdings Anton Bruckners letzte, seine neunte Sinfonie auf dem Spielplan, das Werk, das er, obschon er es dem lieben Gott höchstselbst widmete, nicht mehr vollenden konnte: Nur drei der geplanten vier Sätze waren fertig, als der Tod ihm 1896 endgültig den Stift aus der Hand nahm. Doch wie hätte es weitergehen sollen nach diesem halbstündigen Adagio, das die Weichen für Mahler stellte und darüber hinaus?

Nein, so, wie sie ist, ist diese Sinfonie vollkommen. Was sie mit Schuberts Unvollendeter verbindet. Diese gewaltige Kathedrale aus d-moll zieht die Summe des 19. Jahrhunderts, weil sie Wagners musikdramatische Errungenschaften zurückspiegelt auf die Beethovens auf dem Feld der absoluten Musik. Mit dem Ergebnis, dass die Neunte in keinem Moment konstruiert erscheint, sondern wie aus eigenem Antrieb gewachsen.

Eschenbach zeigt dies, wieder mit sehr, sehr ruhigem Puls, in dem er jeden Ton als Ergebnis des vorangegangenen präsentiert und als Ausgangspunkt für Neues: Aus den Naturtönen des Beginns schälen sich Motive heraus, schwimmen sich frei, werden zu Themen, zu Themenkomplexen, zu tönender Form. Immer wieder neu, immer wieder anders.

Allerdings birgt diese Gestaltungsweise eine Gefahr: Denn geht ein Dirigent diese Tonmengen aus dem Augenblick heraus an, ohne immer auch das Ganze im Blick zu haben, zerfällt diese Sinfonie leicht ins Episodische. Dann folgt auf einen Anstieg von der Pianissimo-Fläche über die Steilflanken des Kontrapunkts bis zum Gipfel des Blech-Chorals der nächste. Und dann wieder einer. Und dann noch einer. Dann hat die ganze Sinfonie das gleiche Problem wie Wotan in der zweiten „Ring“-Hälfte – sie wächst nur noch dem Ende entgegen. Abzulesen am Applaus, in den sich auch zwischen den Sätzen die Anspannung des Publikums entlädt.

Auf dem weiten Weg bis zu diesem Ende ist allerdings auch Eschenbachs Ansatz für grandios schöne Momente gut. Weil er etwa seine Tutti-Ausbrüche zwar nicht zueinander in Beziehung setzt, sie aber klanglich sensibel ausbalanciert – und das Gewandhausorchester in Sachen Bruckner ohnehin nichts anbrennen lässt. Der warme Ocker-Glanz dieser Streicher, das gleißende Irrlichtern der Holzbläser, die, weihevolle Wucht des Blechs erinnern immer wieder daran, dass dieses Orchester mit Herbert Blomstedt, mit Riccardo Chailly, auch mit Kurt Masur Bruckner-Maßstäbe gesetzt hat. Und eindrucksvoll ist das Ergebnis auch unter Eschenbachs mehr präzisem als inspirierenden Schlag allemal. Der Schlussapplaus beweist es.

Wenn auch Sie diese Arbeit der Stiftung „Leipzig hilft Kindern“ unterstützen möchten: Sparkasse Leipzig; IBAN: DE16860555921100902003; BIC: WELADE8LXXX; Verwendungszweck: Spende für Stiftung „Leipzig hilft Kindern“.

Von Peter Korfmacher

Weitere Informationen zur Arbeit der Stiftung "Leipzig hilft Kindern" gibt es unter www.leipzig-hilft-kindern.de

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