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Bereit zu Opfern an Gut und Blut

Bereit zu Opfern an Gut und Blut

Im Juli 1914 lebten in Leipzig etwas mehr als 10 000 Juden. Mehr als 100 meldeten sich als Freiwillige und wollten für Deutschland kämpfen, wie die heutige Folge der "Leipziger Geschichte(n)" zum Ersten Weltkrieg erzählt.

Ungefähr ein Drittel der Leipziger Judenheit besaß die deutsche Staatsangehörigkeit, etwa ein Drittel waren Staatsangehörige Österreich-Ungarns und ein weiteres Drittel besaß die russische Staatsangehörigkeit. Am Tag der Mobilmachung riefen der "Verband der deutschen Juden" und der "Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" dazu auf, "zu den Opfern an Gut und Blut" für das Vaterland bereit zu sein und dafür auch "freiwillig zu den Waffen zu eilen".

Viele deutsche Juden sahen Krieg und Kriegsdienst als Chance an, um ihren Patriotismus im Alltag offensiv nach außen zu tragen und erhofften sich davon mehr Akzeptanz seitens der Nicht-Juden, auch den Abbau bestehender Vorurteile. Über 100 Leipziger Juden meldeten sich als Kriegsfreiwillige. Am 7. August 1914 führte die Israelitische Religionsgemeinde in der liberalen Hauptsynagoge in der Gottschedstraße und im orthodoxen Bethaus des Talmud-Tora-Vereins in der Keilstraße Bittgottesdienste durch. Gemeinderabbiner Nathan Porges hielt eine "von echt deutschem Geiste getragene" nationalistische Ansprache.

Da aufgrund des Andrangs viele Besucher in der Hauptsynagoge zurückgewiesen werden mussten, fand dort am 9. August ein weiterer Bittgottesdienst statt. Für die Unterstützung von Familien, in denen Angehörige zur deutschen oder österreichisch-ungarischen Armee einberufen wurden, richtete die Jüdische Gemeinde einen Unterstützungsfonds ein. Ein weiterer Unterstützungsfonds wurde für die Juden russischer Staatsangehörigkeit ins Leben gerufen. In den ersten Kriegsmonaten waren viele russische Juden nach Leipzig geflohen. An das Rote Kreuz ging unmittelbar nach Kriegsbeginn eine Spende von 5000 Mark.

Im Laufe des Krieges fanden in der Hauptsynagoge Konzerte "zum Besten der Kriegsnotspende" und "zum Besten des Heimatdankes" statt. So musizierten erstmals nicht-jüdische Gewandhausmusiker im jüdischen Gotteshaus und es sang der Leipziger Männerchor.

Der zweite Gemeinderabbiner Reinhold Lewin wurde vom sächsischen Kriegsministerium zum Feldgeistlichen der in der 3. Armee vereinten zwei sächsischen Armeekorps berufen und war zunächst bei der Etappeninspektion stationiert.

Nach der fehlgeschlagenen Militärstrategie 1914 und einer offensichtlich längeren Kriegsdauer nahm der Antisemitismus neue Fahrt auf. Trotz aller Beweise ihrer Vaterlandstreue wurden die Juden verdächtigt, sich dem Kriegsdienst, mindestens dem Fronteinsatz, zu entziehen; auch sollten Juden für Mängel bei der Rohstoff- und Lebensmittelversorgung verantwortlich sein. In Leipzig hielt sich die Meinung, dass sich insbesondere jüdische Fabrikanten, die einberufen werden sollten, für ihre Firma größere Kriegsaufträge beschafften, um sich dann als unabkömmlich zu reklamieren. Eine "Judenzählung" in den deutschen Truppen ab November 1916 sollte vorgeblich dazu dienen, antisemitische Propaganda zu entkräften, wirkte aber letztlich kontraproduktiv. Da keine Ergebnisse veröffentlicht wurden, blieb vor allem Raum für Spekulationen. Die jüdischen Soldaten empfanden die Maßnahme als entwürdigend.

Nach einer Veröffentlichung des "Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten" aus dem Jahre 1932 sind 82 Leipziger Juden - erfasst wurden nur Mitglieder der Jüdischen Gemeinde - im Ersten Weltkrieg gefallen beziehungsweise an ihren Kriegsverletzungen nach 1918 gestorben.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom ..

Steffen Held

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