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Berliner haben Bock auf bunt

Culcha Candela auf Tour Berliner haben Bock auf bunt

Nach Erscheinen des neuen Studioalbums geht die Multikultiband „Culcha Candela“ auf große Deutschlandtour. Mit viel Spaß, einem tollen Mitmachprogramm, dem altbewährten Stilmix und einem abwechslungsreichen Bühnenprogramm begeisterten die vier das Publikum in Leipzig beim Auftaktkonzert. Ihr Motto „Bock auf bunt“ ist ein politisches Statement gegen Pegida & Co.

„Hände hoch“ heißt es immer wieder beim Konzert im Leipziger Werk 2. Zum Tourauftakt brachte Culcha Candela die Fans zum Kochen.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Nach zweijähriger Pause und personeller Verschlankung der Besetzung von ursprünglich sieben auf vier Bandmitglieder haben „Culcha Candela“ nach Veröffentlichung ihres im August erschienen sechsten Studioalbums „Candelistan“ am Dienstag ihren Tourauftakt im Werk 2 gefeiert. Die aus Berlin kommenden Wortakrobaten, deren Musik eine Fusion von HipHop, Reggae und Latinsounds in Verbindung mit verschiedensprachigem Rap ist, sind selbst dem gemeinen Radiohörer durch Hits wie „Hamma“ oder „Monsta“ ein Begriff.

Zurück zu den Wurzeln

Warum Culcha Candela – zu deutsch Flamme der Kultur – die Premiere ihrer neuen Tour nach Leipzig gelegt haben, machen sie gleich zu Anfang ihrer Show klar: „2002 hatten wir unsere ersten Auftritte in kleineren Leipziger Clubs. Hier fühlen wir uns zu Hause und kommen daher gerne zurück.“ Das anschließend gespielte Lied „Coming Home“ wollen sie als Liebeserklärung an die Stadt verstanden wissen.

Was dann folgt, ist ein anderhalbstündiger Ritt durch die verschiedenen Musikstile, einem Mitmachbewegungsprogramm für Groß und Klein. Einmal werden zwei Mädels aus dem Saal auf die Bühne geholt, um abzutanzen. Der Spaßfaktor ist garantiert, man sieht viele schmunzelnde Gesichter.

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„Wenn nicht jetzt, wann dann?“ – bei ihrem Konzert in Leipzig besingen Culcha Candela eine bunte Gesellschaft, in der alle Kulturen friedlich miteinander leben. Genauso bunt ist ihre Bühnenshow, die immer wieder zum Mitmachen einlädt.

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Trotz Tourauftakt ist die Show perfekt durchchoreographiert, weiß jeder des Quartetts, wo er wann zu stehen, zu tanzen, zu singen hat, die Jungs sind textsicher. Die verschiedenen Musikstile und Rhythmen werden von der elfköpfigen Truppe bestehend aus Drummer, Saxofonist, Trompeter, Backround-Sängerinnen, Tänzerinnen plus Frontmen in Perfektion miteinander kombiniert – für jeden ist etwas dabei. Toll sind die Tänzerinnen, die sich zu Latinorhythmen wild bewegen, mit Po und Kopf wackeln und dem Publikum richtig einheizen, sowie der Jazz-Trompeter, der immer wieder ein neues virtuoses Solo abfeuert.

Alle müssen enger zusammenrücken

Daneben ist es ein überraschend politischer Abend. Mit dem Tour-Titel „Candelistan“ wird ein Traumland besungen, in dem alle Menschen nett zueinander sind, das Kiffen und die Homo-Ehe erlaubt sind, aber auch ein friedliches Zusammenleben aller Kulturen, Ethnien, Religionen möglich ist. „Wir haben Bock auf bunt“, schallt es von der Bühne. Mit Luftschlangengewehren wird daraufhin der Saal bunt geschossen.

„Wir besitzen alle einen deutschen Pass, haben unsere Wurzeln aber in vier verschiedenen Kulturkreisen. Wir sind keine CDU-Wähler, aber Merkel hat in einem Punkt Recht: Wir müssen alle enger zusammenrücken“, sagt die Multikultiband in Anspielung auf die Flüchtlingskrise.

Den Pegida-Protestmärschen setzen die Vier einen eigenen Spaziergang zusammen mit dem Publikum im Werk 2 entgegen. Daneben ruft die Combo zum Kauf von „Bock auf bunt“-T-Shirts auf. Mit dem Erlös wollen die Künstler die unabhängige Menschenrechtsorganisation „Pro Asyl“ unterstützen. Daneben wird die von Johnny Strange ins Leben gerufene Aktion „Luftpost für Afrika 2016“ angepriesen, an der sich Schulen in Deutschland beteiligen und Spendengelder für den Aufbau eines Ausbildungszentrums im afrikanischen Uganda sammeln können. Strange: „Die Menschen dort sollen die Möglichkeit bekommen, Berufe zu erlernen, um sich selbst eine Zukunft bauen zu können. So verhindern wir, dass sie zu Flüchtlingen werden.“

Insgesamt ein gelungener Partyabend und ein absolut sehenswertes Konzert mit klugen politischen Botschaften. Viele Musiker sollten diesem Beispiel folgen und sich zu Pegida klar positionieren. Hamma – mehr davon!

Von Oliver Becker

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