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Bewährungsprobe: Kaufhaus Held eröffnet als Atelier- und Ausstellungsort auf Zeit

Bewährungsprobe: Kaufhaus Held eröffnet als Atelier- und Ausstellungsort auf Zeit

das ist die Idee eines freien Kollektivs für das seit 1995 leerstehende Kaufhaus Held in Lindenau. Künstler und Kreativberufler sollen in das Gebäude an der Merseburger, Ecke Demmeringstraße einziehen.

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Das Kaufhaus Held wird zum Ausstellungsraum: Lars Rasmussen, Alexander Dietze, Dominik Krauss, Florian Nagel und Leo Hesse (von links) packen mit an.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Vier Jahre für die Kunst. Für diese Interimslösung hat die Besitzerin des "Held" ein befristetes Okay gegeben.

Dominik Krauß, einer der drei Mitglieder des Kollektivs, führt mit einem Clipboard unter dem Arm ins Haus. Bis 1995 hatte die Karstadt AG im Kaufhaus Held ein Warenhaus betrieben, danach verfiel das Gründerzeitgebäude. Heute ist die Fassade eingerüstet. Eine kleine Gruppe Interessenten folgt Krauß durch den Bauschutt; Leute mit Farbresten an den Fingern. Auf dem Weg in die erste Etage fehlt noch das Licht. Krauß schaltet eine Taschenlampe an. "Wir haben schon 60, 70 Anfragen", sagt er in leicht schwäbelndem Singsang und meint: für die Ateliers, die im zweiten und dritten Stockwerk geplant sind.

Die Interessenten schlendern zwischen verspiegelten Pfeilern in eine riesige, lichte Halle. Bis zu 60 Arbeitsplätze sollen auf zwei Etagen entstehen: Ateliers für Künstler und kleinere Räume für Kreative, die am Schreibtisch arbeiten. Eine Art Co-Working-Space mit kleinen Parzellen oder ein großes, offenes Gemeinschaftsatelier - Ideen für den Ausbau gibt es viele. "Wir sind noch im Planungsstadium, müssen uns noch mit dem Architekten beraten und uns um den Brandschutz kümmern", sagt der 29-jährige "Bauherr". Im Frühjahr 2014 können die Kreativen dann offiziell einziehen.

Im Mai haben Grafikdesigner Krauß und seine zwei Kumpels, die Eventmanager Sebastian Enkelmann und Alexander Dietze, mit dem Ausbau losgelegt; Böden instand gesetzt, Sanitäranlagen angeschlossen, Wände restauriert. Freiwillige aus dem Freundeskreis sind angetreten - bis zu 15 Arbeiter an einem Tag. Aus dem alten Kaufhaus soll durch Eigeninitiative eine Art kleine Baumwollspinnerei werden - so zumindest die kühne Vorstellung, die vor allem der Besitzerin des Kaufhauses gefällt; einer Leipziger Immobilienfirma. Sie erhofft sich, dass die Entwicklung am "Standort Leipziger Westen" durch die Kreativen aufgewertet wird. Was nach der Vier-Jahres-Nutzung aus dem Haus wird, sei offen. "Vielleicht ja Luxus-Loft-Wohnungen?", überlegt ein Interessent während der Rundführung. Ist die temporäre künstlerische Nutzung eine Art geplante Gentrifizierung? "Nein", lässt die Immobilienfirma auf Anfrage wissen: Die Interimslösung sehe man zunächst einmal als gute Tat für die Kunstszene - ohne direkten kommerziellen Nutzen.

So sieht es auch Krauß. Vor zwei Jahren hatte der Stuttgarter mit seinem Kollektiv für drei Monate eine Galerie an der Harkortstraße eröffnet - ebenfalls als Zwischennutzung eines leerstehenden Gebäudes derselben Immobilienfirma. So kam die Idee, das Glück nun im zerfallenden Kaufhaus Held zu probieren.

Krauß führt in den vierten Stock. "Zum Restaurant-Café" steht auf einem Schild. Braun-gemusterte Kacheln und eine Vorrichtung für Küchenmaschinen sind von der ehemaligen Karstadt-Kantine übrig geblieben. Auch eine Terrasse gibt es. "Das hier könnten Gemeinschaftsräume werden", sagt Krauß. Die Interessenten stehen vor dem Fenster, rauchen und nicken, während Krauß zusammenfasst: "Heterogen", das heißt aus allen kreativen Sparten von Kunst bis Film, sollte das Klientel des Kaufhauses sein, die Mieten seien mit drei bis vier Euro "human". Ein Kunstverein solle im Haus gegründet werden, der Ausstellungen organisiert. Im ehemaligen Reisebüro entstehe im Oktober eine Showfläche für junge Modelabels. Am kommenden Wochenende werde erstmals das "Kaufhaus Pomp" veranstaltet; eine Messe, auf der Mode, Schmuck und Accessoires der 20er- bis 60er-Jahre ausgestellt werden. Heute Abend eröffnet die Künstlerin Anna George Lopez ihre Ausstellung "Urbar" in der zweiten Etage des "Held".

Veranstaltungen im Künstlerhaus Held (Merseburger Straße 84b): Heute, 19 Uhr, Vernissage von "Urbar", Ausstellung von Anna George Lopez; morgen, 17-22 Uhr, Samstag, 10-19 Uhr, Design-Messe "Kaufhaus Pomp - Alte Liebe rostet nicht", Eintritt 3 Euro, Sa ab 20.30 Uhr "Tanzhaus Pomp", 10 Euro. Weitere Infos zum Künstlerhaus Held unter www.held-leipzig.de.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 26.09.2013

Lisa Berins

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