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Bewegte Bilder in historischem Ambiente - Leipziger UT Connewitz besteht seit 100 Jahren

Bewegte Bilder in historischem Ambiente - Leipziger UT Connewitz besteht seit 100 Jahren

Kinoerlebnis der besonderen Art: Im UT Connewitz, Leipzigs und Deutschlands ältestem noch erhaltenen Lichtspieltheater, öffnete sich der Vorhang bereits 1912 zum ersten Mal für den Stummfilm „Die schwarze Katze".

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Innenansicht des UT Connewitz

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Auch heute flimmern im weitestgehend im Originalzustand erhaltenen Kinosaal neben Veranstaltungen wie Konzerten und Vorträgen noch bewegte Bilder über die Leinwand. Seit mehr als zehn Jahren setzen sich die Vereinsmitglieder des UT Connewitz für das Kleinod ein, das in diesem Jahr mit einem besonderen Programm sein 100-jähriges Bestehen feiert.

„Das Ambiente ist es, was unsere Besucher gefangen nimmt", erklärt Thomas Noack, Vorsitzender des Vereins UT Connewitz. Und das zurecht. Wer das ehemalige UFA-Theater durch den schmalen Straßeneingang zum ersten Mal betritt, fühlt sich schlagartig zurückversetzt in eine andere Zeit. Mit Empore und einer Bühnengestaltung, die mit Giebel und Säulen einem Portikus nachempfunden ist, strahlt der Saal einen morbiden Charme aus.

„Früher hatte das Kino eher etwas Anrüchiges, dem wollte man mit diesem Bau anscheinend etwas entgegensetzen und hat versucht, den Saal mehr in Richtung Hochkultur zu inszenieren", erklärt Almuth Wagner, eine der zwei Geschäftsführerinnen des UT Connewitz.

Science-Fiction-Stummfilm mit Livemusik

Das 100-jährige Bestehen soll mit einem kompletten Jubiläumsjahr gefeiert werden: „Am 27. Januar geht es los mit dem Stummfilm ‚Aelita' von 1924, einer Art Wegbereiter des Science Fiction, der von Livemusik begleitet wird", verrät Noack. Zudem seien zahlreiche Filmvorträge zu den Themen Kino, Film und Filmgeschichte geplant. „'Die schwarze Katze' haben wir leider noch nicht gefunden", sagt Noack und spielt damit auf den Eröffnungsfilm an. Dafür hat der Verein ein anderes Schmankerl für Kinofans vorbereitet. Zusammen mit dem Leipziger Techniksammler Otto Semmler, der Vorführgeräte und Filmaccessoires sammelt, plant der Verein zum Tag des offenen Denkmals eine Ausstellung. „Wir werden dann alle Filmvorführgeräten hier haben, die in den letzten 90 Jahren im UT Connewitz in Betrieb waren", so Noack.

Das Kino, das zuerst "Cammerlichtspiele" und ab 1920 "Union-Theater Connewitz" hieß, hat eine bewegte Geschichte. Ab 1970 war es als "Filmtheater Connewitz" Teil der Filmtheaterbetriebe der Stadt Leipzig. Nach mehreren Umbaumaßnahmen wurde es ab 1985 unter anderem für Jugendweihefeiern und Konzerte genutzt und galt zudem als Treffpunkt der DDR-Punkszene, bevor es 1992 geschlossen wurde. „Das Kino lag viele Jahre in einer Art Dornrösschenschlaf, so dass viele Leute neugierig darauf waren, es zu sehen", erinnert sich Wagner. Auf dem Connewitzer Straßenfest im Mai 2001 sei das Haus zunächst für einen Tag für die Besucher geöffnet worden: „Innerhalb von acht Stunden sind mehr als 1800 Leute gekommen", erzählt die Geschäftsführerin. „Viele haben damals gesagt, hier muss man doch etwas machen."Aus dieser Euphorie habe sich schließlich der Verein gegründet, der heute 127 Mitglieder hat. „Das reicht vom Architekten über Studenten bis hin zu Arbeitslosen und Rentnern. Gerade dieses breite Spektrum ist es, was die Atmosphäre dieses Ortes ausmacht", hat Wagner erlebt. „Man trifft hier viele Leute, die man sonst nie kennengelernt hätte. Hier findet jeder seins, der eine führt Filme vor, der andere hilft beim Bau."Und da musste in der Vergangenheit bereits so manches Mal Hand angelegt werden: „Besonders 2009 und 2010 waren zwei kritische Jahre, wo es hier wirklich an die Substanz ging, weil wir die Auflagen des Bauordnungsamtes umsetzen mussten, und das Geld nicht so schnell da war", erinnert sich Noack. Mit Spenden des so genannten Clubs 100 - in dem jedes Mitglied jährlich einen Betrag von 100 Euro zahlt und dafür eine Kino-Jahres-Freikarte bekommt - sei es schließlich gelungen, Auflagen des Bauordnungsamtes zu erfüllen und die Fluchtwegbeleuchtung sowie den ersten Bauabschnitt der neuen Heizungsanlage und der Elektrik fertigzustellen.Bereits 2006 hatte der Verein mit Fördermitteln des damaligen Regierungspräsidiums von rund 36.000 Euro das Dach des denkmalgeschützten Gebäudes erneuert. Um den Zugang zum Saal zu sichern hatte der Verein 2008 mit einem Kredit auch das Vorderhaus gekauft, in dem sich heute eine Buchhandlung und ein Imbiss befinden.

Vorführraum nach historischem Vorbild wieder aufgebaut

Weitere Reparaturmaßnahmen wurden möglich, nachdem Stadt und EU 2011 Fördergelder in Höhe von 96.000 Euro fließen ließen, so dass mit einem Eigenanteil des Vereins insgesamt rund 107.000 Euro Gesamtbausumme zur Verfügung standen. Davon sei im vergangenen Jahr der Außenputz erneuert, zwei neue Schallschutzfenster eingebaut sowie neue Türen zum Treppenaufgang zum Rang eingebaut worden. Auch die Sanitäranlagen seien komplett erneuert und die Elektrik weiter ausgebaut sowie ein zweiter Heizungsstrang instandgesetzt worden, erklärt Vereinsmitglied Frank Hinrichs, der die Bauarbeiten betreut. Mithilfe eines Sponsors sei es zudem gelungen, den alten Vorführraum, der vor zwei Jahren abgerissen wurde, im vergangenen Jahr nach historischem Vorbild wiederaufzubauen.Diese Jahr stehen die Erneuerung des Fußbodens und zwei neue Saaltüren nach historischem Vorbild an. Auch die Bühne und das historische, einem Portikus nachempfundene Relief sollen erneuert werden. Eine vorerst provisorische Treppe hinunter vom Rang soll durch eine stabilere Konstruktion ersetzt werden. „Das ist wichtig, damit die Künstler in Zukunft nicht immer durch das Publikum laufen müssen", erklärt Noack. Dafür hat der Verein ein Drittel der Gesamtbausumme für 2012 zurückgestellt.Neben ehrenamtlichen Helfern gibt es zwei feste Stellen, die der Verein finanziert, eine Bürgerarbeitsstelle und zwei Kombistellen, die bis Ende des Jahres laufen. Wie es ohne diese beiden Stellen weitergehe, stehe noch nicht fest. „Ohne das ehrenamtliche Engagement ist das umfangreiche Programm mit mehr als 220 Veranstaltungen pro Jahr nicht zu stemmen", ist sich die Geschäftsführerin sicher. Für viele Bands mache gerade die persönliche Atmosphäre den Reiz des UT als Veranstaltungsort aus. „Viele Bands die einmal hier aufgetreten sind, kommen gerne wieder, obwohl wir keine hohen Gagen zahlen können."Und das scheint auch für die ehrenamtlichen Helfer zu gelten: „Es ist schon ein kleines Wunder, dass dieser Verein so umsichtig und kompromissbereit immer das Ziel verfolgt hat, dieses Kleinod zu erhalten", sagt Noack. „Deswegen sind wir sehr stolz darauf, dass es dieses Haus nach 100 Jahren immer noch gibt und freuen uns auf das Jubiläumsjahr. Hundert wird man schließlich nur einmal." Weitere Informationen und Termine zum UT Connwitz unter: www.utconnewitz.de

Stefanie Büssing

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