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Beweise für die Endlichkeit: Ein schöner Abend mit Alphaville im Clara-Zetkin-Park

Beweise für die Endlichkeit: Ein schöner Abend mit Alphaville im Clara-Zetkin-Park

Bei geschlossenen Lidern hat die Gegenwart ausgespielt. Alphaville klingen am Samstag auf der Parkbühne so, wie man Alphaville gespeichert hat – großartig nämlich.

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Großartig: Alphaville auf der Parkbühne Leipzig im Clara-Zetkin-Park.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Nur die geöffneten Augen verraten, dass Zeitflug und Wandel verdammt viel miteinander zu tun haben.

Vor rund 600 Zuschauern betritt um 20.30 Uhr ein Mann die Bühne, der aussieht wie ein freundlicher Onkel. Der die Hälfte eines Medizinballs vor den Bauchnabel geschnallt zu haben scheint und dem man beim spontanen Anblick eher den bürgerlichen Namen Hartwig Schierbaum zuschreiben möchte als den, der ihn berühmt gemacht hat: Marian Gold.

Der Sänger, einzig verbliebenes Gründungsmitglied von Alphaville, ist am Anfang des Abends ein gut gelauntes 57-jähriges Dickerchen mit schwarzem Bart. Ein paar Takte darauf ist er derjenige, der geliebt und verehrt wird für Songs, die Klangspuren auf Lebensstrecken hinterlassen haben, die zu Soundtracks für Glücks- und Schmerz-Erlebnisse wurden und bleiben.

Ungemein druckvoll schieben er und seine vier glänzend eingespielten Musiker die Show an. „Golden Feeling“ erfasst die Fans, „Dance With Me“ hält das Tempo, die Keyboards zaubern dieses wunderbar wolkige Alphaville-Wabern, das schon in den 1980ern deutlich über den einheitlich geknüpften Synthie-Teppichen schwebte. Wie ein Flummi springt Marian Gold auf und nieder, mit geballten Fäusten und einer Energie und einem Spaß am Auftritt, als sei er gerade erst aus dem Studio-Knast in die Bühnen-Freiheit entlassen worden.

Ein Mann, dem Gekünstel, Pose und dampfplaudernde Ansagen fremd sind, tobt sich hier aus und genießt es, mit Gästen eine Sommerparty feiern zu können. Auch gern voller Selbstironie: „Song For No One“ vom jüngsten Album „Catching Rays On Giant“ hat er sich gewidmet, „dem wundervollen, fantastischen Menschen Marian Gold“ – zur Performance pantomimt seine Hand das Onanieren.

Erstaunlich früh rumst der Mega-Hit „Big In Japan“ aus den Boxen. Hart und gewaltig, im Gesang leider zu abgehackt, um genüsslich schwelgen zu können. Die Bombastik des wummernd pulsierenden Intros von „A Victory of Love“ reißt alle mit, jener Opener der Platte „Forever Young“, dem erfolgreichsten Alphaville-Opus aus dem Orwell-Jahr 1984.

Und obwohl auch erfolgreiche Stücke aus „Prostitute“ oder die letzte Single „I Die For You Today“ den Stimmungspegel halten – nicht zu toppen ist der Jubel beim rasenden, großartigen, monströsen „Sounds Like A Melody“.

Noch vor der ersten Zugabe hat Marian Gold das komplette Tophit-Pulver verballert. Ein dramaturgischer Fehler, den zumindest die träumerisch-ruhige Version von „Dance With Me“ ein wenig glattbügelt. Noch einmal weht ein Stück Melancholie durch die Gedanken. Kulminiert ist die schon 20 Minuten zuvor dank dieser einen großen und ewig schönen Ballade: Für viele war anno 1984 „Forever Young“ ein trotziges Versprechen an sich selbst, die Zeit auszutricksen, Endlichkeit zu ignorieren.

Und nun stehen sie da, die über Vierzigjährigen, spiegeln Vergangenheit und Emotionen in Textzeilen, gleichen das Früher mit dem Jetzt ab. Und nehmen ganz unverstohlen die Brille ab, um Tränen aus den Augenwinkeln zu streichen. Das war ein schöner Abend, Herr Gold.

Mark Daniel

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