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Bildermuseum mit Besucherzuwachs und großer Gille-Retrospektive

Ausstellungsprogramm 2016 Bildermuseum mit Besucherzuwachs und großer Gille-Retrospektive

135.000 Besucher kamen 2015 ins Leipziger Bildermuseum, ein Viertel mehr als im Vorjahr. 2016 sind unter anderem Arbeiten von LVZ-Kunstpreisträger Via Lewandowsky, Künstlerbücher von Anselm Kiefer und Fotos von Ursula Arnold, Arno Fischer und Evelyn Richter zu sehen. Im Herbst zeigt das Museum eine große Retrospektive zum 75. des Malers Sighard Gille.

Künstlerbücher von Anselm Kiefer (hier ein Ausschnitt aus „Wolkensäule“ von 2015) sind ab 27. Februar im Museum der bildenden Künste zu sehen.
 

Quelle: MdbK

Leipzig, .  Der Weg zur Jahrespressekonferenz des Museums der bildenden Künste führt zwangsläufig vorbei an Markus Lüpertz’ Beethoven-Skulptur, die gerade für heftige Empörung sorgt unter Leipziger Künstlern, Kunstfreunden und kunstfernen Internetstammtischlern.

So gut es ist, wenn Kunst noch für Diskussionen sorgen kann, so erschreckend ist doch teilweise der Tonfall. Was dann in der Vorschau auf 2016 verkündet wird, muss zwangsläufig für die Dauerempörten, für die gerade das schöne Wortspiel Sauercrowd die Runde macht, wie ein Adrenalinschub wirken. Das wird kein leichtes Jahr für sie, sofern sie denn das Museum überhaupt je betreten.

Doch Hans-Werner Schmidt, Direktor des Hauses, geht selbstverständlich erst einmal auf 2015 ein. „Ein Jahr der Klassiker, der großen Namen“ war es. Tatsächlich: Bernini, Klee, Delacroix – das gehört zum Schulstoff. Dramatisch gute Berichte habe es im überregionalen Feuilleton gegeben, so Schmidt. Die Zahl von 135.000 Besuchern geht da fast etwas unter. Nicht schlecht, nicht umwerfend. Über die Qualität der Ausstellungen sagt sie ohnehin nur bedingt etwas aus. Die Leistung, umfängliche und gründlich erarbeitete Kataloge herausgegeben zu haben, sollte man nicht geringer bewerten.

Die letzten Kisten im Untergeschoss sind gerade verschlossen worden. Der Aufbau für Via Lewandowskys „Hokuspokus“, ab 14. Februar zu sehen, kann beginnen. Der Künstler, 1995 mit dem ersten Kunstpreis der LVZ geehrt, gehörte in der Untergangszeit der DDR zum Kollektiv der Dresdener Autoperforationsartisten. In der aus Kiel übernommenen Ausstellung spielt Lewandowsky mit kommunikativen Missverständnissen. Die Leuchtschriften und Soundarbeiten sind nie eindeutig, der Glaube an das richtige Verstehen wird dem Besucher regelrecht abgefordert. Symbolisch für diese Herausforderung steht eine „phonetische Bemusterung“ des Begriffs Vernunft in persischer Schrift.

Zusammen mit diesen Installationen sind Fotos eines einstigen Ateliernachbarn Lewandowskys zu sehen, Stefan Koppelkamm. Der Saarländer ist kurz nach dem Mauerfall durch mehrere ostdeutsche Städte gereist, hat verfallene Straßenzüge abgelichtet und ein bis zwei Jahrzehnte vom exakt gleichen Standpunkt aus die Aufnahmen wiederholt. Andere Serien beschäftigen sich mit gläsernen Fassaden oder Cafés. Gewiss sind diese Bilder zugänglicher als die Arbeiten des Kollegen, doch Widerhaken haben sie trotzdem in sich.

Nur eine Woche später werden im ersten Obergeschoss in Riesenvitrinen Künstlerbücher Anselm Kiefers verstaut. Das Zustandekommen der Ausstellung ist ein Ereignis, fremdelt doch der Wahlfranzose trotz seines Images als superdeutscher Traditionalist heftig mit den hiesigen Institutionen.

Im Kabinett geht es ab Mitte März mit Imi Knoebel und Thomas Scheibitz weiter. Wie Kiefer war Knoebel Student bei Joseph Beuys, dem Lüpertz-Vorgänger, der Dilettantismus zur anerkannten Kunstform erhob. Knoebels bunte Abstraktionen – Studien für Fenster einer französischen Kathedrale – werden mit Werken von Thomas Scheibitz verkuppelt. Der Dresdner ist nicht weniger spröde.

Fotografie sei so etwas wie ein Strang des Museumsjahres, sagt Hans-Werner Schmidt. Bei der nächsten großen Ausstellung im Basement stimmt das garantiert. Evelyn Richter, deren Archiv heute zum Bestand des Hauses gehört, sowie ihre Kommilitonin und Freundin Ursula Arnold sowie Arno Fischer, der wie Richter an der HGB unterrichtete, sind die Protagonisten. Was nach DDR-Nostalgie riechen könnte, wird durch den kritischen, unsentimentalen Blick auf die Verhältnisse dieser Zeit gebrochen.

Im Herbst schließlich wird ein Leipziger Maler geehrt, der zumindest durch sein riesiges Deckengemälde im Gewandhaus-Foyer auch dem Ausstellungs-Abstinenzler bekannt sein muss – Sighard Gille. Er feiert am 25. Februar seinen 75.

Im Kabinett ist im Sommer eine Umwegerentabilitätsausstellung zum Katholischen Kirchentag zu sehen. Harald Kirschner, noch ein HGB-Absolvent, hat unter dem Titel „Credo“ kirchliches Leben in der DDR fotografiert. Ab September wird der vergessene Künstler und Kunstwissenschaftler Albert von Zahn, kurzzeitig Vorgänger Schmidts als Museumsdirektor in Leipzig, ausgegraben.

Die Beruhigung, dass ja doch einige lokale Heroen zu bewundern sein werden, muss kippen bei Schmidts Ankündigung: „Beethoven war erst der Anfang.“ Markus Lüpertz soll Anfang 2017 Teile des Museums in sein temporäres Atelier verwandeln. Eines kann man dem mittelfristigen Programm des Museums der bildenden Künste bestimmt nicht vorwerfen – Populismus

 

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Von Jens Kassner

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