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Bildgewaltige Alice - Neues Stück vom Theater Titanick

Leipziger Performance-Gruppe Bildgewaltige Alice - Neues Stück vom Theater Titanick

Das Theater Titanick meldet sich zurück. „Alice On The Run“ zwingt Lewis Carrolls bekannte Figur zur Flucht. Sie gerät in Abenteuer. Das Spektakel der Leipzig-Münsteraner Performance-Gruppe ist aufwändig, bildgewaltig und bietet Pyro-Effekte. Die öffentliche Generalprobe war am Mittwoch auf der Alten Messe zu erleben.

Alice in Not – eine Szene aus dem neuen Titanick-Stück.

Quelle: Christian Modla

Leipzig. Vielleicht ist es das bekannteste Kinderbuch überhaupt: Die Basis für die neue Produktion des Straßen-Aktions-Theaters Titanick bilden Lewis Carrolls Erzählungen „Alice im Wunderland“ und „Alice hinter den Spiegeln“ – unter dem Titel „Alice On The Run“ (Alice auf der Flucht). Leipzig profitiert mal wieder vom ungewöhnlichen Doppelstandort der Truppe, die seit 1990 aktiv ist: In Münster sitzt das Büro, dort werden Geld und internationale Gastspiele akquiriert, das Theater zu Aufritten gebucht. Leipzig leistet sich so etwas nur zu großen Anlässen wie vor zwei Jahren zum Stadt-Fest-Spiel „Lipsias Löwen“. Dafür werden die Produktionen auf dem Alten Messegelände realisiert, hier wird getüftelt, geschraubt und geprobt.

Die hiesigen Fans haben so die Chance auf eine Werkschau, vergleichbar mit einer öffentlichen Generalprobe. Und so gingen am Dienstagabend am alten Doppel-M nun Alice und ihr Freund, das Kaninchen, auf wundersame Reise durch phantastische Welten. Das ist an Carroll angelehnt, aber die Macher haben auch genug eigene Phantasie und lassen sie genussvoll–üppig ins Kraut schießen.

Der Garten, wo Krocket mit Flamingos als Schläger gespielt wird, kommt vielen vielleicht noch bekannt vor. Dann werden die Helden von den zwei Kampfhunden einer roten Domina gefangen. Alice findet den berühmten Trunk, der sie kleiner macht (tricktechnisch ist das mit viel Knall und Rauch und realistisch aussehender Puppe wunderbar gelöst) und entflieht durch die Gitterstäbe auf dem Rücken einer Wespe. Die beiden werden getrennt. Alice landet im irren Auf und Ab eines eigenartigen Labyrinths, in dem schrille Vögel emsig damit beschäftigt sind, Papier zu bestempeln. Sie darf erst wieder raus, als sie ganze Berge voller Genehmigungen eingesammelt hat. Vielleicht die schönste Choreographie unter den vielen schönen dieser Inszenierung.

Das Publikum steht inmitten des Szenariums. Die Spielorte sind rundherum platziert, die Protagonisten durchqueren den Raum auf rollenden Thronen und in weinenden Badewannen. Da heißt es immer ein wenig aufpassen, denn oft muss Platz gemacht werden, die Sichtachsen ändern sich ständig. Zusammengehalten wird das Ganze vor allem durch die stimmige Musik, die vorantreibt, rhythmische Achsen einzieht, Stimmungen erzeugt.

Zum Finale treten Kaninchen und Alice in einem wunderschönen Bühnenbild zum Schachspiel an. Der rote und der weiße König führen die Figuren, sie schwingen zu Pferd die Schwerter, aus den Türmen heraus wird geschossen. Da sind die Titanicker ganz in ihrem Element: Es lodern die Flammenfontänen, die rivalisierenden Königinnen schleudern Blitze, die sehr hörbar um das erst verwirrte, dann begeisterte Publikum herum einschlagen.

Das Ganze endet im Chaos, als die beiden Helden an der (Schach-)Uhr manipulieren und den Unendlichkeitsdrive aktivieren, bis ihnen die Zahnräder um die Ohren fliegen: Hinterm großen Lewis Carroll grinst Douglas Adams hervor. Danach entlädt sich die Begeisterung der zahlreichen Zuschauer trotz der empfindlich niedrigen Temperaturen in heftigem Jubel.

Zeit für Titanick-Chef Uwe Köhler, auf das aktuelle Problem der Truppe aufmerksam zu machen: Auf der Alten Messe soll gebaut werden, was prinzipiell gut ist. Aber Titanick hat nun mal seit 1996 seine Werkstätten und Requisitenlager im rückwärtigen Abschnitt der Messehalle 16, der im kommenden Jahr abgerissen wird. Und so steckt im Namen des Leipzig-Münsteraner Theaters mit weltweiten Tournee-Erfahrungen momentan etwas unangenehm Passendes. Bleibt zu hoffen, dass die Theatermacher sich am Ende einmal mehr auf ihren Ideenreichtum und Unterstützung von außen verlassen können.

www.titanick.de

Von Lars Schmidt

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