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Blick in die Zukunft - das Science-Fiction-Genre nimmt die Realität vorweg

Blick in die Zukunft - das Science-Fiction-Genre nimmt die Realität vorweg

Rund um den Jahreswechsel versuchen Wahrsager, Philosophen und Experten jeder Couleur traditionell, den Nebel zu lichten, der den Blick auf die Zukunft versperrt.

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Keine Knöpfe: Der Designentwurf Dice von Mercedes für ein Cockpit der Zukunft wirkt wie aus einem Science-Fiction-Film. (

Quelle: Thomas Geiger)

Berlin. Dafür sollten sie vielleicht ein paar Science-Fiction-Romane lesen, wenn man Sascha Mamczak, Programmleiter für Science Fiction und Fantasy beim Heyne-Verlag, folgen will. Im April erscheint sein Essay „Die Zukunft: Eine Einführung".

Mamczak sagt: „Es gibt unzählige Bücher über die Zukunft, aber oft sind das reine Spekulationen. Ich versuche zu erklären, dass man mit dem Instrumentarium der Science-Fiction-Literatur die Zukunft zwar nicht vorhersagen, aber Entwicklungstendenzen ablesen kann."

Im Prinzip geht es um die Frage, ob Menschen, die über die Zukunft nachdenken und schreiben, auch Einfluss auf sie nehmen. „Auf jeden Fall hat das Genre eine Reihe von Metaphern geprägt, die sich in den Köpfen der Menschen eingenistet haben", sagt der Autor. So sei die Diskussion über die NSA-Überwachungsaffäre vom Begriff des „Großen Bruders" geprägt gewesen, den George Orwell in seinem Roman „1984" einführte. William Gibson prägte in seinem Roman „Neuromancer" den Begriff „Cyberspace" und somit die Vorstellung vom Internet als Raum. Auch das derzeit heiß diskutierte „Internet der Dinge", die Verknüpfung von Gegenständen wie Kaffeeautomat oder Kühlschrank in einem dem Internet ähnlichen virtuellen Funktionsraum, geht auf Science-Fiction-Ideen zurück.

Als Mamczak zum ersten Mal einen Drei-D-Drucker gesehen hat, musste er an den Replikator aus dem Raumschiff Enterprise denken. Star Treck sei ohnehin eine Fundgrube für Erfindungen, die in der Realität nachgeholt wurden. Nur die Realisierung des Beamens lässt weiter auf sich warten.

Drahtlose Kommunikation hat es in Literatur und im Film schon lange vor der Realität gegeben. Als Nächstes, so prophezeit Mamczak, sei die gentechnische Veränderung des menschlichen Körpers dran. „Ich gehe mal fest davon aus, dass wir in ein paar Jahrzehnten irgendwelche Mikroben oder andere Dinge in uns herumtragen, die da eigentlich nicht hingehören", sagt er. Frankenstein sei die Urmetapher in der Diskussion um die Manipulation des Menschen, gerade erst tauchte sie in der Überschrift eines Leitartikels der „Süddeutschen Zeitung" zum Thema Genforschung auf. Der bekannte kanadische Science-Fiction-Autor und Blogger, Cory Doctorow, hat für das Heyne-Jahrbuch eine Geschichte geschrieben, in der ein mittelloser Mensch seine Prothesen least. Seine Körperteile werden über eine Art Internetverbindung vom wahren Eigentümer gesteuert. Von Doctorow heißt es, er habe die NSA-Affäre in seinem Roman „Little Brothers" vorweggenommen.

Einige Titel aus dem Frühjahrsprogramm 2014 beschreiben Szenarien, die nicht aus der Luft gegriffen sind: Matthew Mather erzählt in „Cyberstorm" (Heyne), was geschieht, wenn das Internet in der Stadt New York plötzlich flächendeckend ausfallen würde. Eine Gesellschaft, die abhängig von einer Technik ist, die kaum einer durchdringt, stürzt ins Chaos. Und der russische Schriftsteller Dimitri Glukowski spekuliert in „Future" darüber, dass die Menschen ihr Leben künstlich bis zu 100 Jahren verlängern können und wegen der daraus resultierenden Überbevölkerung in riesigen Wolkenkratzern hausen.

Laut Susanne Stark, Programmleiterin DTV Junior, nehmen dystopische Elemente in Folge der Romanreihe „Die Tribute von Panem" immer weiter Einzug in die Fantasyliteratur. So werden negative Zukunftsszenarien entworfen, in denen sich fantastische Figuren bewegen. Ein Beispiel dafür ist die neue Saga „Throne of Glass" der erst 16-jährigen US-Autorin Sarah J. Maas. „Der für das Fantasy-Genre typische Kampf Gut gegen Böse wird auf den Kampf gegen ein Unterdrückersystem projiziert", sagt Stark.

Nina May

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