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Blomstedts Neunte zum Jahreswechsel im Gewandhaus bejubelt - Open-Air auf dem Markt

Blomstedts Neunte zum Jahreswechsel im Gewandhaus bejubelt - Open-Air auf dem Markt

Herbert Blomstedts Interpretation von Beethovens Neunter hat am Donnerstagabend für viel Beifall im Leipizger Gewandhaus gesorgt. Am Samstag wird das Große Concert auf dem Marktplatz live übertragen.

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Herbert Blomstedt

Quelle: PR

Leipzig. Trotz Nieselregens kamen die Leipziger, um das Classic Open Extra-Erlebnis gemeinsam zu genießen.

Es sind kaum mehr als fünf Minuten Unterschied: Knapp 63 brauchte Riccardo Chailly zuletzt für Beethovens Neunte, gut 68 Minuten sind es am Donnerstagabend im ausverkauften Gewandhaus bei seinem Gewandhaus-Kapellmeister-Vorgänger Herbert Blomstedt. Aber in diese fünf Minuten passt eine Welt. Denn wo Chaillys Neunte brodelt und kocht und drängt, hat Blomstedt in seinen Leipziger Nummern 25, 26 und 27, die er vertretungsweise für den erkrankten (aber auf dem Weg der Genesung weit fortgeschrittenen) Italiener übernommen hat, zu noch mehr altersweiser Zuversicht gefunden.

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Leipzig. Ausgelassen und überwiegend auch friedlich haben die Menschen in Sachsen das neue Jahr begrüßt. Schwerpunkt der Feiern in Leipzig war unter anderem der Augustusplatz in der City, wo nach ersten Schätzungen der Polizei rund 5000 Menschen das neue Jahr mit Böllern und Raketen begrüßten. Am Connewitzer Kreuz feierten mehr als 500 Menschen friedlich Silvester. Nach Spontandemos zweier Gruppen kam es aber zu gewalttätigen Zusammenstößen mit der Polizei. 

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Von den ersten Tönen an, die aus fallenden Quinten über sanft wogender Fläche den Auftakt zur Erschaffung einer Welt aus Tönen markieren, ist klar: Blomstedt geht es bei Beethoven nicht um irgendeine, es geht ihm um eine bessere Welt. Und wenn man einem die Botschaft des Finales abkauft, dass unterm Sternenzelt alle Menschen zu Brüdern werden sollten, dann ist es dieser Ehrendirigent des Gewandhausorchesters.

In dieser Gewissheit kann er es sich erlauben, das über die Jahrhunderte mit einem Panzer aus Pathos umgürtete Riesenwerk von Anfang an in eine beinahe gelassene Heiterkeit zu tauchen. Was keineswegs mit Unverbindlichkeit zu verwechseln ist oder gar mit Harmlosigkeit. Denn vom ersten Ton an baut Blomstedt eine Spannung auf, die indes im Vergleich zu Chaillys dramatischem Sog eher episch daherkommt, bisweilen auch lyrisch.

Das Gewandhausorchester hat im letzten Jahr Beethoven gespielt bis zum Abwinken. Gleich den kompletten Zyklus mehrfach in Leipzig, in Wien, in London und in Paris, dabei ist Chaillys schlackenlose Ästhetik zur klanglichen Selbstverständlichkeit gereift. Umso bemerkenswerter ist nun die Bereitwilligkeit, mit der die Musiker um Konzertmeister Sebastian Breuninger den Schalter umzulegen in der Lage sind.

Beinahe liebevoll legen sie ihrem Ex-Chef die Details zu Füßen, die der nicht mit dem Spot beleuchtet, sondern organisch aus dem Ganzen herauswachsen lässt. Dass dabei der akustische Fingerabdruck dieses Ausnahme-Klangkörpers erkennbar bleibt, die klangliche Identität, der spezifische Sound den einen Ansatz so nachhaltig prägt wie zuvor den anderen, das macht die Sonderklasse des ältesten bürgerlichen Orchesters der Welt aus.

Unachtsamkeiten scheinen aber auch dazuzugehören. So huscht ein Schatten über manchen Übergang, kommt es vor der Coda des Kopfsatzes auch mal zum handfesten Auffahrunfall. Was indes den Gesamteindruck weit weniger stört als die Handvoll Malader, die ausgerechnet das traumverloren schöne Adagio molto und cantabile erbarmungslos zerhüsteln, diese ganz nach innen gekehrte Schönheit aus Licht, Wärme und Wonne.

Der monumentale Kopfsatz, das robuste Scherzo, das Blomstedt forsch und treibend angeht, sie leiden deutlich weniger darunter. Und wenn im Finale erst einmal Thomas E. Bauers herrlich baritonal eingefärbter Bass darum bittet, andere Töne anzustimmen, ist die Umwelt für die meisten ohnehin vergessen.

Solistisch ragt Bauer klar heraus aus den Kollegen. Da bleibt Tenor Michael Schade ein wenig blass, macht Christa Mayer am Alt vor allem durch Solidität auf sich aufmerksam, und Rebecca Evans fehlt im Sopran der letzte Glanz. Als Ensemble jedoch funktionieren die vier prächtig zusammen: geschmeidig, homogen, sensibel.

Was rundum auch gilt für das von Alessandro Zuppardo, Gregor Meyer und Frank-Steffen Elster einstudierte Kombinat aus Opern- und Gewandhauschor, die fürs verlässliche Fundament sorgen, für Kraft und Substanz, und den Gewandhaus-Kinderchor, der dem Klang feine Silberkrönchen aufsetzt. Enthemmter Jubel für alle Beteiligten.

Das noch ausstehende Große Concert mit der Neunten unter Herbert Blomstedt ist längst ausverkauft. Mit der Unterstützung der Stadtwerke, der Sparkasse, der Peter Degner Stiftung, der LVZ, des Gewandhauses, des MDR und der Telepool GmbH wird aber die Neunte am Samstag wieder auf dem Marktplatz übertragen. Der Eintritt ist frei. Die Übertragung beginnt um 17 Uhr und endet gegen 18.15 Uhr. Auch MDR Fernsehen und MDR Figaro übertragen live.

Peter Korfmacher / ra

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