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Bodo Wartke glänzt in der Arena Leipzig

1200 Zuschauer bei „Swingende Notwendigkeit“ Bodo Wartke glänzt in der Arena Leipzig

Er kam, sah und swingte: Musikkabarettist Bodo Wartke, der inzwischen auch größe Hallen füllt, präsentierte am Donnerstagabend in der Arena Leipzig sein Programm „Swingende Notwendigkeit“. Er und das Orchester nahmen rund 1200 Zuschauer durch eine musikalisch-humorvolle Reise mit.

Sympathischer Musikkabarettist: Bodo Wartke am Donnerstag in Leipzig.

Quelle: Kempner

Leipzig. Stil und Charme sind eher selten typisch fürs deutsche Kabarett. Allzu oft dampfhammert es wortwitzelnd von Pointe zu Pointe, mischt es Ministernamen und parlamentarische Schlagworte ein und nennt das Ganze dann politisch. Die Zuschauer changieren dabei zwischen deutlich betagtem Institutionsbesucher und Schenkelklopferfreunden. Nicht so bei Bodo Wartke: Bunt gemischtes, entspannt aufmerksames Publikum zog der „Gentleman-Entertainer“ am Donnerstag in die Arena (1200 Leute waren da), und nie passte die Selbstbeschreibung besser und ist dabei keineswegs Rolle, sondern Wartkes offensichtliche Natur und Leidenschaft.

In seinen Liedern treffen sich Puzzlenerds, Fernsehköche und Franz Schubert, nur ganz dezent mischen sich politische Töne dazwischen, meist geht es um die Liebe. In Vollendung versteht Wartke das Reimen und benutzt dabei virtuos phonetische Ähnlichkeiten, wo sie ihm über den Weg laufen. Nie reimte sich „Gefühl’ zartschmelzender auf „markwirtschaftliches Kalkül, aber meist sind es die eigentlich naheliegenden Verbindungen, die seinen Stücken sympathischen Charme verleihen: „Spiel mal was – krass!“.

Sitzt der Kabarett-Chansonnier solo sonst auf dem Pianohocker, kann Wartke im Programm „Swingende Notwendigkeit“ auf das Kulturvollste seinen tänzerischen Bewegungs- und musikalischen Lautstärkedrang ausleben und strebt, unterstützt vom Capital Dance Orchestra unter Leitung von Dirigent und Geiger David Canisius, auf die großen Bühnen.

Ohne Brille und im weißen Revue-Anzug verliert sich die sonst Wartke-typische Roger-Willemsen-Optik, dafür mischt sich stimmlich im Jazzgewand eine gute Portion Götz Alsmann dazu.

Der Abend ist als, zum Publikum offenes, Zwiegespräch über Musikstilistiken mit dem Kapellmeister inszeniert, wobei Canisius den spielerischen Redeschwällen Wartkes mit wundervoll bremsender Einsilbigkeit begegnet. Umso variantenreicher deckt sein sichtlich spielfreudiges Orchester hochprofessionell alle möglichen Klangfacetten vom polternder Polka bis zum melancholisch testosteronreduzierten Tango ab und zaubert dabei schönste 1920er Ballsaal-Atmosphäre in die Mehrzweckarena. Stilvoll akzentuiertes Licht und glänzender Sound geben ihr Übriges dazu.

Als man bei „Architektur in Deutschland“ einen deutschen Polizeikapellenmarsch imitiert, passiert es: Das Publikum lässt allen Schöngeist fliegen und klatscht rhythmisch mit. Aua! Wenig später interveniert Wartke und bittet beim Reggae darum, dass, wenn man schon klatsche, dann gefälligst nicht „zu deutsch“ auf die Eins, sondern immer da, wo man das Gefühl hat, hier sei es falsch.

Per Schnick-Schnack-Schnuck entscheiden Wartke und Canisius, den Ehekrach-Klassiker „Ja, Schatz“ als Heavy Metal zu intonieren, das Orchester zieht krachend mit: Bei derlei Spielchen zeigt sich: Wartke ist vor allem ein großartiger Entertainer mit stets kulturvoller Geste.

Nach gut zwei Stunden Programm werden die Zugaben unter Standing Ovations gegeben: Mit einem wilden Gospel, adressiert an den Heiland von heute (Steve Jobs), wird noch einmal jedem für den Heimweg ordentlich Rhythmus ins Blut gepumpt. Zum Abschluss folgt der poetischste Moment des Abends: Wartkes Liebeslied, das als App und interaktiver Internet-Generator mittlerweile in fast 90 Sprachen vorliegt, wird in einigen Sprachen angespielt und schließlich per Zuschauerbefragung live um drei weitere ergänzt – Bärndütsch, Hessisch und Gebärdensprache. Es ist wohl auch die politischste Botschaft des Abends: Wenn man in möglichst vielen linguistischen Varianten sagen kann, dass man sich liebt, kann man sich Politik sparen.

Bodo Wartke ist mit der Jubiläumstour „20 Jahre – 20 Bühnen“ am 28. Oktober wieder in Leipzig zu Gast: in der Moritzbastei. Karten gibt’s unter www.moritzbastei.de.

Von Karsten Kriesel

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