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Book Brothers feiern gelungenen Start im Café Robotnik

Leipziger Lesebühne Book Brothers feiern gelungenen Start im Café Robotnik

Die sonnenbebrillte Ähnlichkeit mit Jake und Elwood Blues ist kein Zufall. Als „Book Brothers“ gehen Benjamin Kindervatter, Roman Israel und Uwe Schimunek seit Dienstagabend auf ihrer „Lesebühne für Erwachsene“ im Café Robotnik an den Start. Zur Premiere der monatlichen Reihe hatte das Schriftsteller-Trio noch den Kollegen Christian Kreis zu Gast.

Erwachsene lesen für Erwachsene: Benjamin Kindervatter, Roman Israel, Uwe Schimunek und Christian Kreis vor dem Café Robotnik in Connewitz.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Die Kante des Spatens ist gut geschärft. Der erste Kopf rollt nach knapp zehn Minuten. Soll keiner sagen, er sei nicht gewarnt worden. Die Book Brothers – Uwe Schimunek, Roman Israel und Benjamin Kindervatter –, drei Herren in Schwarz, haben ihrer am Dienstagabend gestarteten Literaturshow im Connewitzer Café Robotnik schließlich einen Namenszusatz verpasst: Lesebühne für Erwachsene.

Damit wollen sich die Book Brothers ein bisschen absetzen von Bühnen, die vor allem junges Publikum im Visier haben, die sich eher als Experimentierfeld für erste literarische Gehversuche sehen. „Wir können schwer leugnen, dass wir keine Studenten mehr sind“, sagt der Leipziger Krimiautor Uwe Schimunek im Vorfeld der Lesung. Man könnte auch sagen: Alle drei Autoren sind Schriftsteller mit stattlicher Bühnenerfahrung und einer Reihe von Buchveröffentlichungen. Auch inhaltlich ist der Slogan „für Erwachsene“ durchaus ernst gemeint, wie die erste Geschichte offenbart. Schimunek: „Ich schreibe gern Texte, in denen es auch mal splattert.“

Mit seinen Textblättern steht er am Mikrofon. Improvisierte Bühne. Statt Strahlern beleuchtet ihn einfach eine ummontierte Schreibtischlampe von oben, von der Galerie aus mit den Co-Working-Schreibtischen. So geht es auch. Und mit Schimuneks Ich-Erzähler geht es in den Wald, um einen Schatz zu heben. Mit GPS und Spaten. Schwere Arbeit. Denn der Boden ist hart „wie gefrorene Scheiße“. Und „das Rumhängen vor der Kaufhalle stählt nicht gerade den Körper“. Schimunek entwirft Milieu-Figuren. Und er benutzt gekonnt ihre Sprache mit kurzen, deftigen Sätzen.

Der Witz schaut angenehm beiläufig vorbei

Entstanden ist die Geschichte auf Basis einer Sage. Wer den Schatz von Rabenau heben wolle, so heißt es, der werde wahnsinnig. Ein Schicksal, das auch dem Ich-Erzähler nicht erspart bleibt. Das Ende seiner Geschichte erzählt er schon in der Zwangsjacke. Aber dass er seine Kumpels auf dem Gewissen hat, die ihn kurz vor dem Ziel stören, das hat er wirklich nicht gewollt.

So blutig bleibt es nicht. Mit Roman Israel, Benjamin Kindervatter und dem Gast Christian Kreis verschiebt sich der Abend ins Komische. Aber nicht streng auf Pointe zielend, was viele Lesebühnen in literarisch verbrämte Stand-up-Comedy-Stadel verwandelt. Der Witz schaut hier angenehm beiläufig vorbei. Israel stellt sich dem Publikum mit dem Text „Karma“ vor und gibt Einblicke in ein Leben, das sich als Kette der Misserfolge darstellt. Beispiel: Abschlussarbeit in Religionsphilosophie. Aufgabe: „Erklären Sie den Unterschied zwischen Mhmhmh und Mhmhmh.“ Begriffe, die sein Ich-Erzähler noch nie gehört und deshalb wieder vergessen hat. Dafür erläutert er in der Klausur die Herzinfarkt-Gefahr für Professoren, die sich allen durchgefallenen Studenten auch noch in einer Nachprüfung widmen müssen, derart eindrucksvoll, dass er vom Prüfer durchgewunken wird. Ein bisschen Geld bekommt er auch noch zugesteckt. Und so läuft es eigentlich immer. Ein Kurz-Schelmenroman getarnt als Biografie.

Im Klammergriff des Alltags

Das Ich als Versager im Klammergriff des Alltags ist ein gern gewähltes Sujet auf Lesebühnen. Dazu greift auch der Gast Christian Kreis, den man in der Moritzbastei mit seiner Buchkritik-Show „Die blaue Tonne“ erleben kann. Kreis erzählt, wie er sich als der Lyrik nicht abgeneigter Literat einem Spoken-Word-Wettbewerb stellt. Mit Rappern, Song­writern und einer sich gegenseitig performativ ohrfeigenden Mädchenbande, die dafür – oder für den möglicherweise mitschwingenden polit-kritischen Subtext – auf den ersten Platz gewählt wird.

Benjamin Kindervatter liest aus seinem Buch „Amuse-Gueule ist kein Dorf in Sachsen“ – und damit aus seinem fiktionalisierten Leben. Es geht um seine französische Freundin Marianne und deren Assimilationsbemühungen in Berlin etwa auf dem Feld der Mülltrennung. Und damit leitet er elegant über auf Pionier-Heldentaten beim Altpapiersammeln. Womit endgültig klar wird: Die Bühne ist nicht nur „für“ Erwachsene, sondern auch „von“ Erwachsenen – die Erinnerung reicht in vielen Texten weit zurück.

Mit ihrer Quizshow „für den trinkfreudigen Literaturfreund“ im Ilses Erika sind Israel und Schimunek schon länger gemeinsam unterwegs. „Aber da lesen wir ja nicht, da kaspern wir nur rum“, sagt Schimunek. Daher kam der Entschluss, zusätzlich eine Lesebühne auf den Weg zu bringen. Das ist jetzt geschafft, mit Kindervatter als drittem Book Brother. Mit monatlich einem neuen Gast. Und einem Fixtermin: Jeden ersten Dienstag im Monat im schon zur Premiere gut gefüllten Café Robotnik in der Wolfgang-Heinze-Straße 38.

Von Dimo Rieß

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