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Botschafter der Moderne: Der Leipziger Maler Günter Horlbeck ist mit 89 gestorben

Abstrakter Meister Botschafter der Moderne: Der Leipziger Maler Günter Horlbeck ist mit 89 gestorben

Mit dem Strom schwamm er nie. Assoziativ, vielschichtig und weitgehend abstrakt ist seine Kunst. Am Sonntag ist Günter Horlbeck im Alter von 89 Jahren in Leipzig gestorben. Zu seinen eindrucksvollen Gemälden gehört das Bild „Engel über der Stadt“, entstanden im Revolutionsherbst 1989.

Günter Horlbeck mit Ehefrau Irmgard Horlbeck-Kappler (l.) und Ursula Mattheuer-Neustädt auf einem Foto aus dem Jahr 2007.
 

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig.  Mit dem Strom schwamm er nie. Assoziativ, vielschichtig und weitgehend abstrakt ist seine Kunst. Am Sonntag ist Günter Horlbeck im Alter von 89 Jahren in Leipzig gestorben. Die Kenner kennen ihn und seine Kunst. In den vergangenen Jahren war es aber für Horlbeck schwer, sich in der Jetztzeit mitzuteilen. 2002 und 2004 hatten er und seine ebenfalls nicht unbedeutende Künstler-Ehefrau Irmgard Horlbeck-Kappler, mit der er zuletzt in einem Leipziger Pflegeheim lebte, einen Teil ihres höchst umfangreichen Werkes dem Museum der bildenden Künste in Leipzig gestiftet. Insgesamt rund 300 Werke halfen, eine Lücke in der Sammlung zu schließen.

Günter Horlbeck stammte wie sein Kollege Wolfgang Mattheuer, beide 1927 geboren, aus Reichenbach im Vogtland. Als junger Mann musste er noch in den Krieg ziehen. Der „Ruhrkessel“ hinterließ Spuren. Horlbeck wusste schon früh, dass er Maler werden wollte. Er studierte zunächst in Leipzig, ging aber bald an die Dresdner Kunstakademie, wo die Ausbildung Anfang der 50er Jahre freier, weniger dogmatisch ablief. Er blieb Dresden künstlerisch treu, wurde hier 1972 zum Professor für Malerei berufen. Zu Zeiten, da manch ein Kollege den Helden der Arbeit ein Bild-Denkmal setzte, fand Horlbeck von der gegenständlichen Malerei zur abstrakten, expressiven Kunst. Beckmann, Picasso, Kandinsky waren seine Vorbilder. Auf seinen Bildern fand der von der Partei eingeforderte sozialistische Realismus nicht statt. „Ich musste mir meinen Freiraum erkämpfen und diesen auch ständig behaupten“, sagte Horlbeck in einem Gespräch mit dieser Zeitung und staunte bis ins hohe Alter, wie ihm so viel Eigenheit in einem diktatorischen System gelingen konnte. Kein Frage: Horlbeck war zu DDR-Zeiten ein Botschafter der Moderne.

„Wird da etwa geschossen ...?“

Obwohl bis 1994 Mal-Professor in Dresden, war sein Lebensmittelpunkt immer Leipzig. Und das, ohne ein Vertreter der „Leipziger Schule“ zu sein. Horlbeck erinnerte sich: „Ich habe mich immer als Moderner gefühlt. Als die Leipziger Schule gegründet werden sollte, sagte ich zu Heisig, der mich wohl gern dabei gehabt hätte: Da mach‘ ich nicht mit.“ Zu Horlbecks eindrucksvollen Gemälden gehört sein Bild „Engel über der Stadt“, entstanden im Revolutionsherbst 1989. Der Maler wohnte damals am Dittrichring. Er sah und hörte die Demonstranten: „Unten war die Straße vollgestopft mit dem protestierenden Volk und oben bangte ich: Wird da etwa geschossen ...?“

In einer Stimmung zwischen Euphorie und Angst malte er, ohne Vorstudie, ohne Skizze, eben so, wie es diesem Abstrakten gegeben war: auf die leere weiße Leinwand. Das Bild übereignete er schon vor geraumer Zeit der neuen katholischen Kirche. Dort steht es leider noch immer irgendwo. Bleibt zu hoffen, dass der „Engel über der Stadt“ endlich gut sichtbar wird in St. Trinitatis. Das wäre ein schönes Zeichen für einen Künstler, der nicht vergessen werden darf.

Von Thomas Mayer

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