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Buddha bei die Fische: 4000 lachen sich mit Bülent Ceylan in der Arena Leipzig „kronk“

Arena Leipzig Buddha bei die Fische: 4000 lachen sich mit Bülent Ceylan in der Arena Leipzig „kronk“

Das war’s mit dem Abendland: Der Muezzin ruft, E-Gitarren lärmen – und was machen die 4000 Fans am Freitagabend in der Arena Leipzig: Sie jubeln auch noch. Könnte an Bülent Ceylan liegen, der der Welt jene Diagnose stellt, die sein Programm im Titel trägt: Krank sei sie, erfahren wir – oder, wie der Mannheimer sagt, „kronk“. Ein Abend mit Comedy und klaren Ansagen.

Das ist echt – „kronk“: Bülent Ceylans komödiantischer Rundumschlag.

Quelle: Foto: André Kempner

Leipzig. Oh Gott, das war’s mit dem Abendland, es ist so weit: Der Muezzin ruft, E-Gitarren lärmen – und was machen die gut 4000 Zuschauer in der Arena Leipzig: Sie jubeln auch noch. Könnte an Bülent Ceylan liegen, der in einer Sackkarre mit einer Zwangsjacke bekleidet auf die Bühne gefahren worden war, sich dieser nun erstmal entledigt und sein beeindruckendes Haar schüttelt. Dann stellt er der Welt jene Diagnose, die sein Programm im Titel trägt. Krank sei sie, erfahren wir – oder, wie der Mannheimer sagt, „kronk“. Nun brauchen wir nicht wirklich diesen sympathischen 41-Jährigen, um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, aber im Humorwesen ist der Weg das Ziel – beziehungsweise die Anamnese die Therapie. Und die funktioniert. Weil Ceylan zwar fast durchweg im Zotenrandgebiet unterwegs ist, aber immer wieder daran erinnert, was draußen vor der Tür los ist. Hier trifft Comedy auf Kabarett, hier werden die Fans da abgeholt, wo sie sind, aber eben nicht am selben Ort wieder absetzt.

„Ich hätte nie gedacht, dass mal ein Komiker US-Präsident wird“, meint Ceylan. Das ist ...“ – „kronk“, weiß das Publikum. Dagegen findet er Angela Merkel inzwischen sogar sympathisch. Das ist ...“ – genau – „kronk!“ „Erdogan?“ klar, „kronk“ – „Kein Kopfschuss. Es geht weiter“. Nochmal Glück gehabt. Als Erdogan deutsche Politiker mit Hitlervergleichen überzog, erzählt er, habe er sich das Kinnbärtchen abgenommen. „Das wollte ich Erdogan schicken“, sagt er und spielt mit den Fingern vielsagend im Oberlippenbereich. Klare Ansage: Wer andere aus Kalkül mit Nazis gleichsetzt, ist möglicherweise selbst auf dem Weg dazu, einer zu werden.

„Ich bin Monnemer, Du Luftpump“

Neulich habe ihn ein Reporter gefragt, ob er Türke oder Flüchtling sei. „Ich bin Monnemer (Mannheimer), Du Luftpump“, habe der erfahren müssen. Und außerdem sei er eigentlich blond, meint er. „Aber ich renne doch nicht mit einem Schild rum, auf dem ,Wir sind das Volk’ steht. Keine Frage, die Gesamtsituation im Land ist nach wie vor unentspannt, drum: „Herzlich willkommen, egal, woher Ihr seid“, ruft er dem Publikum zu, um dann mit einem lustvollen Minderheitenbashing zu beginnen. Fröhlich fragt er eine Landmannschaft nach der anderen ab, spürt im Publikum Albaner, Österreicher, Schweizer oder Italiener auf. Vor allem aber hat es ihm einer angetan, der fortan als „Tobi der Grieche“ zur Kultfigur des Abends wird und später zusammen mit drei Kindern auf die Bühne geholt wird. Ceylans Botschaft: „Man muss über sich selber lachen können. Da fängt Integration an.“ Eine Wahrheit, die für beide Seiten gilt.

Bülent Ceylan, der einst sein Studium der Philosophie und Politikwissenschaft zugunsten der Bühnenkarriere aufgab, ist an sich schon ein Statement, eine multikulturelle Realität und damit ein Unterhalter, der zwei Welten in sich trägt: Sein 2012 gestorbener Vater war Türke und Moslem, seine Mutter ist katholische Deutsche. „Wir schaffen das“, hätte die Deutsche irgendwann zum Türken gesagt, berichtet der Sohn. Und der wiederum hat es geschafft, das Geschenk anzunehmen, erlaubt es ihm doch ständige Perspektivwechsel auf der Bühne.

„Kraftplatz im Garten“

Da ist er einmal der Deutsche, der sich im Supermarkt über in der Mitte abgestellte Einkaufswagen aufregt – oder eben der testosterongesättigte Türke: „Wenn Du mich riechst, wirst Du schwanger.“ Da ist er auch schon in der Rolle des Hasan, des anatolischen Hengsts mit Kamm im Hosenbund. Fliegend wechselt Ceylan zum Hausmeister Mompfred, dessen Gesinnung mit „bodenständig“ noch freundlich beschrieben ist. Oder zu Anneliese im Pelz, die von Meditationsübungen und ihrem „Kraftplatz im Garten“ zu berichten weiß.

Auch Bülent Ceylan arbeitet sich an den branchenüblichen Themenkreisen ab: vegane Ernährung, esoterische Sinnsuche, panoptische Erfahrungen beim Einkaufen oder im Fitnesscenter. Das bringt sichere Lacher, wenn er etwa berichtet, wie er eine im Garten platzierte Eso-Figur wütend in den Teich wirft und das mit „Buddha bei die Fische“ kommentiert.

Doch zwischen all dem Spaß ist immer Platz für Inhalt – und fast schon rührende Appelle, seine Eltern zu ehren und für Kinder da zu sein. „Nimm ein Kind an die Hand“, singt er gegen Ende – ganz ohne ironischen Untergrund, „und lass dich von ihm führ’n.“

Fast drei Stunden inklusive Pause hat er genau das an diesem Abend gemacht, bevor er zum Abschied ruft: „Nazis raus. Kommt gut nach Haus.“

Von Jürgen Kleindienst

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