Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -7 ° heiter

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Buh-Rufe: Hartmann-Inszenierung von Clemens Meyers „Im Stein“ provoziert in Stuttgart

Buh-Rufe: Hartmann-Inszenierung von Clemens Meyers „Im Stein“ provoziert in Stuttgart

Die ersten gehen nach einer Stunde. Nach der Pause sind die Reihen im Stuttgarter Schauspielhaus deutlich gelichtet. Die Uraufführung der Bühnenfassung des preisgekrönten Rotlicht-Epos’ „Im Stein“ des Leipziger Autors Clemens Meyer provoziert und spaltet das Publikum.

Voriger Artikel
Irritation um Merkel-Bild: Staatsschutz ermittelte gegen Leipziger HGB-Studenten
Nächster Artikel
Herz, Haut und Hirn - Als Privatdetektiv Dengler ermittelt Ronald Zehrfeld mit viel Tempo

Die Bühnenfassung des preisgekrönten Rotlicht-Epos’ „Im Stein“ des Leipziger Autors Clemens Meyer wurde in Stuttgart uraufgeführt.

Quelle: Ilja DuronSchauspiel Stuttgartdpa

Stuttgart. Am Ende des weit ausholenden, streckenweise brutalen Stücks stellt sich der Autor am Samstagabend gegen Buh-Rufe, stürmt auf die Bühne und umarmt demonstrativ Regisseur Sebastian Hartmann, den früheren Intendanten des Centraltheaters Leipzig. Die Zuschauer, die dann noch bleiben, feiern die beiden und das Ensemble dann doch ausgiebig. 

„Im Stein“ ist eine tiefdunkle Reise in die Schattenwelt einer Großstadt im Osten Deutschlands. Nach der Wende boomt das Geschäft mit dem Sex. Es geht um Markt und Moral in einem gigantischen Wirtschaftszweig, um Aufstieg und Fall der Könige der Nacht. Um kaputte und aalglatte Unternehmer, um Alkohol, Drogen, Menschenwürde. Brutal, hundsgemein, teils surreal und erschütternd präzise wird das Geschäft mit der Prostitution beschrieben. Zu brutal? Zu grausam? Erinnerungen werden wach an den Skandal um das frühere Minderjährigen-Bordell in Leipzig und den sogenannten Sachsensumpf. „Aufschwung Ost auf die brutale Tour“, schrieb der „Spiegel“ zu Meyers Roman.

Meyer hat für sein 550 Seiten dickes Werk mehrere Auszeichnungen eingeheimst, darunter der Preis der Leipziger Buchmesse. „Im Stein“ stand auch auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis. Er wolle keine Bebilderung seines Romans auf der Bühne sehen, hat Meyer gesagt. Vielmehr wolle er „den Geist“ erkennen können. Den hat Hartmann aus seiner Sicht offenbar aus dem „Stein“ gemeißelt: Meyer springt am Ende auf die Bühne, umarmt Hartmann und reckt wieder und wieder den Gefällt-mir-Daumen in die Höhe.

„Literatur muss wehtun. Sonst ist es doch nichts wert“, hat Meyer mal gesagt. „Dafür kann ich auch ins Kino gehen“, sagt eine ältere Zuschauerin, die zur Pause ihre Sachen packt. In der Tat fühlt man sich fast die kompletten gut dreieinhalb Stunden wie in einem Kino. Die Handlung wird per Video auf einen riesigen, sich drehenden Quader projiziert. Gespielt ist aber nahezu alles live - allerdings auf engstem Raum im Quader. Im Stein, aus dem das Entkommen so verflucht schwer ist. Erst nach und nach wird das dem Zuschauer klar.   

An den Darstellern liegt es sicher nicht, dass der Unmut des traditionell liberalen und aufgeschlossenen Stuttgarter Theaterpublikums an diesem Abend ungewöhnlich deutlich ist. Manolo Bertling, Manja Kuhl, Horst Kotterba oder Holger Stockhaus spielen makellos, vor allem, wenn man dann weiß, dass eben doch alles live und nicht zusammengeschnitten ist. Tiefgehende und packende Monologe von Prostituierten über ihre Träume und Fantasien sind dabei. „Will nie wieder liegen. Will nie wieder unten sein“, sagt eine. Manches Mal fühlt sich der Betrachter auch in einer Endlosschleife gefangen.

lvz

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Schauspiel Leipzig
    Mikrologo Schauspiel Leipzig

    Theater in Leipzig: Höhepunkte, Premieren, Spielplan und Angebote der Spielzeit 2016/2017 im Schauspiel Leipzig mehr

  • Dreamhack Leipzig

    Auf der Dremhack 2017 treten die besten Computerspieler gegeneinander an. mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Great Barrier Reef" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Great Barrier Reef im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

Blättern Sie hier durch die aktuelle Veranstaltungsbeilage "Applaus" und finden Sie Konzerte, Shows, Ausstellungen, Sport-Events und mehr in Leipzig und Umgebung. mehr

Erfahren Sie mehr auf www.leipziger-museen.de

Leipzig gilt als der Geburtsort der modernen Psychologie. Wie früher und heute im Geist geforscht wurde ist vom 14. September bis zum 16. Dezember 2016 in der Ausstellung "Psychologie in Leipzig - Geburt einer Wissenschaft" zu sehen. Besucher können sowohl Beobachter als auch Versuchsperson sein. Unsere Schau des Monats November! mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Onlineabo

    "LVZ-Online Extra" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kö... mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • So war das damals...
    So war das damals...

    Dies ist ein Geschichtenbuch der besonderen Art: Leserinnen und Leser der Leipziger Volkszeitung erzählen Erlebnisse aus ihrer Kindheit und Jugend,... mehr