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Bullys „Karneval der Tiere“

Gastkonzert im Gewandhaus Bullys „Karneval der Tiere“

Michael Bully Herbig hat am Samstagabend im Gewandhaus gemeinsam mit der Russischen Kammerphilharmonie St. Petersburg und dem Klavierduo Stegmann Camille Saint-Saëns“ Karneval der Tiere präsentiert.

Michael Bully Herbig im Gewandhaus
 

Quelle: Kempner

Leipzig.  Die Vorband, Juri Gilbos Kammerphilharmonie aus St. Petersburg, lässt nichts aus: Sie sind alle dabei, die üblichen Verdächtigen, wenn es um musikalische Erkundungen des Tierreichs geht, von der fliegenden Hummel bis zur diebischen Elster, vom Kuckuck bis zum Tanz der kleinen Schwäne. Die Russen spielen das trotz zum Teil hanebüchener Spar-Arrangements mit sinnlichem Spaß, Gilbo moderiert charmant und selbstironisch. Schön ist das, nett und kurzweilig. Aber in keinem Augenblick entsteht der Eindruck, dies hier, die Musik nämlich, sei das Wesentliche.

Das Wesentliche komme erst nach der Pause, trägt tadellosen schwarzen Anzug, und ebensolche Krawatte über weißem Hemd und hat bereits mit dem ersten Heben der linken Augenbraue den anständig besuchten großen Saal des Gewandhauses bis auf den letzten Platz im Griff: Michael Bully Herbig ist die Hauptattraktion des Abends. Es geht um seinen „Karneval der Tiere“ – nicht etwa um den von Camille Saint-Saëns.

Den gibt es natürlich auch, die wunderbare zoologische Fantasie für im konkreten Falle zwei Klaviere, Streicher, Flöte, Klarinette, Schlagzeug. Und die musizieren die Petersburger, vor allem aber das pianistische Zwillingspärchen Karoline und Friederike Stegmann meist blitzsauber, mit Charme, Witz und Liebe zum Detail wie zur Karikatur. Die Wildesel huschen ausgelassen über die 176 Tasten, das Cello singt den Schwan ganz bezaubernd, durchs Aquarium schwirren die Fische, im Vogelhaus flirren die Vögel. Alles fein, alles prima.

Aber alles nicht einmal die halbe Miete. Denn Michael Bully Herbig, der da mit 100 Stimmen und 1000 Grimassen seinen eigenen Text vorträgt, keinen tierischen Kalauer, kein Wortspiel, keinen Witz ungenutzt am Wegesrand liegen lässt, ist in dieser Funktion ein Naturereignis. Bisweilen ganz eng an der Musik, dann wieder Lichtjahre weit von ihr entfernt, macht Bully aus dem „Karneval der Tiere“ ein so geistreiches und anarchisches Entertainment für die ganze Familie, wie es seit Peter Ustinov niemand mehr hinbekommen hat. Ganz großes Unterhaltungs-Kino.

Danach ist der saukomische Abend noch längst nicht vorbei. Denn im ausgedehnten Zugabenblock dreht diese begnadete Rampensau noch weiter auf. Auf den Spuren des großen Jerry Lewis’ an der Solo-Schreibmaschine in Leroy Andersons „Typewrighter“, als singender Potpourri-Rateshowmaster, als unfassbar liebenswerter Dampfplauderer – als Bully Herbig eben, als Gesamtkunstwerk der Unterhaltung über alle sozialen und Altersschranken hinweg. Jubel über Jubel über Jubel – für einen Entertainer, der sich ebenfalls sichtlich wohl fühlt, weil er hier am allerbesten ist: auf der Bühne.

Von Peter Korfmacher

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