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Chailly-Nachfolge: Andris Nelsons wird Gewandhaus-Kapellmeister in Leipzig

Weltklasse-Coup Chailly-Nachfolge: Andris Nelsons wird Gewandhaus-Kapellmeister in Leipzig

Jetzt steht es fest. Der 36-jährige Lette Andris Nelsons tritt die Chailly-Nachfolge an und wird 21. Gewandhaus-Kapellmeister. Die LVZ hat mit ihm gesprochen.

Dirigent Andris Nelsons wird neuer Gewandhaus-Kapellmeister.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Die Entscheidung ist gefallen. Der 36-jährige Dirigent Andris Nelsons wird 21. Gewandhauskapellmeister. Er tritt in Leipzig die Nachfolge von Riccardo Chailly an. Gleichzeitig steht er weiter beim Boston Symphony Orchestra unter Vertrag. Mit dem Coup sind auch Spekulationen passé, dass Nelsons Kollege Alan Gilbert von den New Yorker Philharmonikern nach Leipzig kommen könnte.

Das Gewandhausorchester sollte am Mittwoch in einer Vollversammlung von der Zusage des erst 36-jährigen Dirigenten Nelsons erfahren, der bereits auf allen großen Bühnen der Welt zu Gast war. Er wird seine Amtszeit mit einem Antrittskonzert zum Start der Saison 2017/2018 beginnen. Bereits in der Spielzeit 2016/2017 wird der Lette in Leipzig dirigieren.

Andris Nelsons wird neuer Gewandhaus-Kapellmeister. Fotos: André Kempner

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Das Engagement von Andris Nelsons als jüngster Gewandhauskapellmeister der letzten einhundertfünfzig Jahre würde einmal mehr unterstreichen, dass beim Gewandhausorchester die Zukunft Tradition hat, hieß es auf der Versammlung am Mittwoch.

Auch Oberbürgermeister Burkhard Jung lobte den künstlerischen Neuzugang: „Ich freue mich sehr, dass sich das Gewandhausorchester Andris Nelsons als neuen Gewandhauskapellmeister gewünscht hat und er die Einladung mit Freude annimmt." Der OBM erklärte, der Lette sei eine Persönlichkeit, die dieses Amt ohne Frage hervorragend ausfüllen wird. "Unser international gefeiertes Gewandhausorchester wird mit Andris Nelsons weiter die Strahlkraft der letzten Jahre entfalten.“ Die offizielle Berufung findet durch den Stadtrat statt.

UPDATE

Das Gewandhaus teilt am Mittwoch mit: "Neuere Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass Ferdinand David 1841/1842 sowie 1852-1854 das Amt des Gewandhauskapellmeisters inne hatte. Somit ist Riccardo Chailly der 20. Gewandhaus-kapellmeister und der Neue wird der 21. Gewandhauskapellmeister in der über 270-jährigen Geschichte des Gewandhausorchesters. Wir wollten während der Amtszeit von Riccardo Chailly die Zählung nicht umstellen, sondern mit der korrekten Zählung beginnen, wenn das Amt neu besetzt wird."

Mit dem Engagement gelingt es dem Gewandhausorchester nach dem von langer Hand bereits ab 2001 eingestielten Chailly-Coup zum zweiten Male in Folge, einen der interessantesten Dirigenten aus dem internationalen Markt zu angeln. Denn beinahe immer, wenn in den vergangenen Monaten und Jahren irgendwo eine Top-Stelle vakant wurde, war der Lette im Gespräch. Andris Nelsons ist ein grandioser Musiker, glutvoll, sinnlich, eigenwillig, bisweilen unkonventionell. Kein strenger Zuchtmeister wie der reife Chailly der letzten Jahre, sondern eher wie der junge: ein inspirierender Feuerkopf.

Im Exklusiv-Interview mit der Leipziger Volkszeitung (Donnerstag-Ausgabe) verglich Nelsons die Verbindung zu seinen Orchestern mit familiären Bindungen. „Ich habe drei Familien“, sagte er im Gespräch mit der LVZ. Neben der wichtigsten, seiner persönlichen, gebe es die Klangkörper in Boston und Leipzig.

Mit der Musik als verbindendes Element sei das doppelte Engagement dies- und jenseits des großen Teichs kein Problem. Im Gegenteil: Nelsons schwebt eine enge Zusammenarbeit der beiden traditionsreichen Orchester vor. So könnten Leipziger Dirigierstudenten auch in Boston arbeiten und umgekehrt, selbst einen zeitweisen Austausch von Musikern schließt Nelsons nicht aus. „Das alles ist eine große Herausforderung – und eine riesen Chance“, sagte er.

Mit Nelsons Position als Gewandhauskapellmeister in Leipzig schließt sich außerdem ein Kreis, denn ohne Leipzig sähe das Musikleben der Ostküsten-Metropole Boston heute anders aus. Das Konzerthaus der Stadt wurde nach dem zweiten Gewandhaus modelliert, die maßgeblichen Musiker erhielten ihre Ausbildung am von Felix Mendelssohn-Bartholdy gegründeten Konservatorium. Darin liegt auch das Potenzial für zukünftige Projekte quer über den großen Teich.

Zum Werdegang Andris Nelsons:
Der in Riga geborene Spross einer Musikerfamilie ist erst 36 Jahre alt - und er begann seine Karriere an der Lettischen Nationaloper als Trompeter, nicht als Dirigent.

Aber bald schon fühlte er sich zum Pult hingezogen, studierte in Riga und Sankt Petersburg, nahm Unterricht bei Neeme Järvi, dem Vater des aus Estland stammenden MDR-Chefdirigenten Kristjan Järvi, beim Finnen Jorma Panula, schließlich bei seinem Landsmann Mariss Jansons. Und dann ging es Schlag auf Schlag: als 24-Jähriger wird er Chefdirigent der Lettischen Nationaloper in Riga, von 2006 bis 2009 ist er Chefdirigent der Nordwestdeutschen Philharmonie in Herford, 2008 bis 2014 Chefdirigent und Musikdirektor des City of Birmingham Symphony Orchestra.

2010 debütiert er mit dem Neuenfels-Lohengrin in Bayreuth, wohin er 2016 mit einem neuen Parsifal zurückkehrt. Er gastiert auf allen großen Bühnen und in den wichtigen Gräben: in Berlin und Wien, in Leipzig und Dresden, in Amsterdam und Paris, in New York und London. Ab der Spielzeit 2014/2015 wird er, zunächst für fünf Jahre, nun bis 2022 verlängert, Chefdirigent des Boston Symphony Orchestra.

Der US-Klangkörper spielt praktisch seit seiner Gründung 1881 an der Spitze mit. Unter seinen Chefs finden sich nicht nur große Namen wie Pierre Monteux (1919-1924), Charles Münch (1949-1962), Erich Leinsdorf (1962-1969), Seiji Ozawa (1973-2001) und James Levine (2004-2011), sondern von 1889 bis 1893 auch Arthur Nikisch, der 1878 bis 1889 Erster Kapellmeister des Leipziger Stadttheaters war und von 1895 bis zu seinem Tod 1922 Gewandhauskapellmeister - überdies Chefdirigent der Berliner Philharmoniker.

Gewandhaus zu Leipzig 51.337821 12.38041
Gewandhaus zu Leipzig
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