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Chlorhuhn in der Prärie: Wunderbare „Gans ganz anders“ auf dem Leuschner-Platz

Dinnershow des Krystallpalast-Varietés Chlorhuhn in der Prärie: Wunderbare „Gans ganz anders“ auf dem Leuschner-Platz

Hochkarätige Artisten, ein Vier-Gänge-Menü und Volker Insels Spiel auf mehreren Handlungsebenen: Am Donnerstag hat das Krystallpalast-Varieté zum 14. Mal mit der Dinnershow „Gans ganz anders“ Premiere gefeiert. Die Revue im Spiegelpalast auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz erzählt dieses Jahr „Von Rothäuten und Bleichgesichtern“.

Vorsicht, steifer Nacken: Luftakrobaten-Duo E-Motion.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Egal, ob Winnie Puuh oder Winnetou, wie er abwechselnd genannt wird, zum Stellenprofil des edlen Wilden gehört: Weisheit. „Das Stück Seife, das du nicht halten kannst, das wäscht auch den Fuß dir nicht“, spricht er und schafft es nebenbei erfindungsreich, Gemütlichkeit zu zaubern. Taschentuch übers Lämpchen gespannt, fertig ist das Lagerfeuer, an dem er mit Old Shatterhand sitzt. Der hat allerdings keinen Schimmer, was ihm sein Blutsbruder gerade sagen will. Einem Zuschauer drückt der Indianer ein Lampion in die Hand. Samt überlangem Laternenstab, auf dass am Horizont der Mond scheine.

Es versteht sich von selbst, dass sich das Publikum nicht völlig raushalten kann. Ist es doch ein charmantes Charakteristikum von Leipzigs dienstältester Dinnershow „Gans ganz anders“, deren 14. Ausgabe am Donnerstag Premiere gefeiert hat, dass hier irgendwie alle alles machen. Selbstverständlich helfen die Darsteller dem Service-Personal, wenn’s vier Mal pro Abend 300 hungrige Mäuler zu stopfen gilt. Und natürlich assistiert der vermeintliche Koch „Lord Stone“ dem Artisten-Duo E-Motion, wenn es aus schwindelerregender Höhe herabsteigt.

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Hochkarätige Artisten, ein Vier-Gänge-Menü und Volker Insels Spiel auf mehreren Handlungsebenen: Am Donnerstag hat das Krystallpalast-Varieté im Spiegelpalast zum 14. Mal mit der Dinnershow „Gans ganz anders“ Premiere gefeiert.

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Auch die Handlungsebenen wirbelt Regisseur Volker Insel gern amüsant durcheinander, dafür ist er bekannt. Old Shatterhand war eben noch Marshall Dillon, wobei es sich jedoch eigentlich um den verwirrten Herbert von Cremefeld handelt, den Armin Zarbock wie stets wunderbar lamentierend spielt. Um den Leiter des Restaurants „Zur Goldenen Gans“ also, der mit Gattin Anna Karenina alias Saloon-Wirtin Kitty (Simone Cohn-Vossen), Piccolo Machmut Schmidt alias Winnetou/Winnie Puuh (Raschid D. Sidgi), dem Candygirl (Jasmin Shaudeen) und Lord Stone (Matthias Stein) dieses Jahr „Von Rothäuten und Bleichgesichtern“ erzählt. Selbst die Figuren wissen übrigens selten, wer sie gerade sind.

Einfacher zu merken ist, wo sie sich befinden. Nach Kongresshalle und Burgplatz hat das Krystallpalast-Varieté den schummrig-schönen Spiegelpalast, in dem sich das Spektakel stets einnistet, erstmals auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz aufgebaut. Und während Varieté-Chef Rüdiger Pusch vor Show-Beginn noch seine Freude über den innerstädtischen Standort ausdrückt, nuanciert von Cremefeld, Puschs fiktives Pendant, die Neuerung etwas anders: Des Themas wegen sei man „extra in die Einöde der Prärie“ gezogen, um hier eine Zeltstadt zu errichten. An einen „zentralen Umsteigeplatz“ immerhin (einen Knotenpunkt der Leipziger Verkehrsbetriebe).

Ein Pferd namens Tomtom

Bis zum Jahreswechsel werden hier fast allabendlich drei Stunden lang in vier Gängen Wildkräutersalat, Steinpilz-Suppe, Gänsekeule, zweierlei Brownie und etliches mehr gereicht, äußerst schmackhaft das alles übrigens. Für die Verdauungspausen haben Insel und Kollegen eine Wildwestgeschichte ersonnen, die glücklicherweise weder Klischees noch Kalauer scheut. Dialoge aus dem „Schuh des Manitu“ finden ebenso eine Zweitverwertung wie die Prügelszenen der Spaghetti-Western. Bud Spencer und Terence Hill haben das nicht besser hinbekommen. Und finden Insels Helden mal nicht ihren Weg, liegt es an einem Pferd, das heißt wie ein Navigationsgerät: Tomtom.

Im Zusammenspiel mit sechs artistischen Hochkarätern ergibt das einen so unterhaltsamen wie kurzweiligen Abend. Lasso- und Peitschenschwinger AJ Silver bringt nicht nur Miss Kittys Blut in Wallung. Er fördert auch bei Zuschauern auf bühnennahen Plätzen die Adrenalin-Produktion. Beim spektakulären Luftakrobaten-Duo E-Motion – Elisa und Andrew Scordilis haben sich hier 2002 kennengelernt und sind längst nicht mehr nur auf der Bühne ein Paar – fürchtet man durchweg um die körperliche Unversehrtheit der beiden. Glaskugel-Jongleur Albert Tröbinger erschafft bewegende Bilder, die schlicht nicht nachvollziehbar sind.

Besen-Jongleur Robert James Webber gelingt weit mehr, als nur den Dreck aus dem Saloon zu fegen. Der komödiantische Zauberer Raymond Raymondson scheitert so hinreißend gestenreich an seinen Tricks, dass die Überraschung umso größer gerät, als ihm kurz vor Schluss doch ein paar Illusionen gelingen. Und der Eindruck, dass Tyrone Laner mit seiner Narbe überm Auge gefährlich ausschaut, wird nicht unbedingt abgemildert, als er seine Messer auf die Tango-Tänzerin Guillermina Pagliero wirft.

Was Johnny Cash und Gitte Haenning gemein haben

Michael Hinzes Band, die mal unter Cartwright-Brüder, mal unter Waltons, dann unter Daltons firmiert, bedient sich in raffinierten Medleys bei Cowboy-Hits von den Ärzten, Gitte Haenning, Johnny Cash und Bob Marley. Drei „Red Hot Chilli Chicken“ tanzen dazu. Mit ihrem Gesangs überzeugt vor allem „Candygirl“ Jasmin Shaudeen.

Die Hierarchien sind sympathischerweise flach. So wie Cremefeld den neuen Standort ironisiert, macht Matthias Stein ja bereits seit der ersten Dinner-Revue das Menü madig. Zwar schmecke Topinambur-Mus nach nichts, führt er dieses Jahr aus, „es klingt aber gut“. Eine Strudelteigpastete sei lediglich „eine ganz weich gekochte Spirelli“, die Gans in Wirklichkeit „original amerikanisches Chlorhuhn“ und die Brownies bestünden dem Anlass entsprechend aus dicken Bohnen und Speck. Ein neckischer Umgangston setzt sich wohltuend entspannt an den Tischen fort, wenn Darsteller und Kellner mit den Gästen palavern.

„Den Wolf, den du nicht fangen kannst, den lade ein zum Mahl“, erklärt Winnetou/Winnie Puuh seinem Blutsbruder bald, wie er das mit der klitschigen Seife und dem schmutzigen Fuß gemeint hat. Nur einer von vielen möglichen Gründen für diese ganz andere Gans.

„Gans ganz anders“ im Spiegelpalast auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz: bis 31. Dezember dienstags bis samstags, 20 Uhr, sonntags, 18 Uhr, Pause von 22. bis 24. Dezember, Karten von 90 bis 99 Euro: 0341 140660 (Silvester 159 Euro); www.gans-ganz-anders.de

Von Mathias Wöbking

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