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Chris de Burgh vor 1000 Fans in Leipzig

Konzert im Haus Auensee Chris de Burgh vor 1000 Fans in Leipzig

Er packt nicht nur Liebeslieder, sondern auch politisch-gesellschaftliche Inhalte in eingängige Melodien: Chris de Burgh, mittlerweile 68, tourt gerade durch Deutschland. Am Mittwoch gastierte er vor 1000 Fans im Haus Auensee.

Sympathisch-zurückhaltender Künstler: Chris de Burgh in Leipzig.
 

Quelle: Andre Kempner

Leipzig. Die Hoffnung ist 41 Jahre alt. 1976 erfand Chris de Burgh die Geschichte eines Außerirdischen und dazu eine Melodie, die schlichter kaum sein kann und doch tief die Seelenporen durchdringt. „A Spaceman Came Travelling“, die Aussicht darauf, dass um das Jahr 2000 herum ein neuer Weltenretter geboren würde, schaffte es nie bis in die deutschen Charts, und doch lieben die Fans des Iren dieses Stück. Verdammt früh taucht es auf der Setlist der aktuellen Tournee auf, zu der am Mittwoch das Leipziger Haus Auensee gehörte.

Einerseits ein bisschen schade, andererseits sind die Zugaben eh okkupiert von den besonders großen Hits des kleinen Mannes, der im Herbst 69 Jahre alt wird. Die rund 1000 sitzenden Zuschauer begrüßt er so, wie man es von ihm gewohnt ist. Unprätentiös und bescheiden winkt er in die Menge, fast schüchtern, macht nicht viel Aufhebens und legt mit zwei Songs des jüngsten Albums los. Das rockige „Bethlehem“ und „Chain Of Command“ stehen für den inhaltlichen Schwerpunkt der Platte, deren Titel „A Better World“ wie ein naiv-realitätsferner Traum klingt und doch scheinbar unbeirrt das Prinzip Hoffnung füttert. Lieder um Krieg (das Flüchtlingsthema in „Homeland“), um Liebe, Verlust, Abschied, und doch letztlich auch um den Sieg über allen Schmerz. Kaum einer bringt es so widerspruchslos fertig wie Chris de Burgh, Texte politisch-gesellschaftlichen Inhalts in eine derart flauschige Schmusedecke aus Konsens-Harmonien zu wickeln. Zweifellos steckt da eine klare, menschenfreundliche Haltung.

Natürlich kann der nette Onkel von der Insel auch einschränkungslosen Kuschelkitsch: „Lady In Red“ steht als bekanntestes Beispiel dafür, und unzufälligerweise tragen in der Konzerthalle einige Damen Ganzkörperrot. Ein paar Köpfe werden’s zusätzlich, als der Barde den besagten Titel komplett zwischen den Zuschauern verbringt, sich durch die Reihen singt und alle aufstehen, um die berühmten 1,68 Meter nicht zu verpassen.

Viele erheben sich schon beim vierten Titel, „Missing You“, und klatschen verzückt. Als Ordner in Pflichterfüllung der Sicherheitsanweisungen alle zurück auf die Plätze bitten, erhebt der Star da oben Einspruch: „Steht ruhig auf, wenn ihr möchtet.“ Alles ganz schön und liebenswert soweit, allerdings fehlt de Burgh lange Zeit die Emphase, der Drive, der Druck, der zum Beispiel in „Ship To Shore“ steckt. Zumal die Akustik-Parts mit und ohne Band zusätzlich eine leicht träge machende Besinnlichkeit produzieren. Das ändert sich bei der Verkündung der „Revolution“ – ein Song und ein Stichwort, bei dem es in Leipzig, der Stadt des 89er Umsturzes, ganz besonders kribbelt und der beim Übergang in „Light A Fire“ ein erstes Signal gibt, dass hier noch eine schmissige Party gefeiert werden könnte. Der zweite Impuls kommt erst im letzten Abschnitt, zuvor verläuft die Fahrt auf der Konzertstrecke meist mit Tempo 30.

Der wohl stärkste und berührendste Moment des Abends liegt an der Reaktion auf eine Textzeile von „Borderline“, diesem tief gefühligen, wunderschönen Song, den de Burgh 1989 auf der Westberliner Waldbühne spielte, in dem es um Krieg, das Aufheben von Grenzen und Freiheit geht. „Und niemals“, so singt der Ire, „werde ich verstehen, wie der Mensch Weisheit in einem Krieg sehen kann“. Da brandet ein langer, langer Applaus auf, der Gänsehaut auf die Arme treibt. Das ist er, der schöne Burgh-Frieden, der tatsächlich begrenzt ist – auf diesen Saal, auf diese gut zweieinhalb Stunden, auf diesen sympathischen Kerl, dem man blind die größten Geheimnisse oder seine Mastercard anvertrauen würde.

29 Titel – und trotzdem angesichts der Hit-Fülle einer langen Karriere nicht komplett zufriedenstellend. „Patricia The Stripper“ hätte früher Schwung in den Laden gebracht, auch „The Getaway“, auch der grandiose, fast monumentale „Crusader“, auch das zynische Spiel zwischen Teufel und Gott um menschliche Seelen („Spanish Train“). So dauert es bis zum Finale, bis durchgängig Tanztemperatur geschaffen wird. Das Cover von Totos „Africa“, „The Spirit Of Man“. Natürlich die Uptempo-Warnung, den Fährmann erst nach der Überfahrt zu entlohnen – und „High On Emotion“, bei dem die regelrecht tosende Stimmung dem Titel gerecht wird.

In der Zugabe steckt noch einmal eine Botschaft. „Go Where Your Heart Believes“ klingt wie die Vertonung von Susanna Tamaros Buch „Geh, wohin dein Herz dich trägt.“ Kitschig, na klar – na und? Wenn er könnte, würde er sie herbeisingen, eine bessere Welt. Und apropos, was ist nun eigentlich mit diesem „Spaceman“, dem von Mister de Burgh angekündigten Heiland der Gegenwart? Laut Lyrics kam der Typ irgendwo vor 17 Jahren auf die Welt. Könnte sich langsam mal blicken lassen.

Chris de Burgh spielt Freitag (19.5.) in Halle (Händel-Halle, 20 Uhr, Karten noch an der Abendkasse), am 30. Juni in Dresden (Freilichtbühne Großer Garten ) und am 1. Juli in Görlitz (Kulturbrauerei). Karten für diese beiden Termine unter www.lvz-ticket.de, Telefon 0800 2181050 (gebührenfrei).

Von Mark Daniel

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