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Clemens Flämig dirigiert Motette

Zweiter Kandidat fürs Thomas-Kantorat Clemens Flämig dirigiert Motette

In der Leipziger Thomaskirche hat Clemens Flämig zum Abschluss seiner Probenwoche mit den Thomanern seine Motette dirigiert. Er ist der zweite von vier eingeladenen Bewerbern um das Amt des Thomaskantors.

Clemens Flämig
 

Quelle: Kempner

Leipzig.  In der gut gefüllten Thomaskirche hat am Freitag der zweite Kandidat für das Amt des Thomaskantors in der Nachfolge des vor einem Jahr aus gesundheitlichen Gründen zurückgetretenen Georg Christoph Billers seinen Hut in den Ring geworfen: Clemens Flämig aus Dresden, 39, einst Crucianer und seit 2014 Leiter des Stadtsingechors in Halle.

In seiner Motette fällt auf, das er seine Probenwoche trotz identischer Vorgaben zum Erarbeiten eines völlig anders gearteten Programms genutzt hat als sein Mitbewerber Markus Teutschbein im November: Stellte der mit Teilen aus der Motette „Jesu, meine Freude“ und „Ave Maris Stella“ des 1962 geborenen Schweden Frederik Sixten in dem Mittelpunkt, gruppiert nun Flämig ein insgesamt sehr viel kleinteiliger konzipiertes Programm um eine Bach-freie Zone. Haßler und Schein klingen aus der Zeit vor dem größten aller Thomaskantoren hinüber, Mendelssohn, Reger und Weyrauch stehen für die danach, ebenso ein weiterer Sixten: das „Alleluia“ für vier- bis sechsstimmigen Chor von 2014.

Das zeugt auch bei Flämig von einer erstaunlichen Vorstellung von neuen Musik. Aber er nutzt die Wohlfühl-Moderne des Schweden, um den grandios vorbereiteten Thomanerchor mit weiten wie kraftvollen Linien prunken zu lassen und mit fein ausgehörten Harmonien an den Rändern der Tonalität.

Ganz natürlich klingt das, vertraut und unverkünstelt. Und hier liegt der wohl entscheidende Unterschied zu Teutschbein: Wo der ausgiebig ziselierte und manövrierte, alles in diese Stunde zu packen versuchte, was sein technisch wasserdichter Schlag hergibt, vertraut Flämig mit deutlich weniger dirigentischem Aufwand den Kompositionen, dem Klang – und den Thomanern. Und sich. Dieser Musiker hat den Mut, auch mal einen Akkord im Raum stehen zu lassen, selbst auf die Gefahr hin, dass an seinem Schluss die kollektiven Atemreserven aufgebraucht sind.

Diese Musizierhaltung lässt die Sätze Mendelssohns und Regers unmittelbar zur Seele sprechen, weil die großen dynamischen Spannungsbögen den natürlichen emotionalen Rhythmus dieser romantischen Sätze aufgreifen. Das funktioniert auf der Wirkungsebene auch bei den alten Sätzen, die Flämig nicht in den hintersten Winkeln vertracker Polyphonie ausgesucht hat. Allerdings klingen die, und das ist die Kehrseite der Medaille, im Prinzip auch nicht anders.

Auf einen technischen Könner im Bewerberfeld folgte mithin ein musikalischer. Und es bleibt weiter spannend: In zwei Wochen präsentiert sich Johannes Langer und im April Matthias Jung.

Heute, Samstag, 15 Uhr, muss Flämig zeigen, dass er auch mit Bach und Gewandhausorchester umzugehen weiß. Überdies dirigiert er am Sonntag im Goesdienst (9.30 Uhr)

Von Peter Korfmacher

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