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Collegium Musicum: Freiburger Barockorchester in der Leipziger Nikolaikirche

Collegium Musicum: Freiburger Barockorchester in der Leipziger Nikolaikirche

In der gestopft vollen Nikolaikirche präsentierte das Freiburger Barockorchester, Ensemble in Residence, beim Bachfest 2013 am Samstagabend Werke aus dem Umfeld der Leipziger Collegia Musica.

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Das Freiburger Barockorchester während des Bachfestes 2013 in der Leipziger Nikolaikirche.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Die Festsäle der Caféhäuser, auch deren Gärten, in denen Georg Philipp Telemann, Johann Sebastain Bach und andere in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts das weltliche Musikleben Leipzigs prägten, fassten maximal 200 Besucher. In die Niklaikirche passen gut und gerne zehn Mal so viele. Und das ist das zentrale Problem des Bachfestkonzertes, mit dem das Freiburger Barockorchester die Serie seiner Aufführungen zum Bachfest 2013 beginnt: Das Ensemble in Residence hat seine liebe Not, den Raum akustisch zu füllen. Jedenfalls immer dann, wenn es um jene feinsten Nuancen der Klangbalance geht, für die die Südwestdeutschen seit ihrer Gründung vor zwei Jahren völlig zu Recht weltweit gerühmt wurden.

Etwa in Johann Sebastian Bachs d-moll-Konzert (BWV 1052) für Cembalo, Streicher und Basso Continuo, bei dem der wunderbare Andreas Staier am Soloinstrument Platz nimmt. Da muss das mit fünf ersten Violinen vergleichsweise stark besetzte Orchester um Konzertmeisterin Petra Müllejans sich schon sehr zurücknehmen, will es den Solisten nicht zudecken, sollen die herrlich subtile Phrasierung, das virtuose Perlen seines Spiels in den Außensätzen, der entrückt stockende Gesang des herrlich freien und doch keineswegs beliebigen Adagio zu leuchten beginnen. Was dann zu Lasten der orchestralen Detailfülle geht.

Immerhin ist atemlose Stille im riesigen Kirchenraum die Folge der akustischen Unangemessenheit, die zu ungeteilter Konzentration zwingt. Und bei den überigen Werken des Abends werden die Probleme mit dem Raum auch weitaus weniger deutlich. In Georg Friedrich Händels concerto grosso OPus 3/2 für zwei Oboen, Streicher und Basso conitnuo beispielsweise liegt das an der schlichteren Struktur. Der Kollege aus Halle geht viel ökonomischer mit seinem Material um als der Leipziger Thomaskantor, setzt auf die Leuchtkraft der einzelnen Linie, auf äußerste Fasslichkeit, auf Wirkung. Und die daraus sich ergebenden Spielräume nutzen die Freiburger, um ihren seidigen Ensembleklang differenziert auszuspielen. Vorn umschlingen sich die Linien der fabelhaften Oboistinnen Katharina Arfken und Maike Bhrow, dahinter feuert Petra Müllejans ihr Orchester zu betörender Sinnlichkeit an.

In Georg Philipp Telemanns Es-Dur-Konzert für Traversflöte,Oboe d'amore und Viola d'amore steht ihr Kollege Christian von der Goltz an der Liebesbratsche und umspielt zärtlich die Stimmen von Karl Kaiser an der Flöte und Katharina Arfken an der Oboe. Charmant ist diese Musik, geistreich, klanglich beeindruckend vielgestaltig. Telemann scheut den Effekt nicht, kalkuliert gekonnt auf die Eigenheiten seiner Instrumente und so entfaltet sich der Reiz seiner noch immer allzu oft unterschätzten Instrumentalmusik auch hier: Die Freiburger nutzen die überreichen Entfaltungsmöglichkeiten, die der Magdeburger ihnen bietet, um ihren im Laufe eines Vierteljahrhunderts gereiften, elegant federnden Eigenklang in spielerischer Sinnlichkeit zu entfalten.

Am Scluss des Abends steht Bachs D-Dur-Konzert für drei Violinen, Streicher und Basso continuo, eine Rekonstruktion nach dem C-Dur-Konzert für drei Cembali, Streicher und Basso continuo. Und hier entwickeln vorne die Solisten Von der Goltz, Müllejans und Beatrix Hülsemann so viel virtuose Kraft, dass hinter ihnen auch die Tutti-Kollegen jede Zurückhaltung ablegen können.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.06.2013

Peter Korfmacher

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