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"Comedy mit Karsten": Erste Folgen der MDR-Show mit Leipziger Slam-Poeten gedreht

"Comedy mit Karsten": Erste Folgen der MDR-Show mit Leipziger Slam-Poeten gedreht

Im deutschen Fernsehen wird nicht immer die Wahrheit gesagt. Auch nicht im MDR bei der Aufzeichnung der ersten Sendungen von "Comedy mit Karsten" am Montagabend im gut gefüllten Neuen Schauspiel Leipzig.

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Julius Fischer und Christian Meyer (rotes Jacket) starten ihre Comedy-Show im Neuen Schauspiel, live übertragen in die Theaterkneipe - nicht live bald im MDR.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Wie es bisher war, wollen die Moderatoren Julius Fischer und Christian Meyer von ihrem Gast Knacki Deuser kurz vor Schluss wissen. Gut, sagt der Comedian, mit etwas Luft nach oben. Was das bedeutet auf einer Skala von Eins bis Zehn? Deuser: "Eine Zwei."

Natürlich ist das Quatsch mit der Zwei. Es sei denn, man verkürzt die Skale auf irgendetwas um 2,5. Nach der Show nimmt Deuser im Zigarettendunst der Neuen-Schauspiel-Kneipe Meyer beiseite. Die Kameras sind jetzt aus. Deuser muss keine Pointen mehr landen. Er kann sagen, wie er die Show wirklich fand: Witzig. Flüssig. Und: "Ihr seid perfekt aufeinander eingespielt."

Deuser ist einer, der das beurteilen kann. Er hat über zehn Jahre im WDR das Comedy-Format "Nightwash" produziert und moderiert. Er hat Leute wie Grebe vor die Kamera gebracht, als der noch ein Geheimtipp war. Er hat Fischer und Meyer mit ihrer Quatsch-Band The Fuck Hornisschen Orchestra bei sich auftreten lassen, als die noch ein Geheimtipp war. Vielleicht ist sie es immer noch. Aber jetzt ist das Leipziger Duo selbst Gastgeber. Und spätestens nach Deusers Urteil dürfte sich Meyer erstmals wieder Richtung Ruhepuls runter reguliert haben.

"Wir haben solche Angst", posten Fischer und Meyer am Tag vor der Aufzeichnung via Facebook. Und die Nervosität bleibt. Denn es ist ja nicht so, dass die Moderatoren den Nachmittag im Whirlpool verbringen, um dann mit der Limousine vorgefahren zu werden. Der Nachmittag ist Stress. Abläufe werden durchgesprochen, Soundchecks, die Technik hakt. Das Gemäuer des Neuen Schauspiels bietet ein charmantes Ambiente. Die Infrastruktur für reibungslose Fernsehregie bietet sie eher nicht.

Dann Warm-up fürs Publikum. Dafür gibt es professionelle Einpeitscher. Fischer und Meyer machen es selbst. Psychologen sagen, man soll seine Ängste verbalisieren. Meyer und Fischer sagen, dass sie total locker sind. Ironie ist ein gängiges Stilmittel ihrer Altersklasse.

André Herrmann, Co-Autor der Show, hat sich in die vorletzte Publikumsreihe zurückgezogen, aber die Nervosität kommt mit nach hinten. Er kann jetzt nur noch zuschauen, wie sich die Kollegen zur Tür reinmoderieren. Weniger aufgedreht als bei den Fuck-Hornisschen-Konzerten, wenn Meyer rumzappelt, als laufe gerade seine Elektroschocktherapie aus dem Ruder. Brav und angepasst ist es dennoch nicht, wie die Moderatoren loslegen. Vermutlich sind einige Herrmann-Pointen dabei. Der Mann beherrscht gepflegte Bosheiten. Dresche gibt es für den MDR und dessen Image als Senioren-Sedativum. Genau das wollen die Macher mit Shows wie "Comedy für Karsten" aufweichen.

"Comedy für Karsten" ist keine Neuerfindung des Genres. Plattform-Shows für witzige Gäste gibt es genug. Aber hier geht es deutlich über launige Anmoderationen hinaus. Fischer und Meyer behalten ihr Profil als Chaos-Plauderer, die sich gegenseitig ins Wort fallen. Und mehr noch als verrückte Band, die aus Spielzeuginstrumenten eine groovende Techno-Persiflage zaubert. Trotzdem nehmen sie die Gäste ernst, geben ihnen Raum. Das ist ausgewogen.

Bei den ersten Gästen, dem Frauen-Duo Suchtpotenzial, fällt das Klavier aus. Die Regie lässt den falschen Einspieler losflimmern. Pannen, die rausgeschnitten werden. Fischer und Meyer aber scheinen sie zu brauchen. Denn es sind unerwartete Freiräume für ihre Improvisationskünste. Sie plaudern sich frei. "Ab da war ich viel weniger nervös", sagt Meyer nach der Show.

Genauer gesagt nach der Doppel-Show. Gleich die ersten beiden Sendungen werden hintereinander aufgezeichnet. Die zweite - mit Tilmann Birr, Enissa Amani, Christoph Reuter und Ingmar Stadelmann - geht schon lockerer über die Bühne. Fischer und Meyer sind auf Touren. Das Publikum auch: Weil es witzig ist, wenn Fischer erzählt, was in der Woche zwischenzeitlich passiert ist - alles aber erst eine halbe Stunde her ist. Das Live-Publikum dürfte wegen solcher Gags mehr Spaß haben als die Fernseh-Zuschauer. Zwei Chancen gibt es noch: Jeweils zwei weitere Sendungen werden am 1. und 2. September um 19.30 Uhr im Neuen Schauspiel aufgezeichnet. Dann kann man auch sehen, was es eigentlich mit Karsten auf sich hat. Ausgestrahlt wird ab 28. September.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 27.08.2014

Dimo Rieß

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