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Cypress Hill reisen in die Vergangenheit

Konzert im Haus Auensee Cypress Hill reisen in die Vergangenheit

Nur fünf Deutschland-Konzerte geben die Hip-Hopper von Cypress Hill in diesem Jahr – eins davon stieg am Freitag im Leipziger Haus Auensee, das rappelvoll war. Die Männer aus Los Angeles sorgten für einen Trip durch ihre Karriere. Schade allerdings, wie das Konzert endete...

Begeisterte Fans: Die Besucher des Cypress-Hill-Konzerts am Freitag in Leipzig,

Quelle: Kempner

Leipzig. Es war die erste große Hochphase des Rap – Ende der 80er, Anfang der 90er. An der amerikanischen Ost- und Westküste entstanden die Zentren der mehrheitlich schwarzen Musik, deren Protagonisten wie Tupac Shakur oder Dr. Dre später zu Weltstars werden sollten. Und mittendrin eine Combo von der Cypress Avenue in South Gate, einem Vorort von Los Angeles: Cypress Hill.

Als erste erfolgreiche Rap-Gruppe mit lateinamerikanischen Wurzeln brachten DJ Muggs, die MCs B-Real und Sen Dog sowie der Percussionist Bobo ein neues Element in den Hip-Hop, das sich in mehr als fünf Millionen Verkäufen allein der ersten beiden Alben „Cypress Hill“ (1991) und „Black Sunday“ (1993) niederschlug. Doch wie auch der Rap ab Mitte der 90er zwischenzeitlich Boden gegenüber anderen Richtungen wie Elektro verlor, so sank der Stern von Cypress Hill ein wenig, Trennungsgerüchte kamen auf.

Doch das Quartett blieb trotz vieler Soloprojekte bestehen und reiste 2016 mit einer großen Jubiläumstour durch die Lande. Ein Jahr später sind Cypress Hill wieder unterwegs und beehrten am Freitag das Haus Auensee bei einem ihrer nur fünf Deutschland-Konzerte 2017. Entsprechend ist die ehemalige HO-Gaststätte in Wahren Wochen im Vorausausverkauft, bis fast zu den Türen stehen die Besucher im Erdgeschoss, auf der Empore ist hinter der fünften Reihe kaum etwas zu sehen.

Ganz vorn ist die Stimmung dagegen schon bei Vorrapper Taimo hervorragend. Der Hamburger Nachwuchs-MC versucht quasi eine Hanse-Version von Cypress Hill und rappt über Frauen, Drogen und Kriminalität in seiner Heimatstadt. Die Menge ist trotzdem sichtlich erfreut, als das Original Punkt 21 Uhr die Bühne betritt.

Und tatsächlich gerät der Auftritt der Jungs vom Zypressen-Hügel zur Zeitreise in die frühen 90er, denn es werden fast ausschließlich Stücke der ersten beiden Alben gespielt. Der zweite Song „Hand On The Pump“ etwa ist von „Cypress Hill“, „When The Shit Goes Down“ danach von „Black Sunday“. Dazwischen die erste Ansage von Sen Dog: „To all my brothers: Hell yeah, you motherfuckers“ – was nicht übersetzt werden muss.

B-Real und sein Kompagnon sind gut aufgelegt, man merkt ihnen den Spaß bei der Zuschauerinteraktion deutlich an. Nach „How I Could Kill A Man“ (auch vom ersten Album) gibt es ein Spiel, bei dem die beiden die Menge teilen und jeweils die eigene Seite anfeuern. Irgendwann beschimpfen sich beide Seiten lautstark mit „Fuck this side“ – wobei nicht klar ist, welche am Ende gewinnt.

Bekannt geworden sind Cypress Hill aber vor allem als Vorkämpfer für die Legalisierung von Marihuana. Und so fragt Sen Dog nach einem Medley aus den Kiffer-Songs „Roll It Up, Light It Up, Smoke It Up“, „I Wanna Get High“, „Dr. Greenthumb“ und „Hits from the Bong“ auf Deutsch: „Willst du eine rauchen?“ Kurz darauf glimmen noch ein paar mehr Joints auf als zuvor.

Dass die Combo nicht nur aus den zwei MCs besteht, demonstrieren sie im Anschluss eindrucksvoll. Erst bekommt DJ Muggs, der auch für Ice Cube und Eminem Tracks produziert hat, sein Solo, dann darf Bobo, früher bei den Beastie Boys, allein die Drums bearbeiten.

Nur die für Cypress Hill in den letzten Jahren so typische Kombination von Rock- und Rap-Parts kommt in Leipzig etwas zu kurz – dem Rückgriff auf die ältere Bandphase geschuldet. B-Real und Co. hatten sich Anfang der 2000er als „Rock/Rap-Superstars“ neu erfunden und auf dem letzten Album „Rise Up“ Features von Gitarristen wie Tom Morello von Rage Against the Machine und Daron Malakian von System of a Down gepackt.

Auch die markanten Riffs von „(Rock) Superstar“ sind um kurz nach zehn zu hören, doch es bricht keine rockige Phase an. Stattdessen ist das Konzert danach schon vorbei, Zugabe Fehlanzeige. Dezent enttäuscht verlässt ein Großteil der Besucher das Haus Auensee. Ein bisschen mehr Zeitreise in die 90er hätte es schon sein können.

Von Christian Dittmar

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