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DDR-Verbotsfilm entdeckt: „Die Taube auf dem Dach“ kommt ins Kino

DDR-Verbotsfilm entdeckt: „Die Taube auf dem Dach“ kommt ins Kino

Es gibt dieses Sprichwort: „Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach“. Der DDR-Student Daniel ist einer, der sich auf keinen Fall mit dem Spatz zufriedengeben will.

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"Die Taube auf dem Dach" (DDR 1973): Szenenfoto mit Günter Naumann und Heidemarie Wenzel.

Quelle: DEFAStiftungKlaus Goldmann

Berlin. In Iris Gusners zu DDR-Zeiten verbotenem Film „Die Taube auf dem Dach“ sehnt sich Daniel danach, frei zu sein und Kosmonaut zu werden. Doch im Jahr 1973 waren solche Utopisten der Führung des sozialistischen Staates nicht geheuer.

Genauso wenig wie die zweite männliche Hauptfigur: der alternde, vom Leben enttäuschte Arbeiter Hans Böwe, dessen sozialistische Ideale von seinen kleinbürgerlichen Mitmenschen eher belächelt werden. Die DDR-Zensur schlug zu: „Die Taube auf dem Dach“ wurde nicht zur Aufführung freigegeben - „ideologisch bedenklich“, lautete die Begründung.

Der Film liefere ein verzerrtes Bild der DDR-Realität, hieß es. Er zeige ausschließlich Menschen in der Krise und stilisiere einen alten Arbeiter zur tragischen Figur - völlig unrealistisch, so das Urteil der DDR-Oberen. Auch der formal strenge Aufbau des Films, seine fast minimalistische Bildsprache und die emotionale Jazzmusik dürften das Zentralkomitee der SED befremdet haben.

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Berlin/Leipzig. In der DDR war „Die Taube auf dem Dach“ verboten. Bis auf eine Arbeitskopie wurde Iris Gusners komplettes Filmmaterial vernichtet. Nach 37 Jahren kommt das Werk in einer rekonstruierten Fassung auf die große Leinwand. In Leipzig soll der Film ab dem 7. Oktober in den Passage Kinos zu sehen sein.

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Schauplatz des Films ist eine Baustelle im Süden der DDR. Dort werden die damals wegen ihrer modernen Ausstattung begehrten Plattenbauten für die werktätigen Massen hochgezogen. Günter Naumann („Zur See“, „Polizeiruf 110“) spielt den Brigadier Böwe als Mann, der seine beste Zeit schon hinter sich hat. Er ist verliebt in die junge, studierte Bauleiterin Linda (Heidemarie Wenzel), die ihre Baustellen- Mannschaft mit Elan und Durchsetzungskraft dirigiert.

Linda mag Böwe, fühlt sich auch zu ihm hingezogen. Doch da sind der Altersunterschied, der Bildungsunterschied, sein Alkoholproblem und seine manchmal etwas spezielle Arbeitsauffassung. Dann taucht Daniel (Andreas Gripp) auf. Der Sohn einer Ärztin jobbt in den Semesterferien auf der Baustelle. Seine jugendliche Unbekümmertheit gefällt Linda. Die selbstbewusste Frau beginnt mit beiden Männern eine Beziehung.

Als „Die Taube auf dem Dach“ 1973 verboten wurde, wurde das Filmmaterial nicht wie bei anderen indizierten Filmen ins Staatliche Filmarchiv der DDR gebracht, sondern noch im Studio vernichtet. Einzig eine Arbeitskopie des Farbfilms blieb erhalten. In der Wendezeit wurde diese Arbeitskopie in der Ecke eines nicht klimatisierten Vorführraums im DEFA-Spielfilmstudio entdeckt - allerdings stark beschädigt. Dennoch wurden eine Kinokopie und ein Schwarz-Weiß-Negativ daraus gezogen.

Zwei Mal wurde Gusners Debütfilm im Herbst 1990 im Kino gezeigt. Danach verloren sich erneut die Spuren des gesamten Filmmaterials, wie der Filmverleih Defa-Spektrum mitteilt. Erst 2009 tauchte das Schwarz-Weiß-Negativ wieder auf, das nun in einer rekonstruierten Fassung zu sehen ist. In Leipzig sollen die Passage Kinos den Film ab dem 7. Oktober im Programm zeigen.

Wer „Die Taube auf dem Dach“ heute sieht, kann viel über das Lebensgefühl in der DDR der 70er Jahre erfahren. Alle Filmhelden sind auf der Suche nach ihrem persönlichen Glück im großen Kollektiv. Die vielbeschworene sozialistische Gemeinschaft war schon damals brüchig. Das Ende des Films ist offen.

Elke Vogel, dpa/ar

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