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Da steppt das Samba-Tässchen

Gala zur Spielzeit-Eröffnung in der Musikalischen Komödie Da steppt das Samba-Tässchen

Unter dem Motto „Kein Pardon für Prinzessinnen und Piraten“ ist die Musikalische Komödie Leipzig mit einer Querschnitts-Gala in die vielversprechende neue Spielzeit gestartet.

Schräger Spaß: Patrick Rohbeck als umfassend gebildeter Generalmajor mit den Damen und Herren des MuKo-Chors

Quelle: Kempner

Leipzig. C

Natürlich auch auf die alten Bekannten, die in Gestalt der „Fledermaus“, von „Dracula“, „Capriolen“, „Carmen“, „Romeo und Julia“ und dem „Ring für Kinder“ auszugsweise über die Bühne tanzen, quirlen und schwelgen. Aber übers Ganze gesehen wird die Spielzeit 2016/17 als Entdeckungsreise in die Annalen eingehen: Einen vielversprechenden Neuzugang gibt es im Ensemble zu vermelden, den so geschmeidigen wie kraftvollen, so metallischen wie weich geführten Bariton Hinrich Horn, der sich mit einem Ausschnitt aus „Kiss Me, Kate“ präsentiert, und fünf Neuproduktionen, die allesamt die meisten MuKo-Gäste auf Neuland führen dürften.

Im Fall von „LoveMusik“ wohl alle: Denn wenn das Musical, das Alfred Uhry aus dem Briefwechsel zwischen Lotte Lenya und Kurt Weill und dessen Musik entwickelt hat, am 21. Januar Premiere feiert, ist dies eine deutsche Erstaufführung. Und die Ausschnitte, Cusch Jung mit einem gekonnt hinterhältigen Mackie-Messer-Song oder „Berlin im Licht“ sowie „Moon on Alabama“ mit allen als Reinzieher und Rausschmeißer, wecken unmittelbar Sehnsucht nach dieser großen Musik der kleinen Formen.

Auch „Die Piraten“ des britischen Erfolgsduos Gilbert & Sullivan kennt hierzulande kaum jemand. Dabei muss sich dieser so geistreiche wie schräge Musiktheater-Spaß auch hinter den besten Offenbachiaden nicht verstecken. Und die Ausschnitte, die der hinreißend bräsige Michael Raschle als Polizei-Sergeant und der fabelhaft alberne Patrick Rohbeck als umfassend gebildeter, aber militärisch unbedarfter Generalmajor nebst Damen und Herren des Chores präsentieren, nähren unbedingt die Vorfreude auf die erste Premiere der Saison (8. Oktober).

Vergessen ist auch Nico Dostals „Prinzessin Nofretete“. Warum dieses offenkundig herrliche Stück Musiktheater nach der Uraufführung 1936 in den Archiven verschwand, weiß der liebe Gott allein. Die Handlung durchmisst kühn die Jahrhunderte. Die Musik, die dem fabelhaften MuKo-Orchester unter der Leitung seines Chefdirigenten Stefan Klingele auf den Leib komponiert scheint und Sängern wie Radoslaw Rydlewski, Andreas Rainer und Mirjam Neururer in die Kehle, gelangt so schnell von Korngold zu Foxtrott wie die schöne Nofretete aus dem Alten Reich ins heute. Mirko Mahrs Choreographien zum Thema verwechseln im Moment noch die schräge Üppigkeit der Musik mit anzüglicher Plüschigkeit – aber das wird sicher noch bis zur Premiere am 25. März.

Am Ende der Saison steht eines der musiktheatralischen Meisterwerke des 20. Jahrhunderts: Leonard Bernsteins, 2018 feiert die Musikwelt seinen 100. Geburtstag, zwischen allen Genre-Schubladen klemmende „Candide“ (halbszenische Premiere am 24 Juni). Und auch dieses Werk ist abgesehen von der quirlenden Ouvertüre (zur Gala von Klingele nicht in der üppigen Konzert-, sondern der kargen Uraufführungsversion dirigiert) und der von Mirjam Neuruder in sinnlicher Hysterie vorgetragenen Bravour-Szene „Glitter And Be Bay“ hierzulande weitgehend unbekannt. Schon „It Must Be So“, herrlich melancholisch gesungen von Jeffery Krueger, kennt kaum noch wer. Der Titel bietet Cusch Jung aber die wohlfeile Vorlage für sein Versprechen, dass es „Candide“ im Juni selbstredend auf Deutsch gebe – „denn das muss hier so sein“. Schade eigentlich …

Keine Fragen nach der Sprache kommen indes beim mutmaßlichen Highlight der Saison auf. „Kein Pardon – Das Musical“, nach dem Film von und mit Hape Kerkeling von Achim Wagemann (Musik) und Thomas Hermanns auf die Bühne gebracht. Bei der Leipziger Uraufführung der Version mit richtigem Orchester führt der Zeremonienmeister des Quatsch-Comedy-Clubs höchstselbst Regie. Zur Eröffnungs-Gala ist er via Video-Botschaft präsent und verspricht seinem Publikum genau den Spaß, den er bereits bei der Düsseldorfer Uraufführung der Band-Fassung hatte. Zu recht. Den Nachweis liefern Cusch Jung mit „Witzischkeit kennt keine Grenzen“ auf den Spuren des einzigartigen Heinz Schenk und die sensationelle Nora Lentner als singendes, steppendes und tanzendes Samba-Tässchen in „Käffchen“. Großes Kino, so albern wie gekonnt, so ausgelassen wie professionell – der Abräumer dieses schönen Abends, der nicht nur bemerkenswert kurzweilig, sondern für MuKo-Gala-Verhältnisse auch überraschend kurz gerät. Und dem Publikum bereitet der am Samstag ebenso viel Freude wie den Beteiligten bereits tags zuvor während der Generalprobe.

www.oper-leipzig.de

Von Peter Korfmacher

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