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„Da war noch nicht viel Hirn drin“ - Urmenschen-Schau startet in Dresden

„Da war noch nicht viel Hirn drin“ - Urmenschen-Schau startet in Dresden

Die Forscher der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung sind sich sicher: Auch die Neandertaler hatten schon Spaß miteinander und sind nicht trübsinnig durch die Wälder gestapft.

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Projektleiterin Ulrike Menz und Museumselektriker Ferit Senal im Senckenberg-Museum in Frankfurt am Main hinter dem Skelett eines Neanderthalers (Archivfoto). Das Modell ist Teil der Ausstellung „Safari zum Urmenschen“ in Dresden.

Quelle: dpa

Dresden. In der Urmenschen-Ausstellung im Japanischen Palais von Dresden kommt der Homo neanderthalensis auf jeden Fall lachend daher. Sein Haupt wurde auf Basis fossiler Funde und mit Hilfe kriminaltechnischer Methoden rekonstruiert. Als Original lebte er vor etwa 56.000 Jahren im Gebiet des heutigen La Chapelle-aux-Saints in Frankreich. Er war 1,60 Meter groß und wog wohl um die 70 Kilogramm. Mit 40 bis 50 Jahren erreichte er ein für Neandertaler stattliches Alter.

„Normalerweise wurden sie 20 bis 30 Jahre alt, wenn es gut lief“, sagt der Projektleiter der Ausstellung, Thorolf Hardt. Für ihn sind die Neandertaler die Superstars unter den Urmenschen. Denn in der Eiszeit fing es mit dem Menscheln erst so richtig an. Mit Werkzeugen kannte man sich schon ganz gut aus, jetzt kamen auch Waffen und Musikinstrumente hinzu. In Europa wurden erste Fossilien dieses Urmenschen 1856 im Neandertal bei Düsseldorf entdeckt. Inzwischen weiß man mehr über den Neandertaler. Nach Meinung der Forscher hat er sich mit relativ hoher Stimme artikuliert. Fest steht, dass er schon einfache Technologien beherrschte.

Hardt berichtet davon, dass die Neandertaler Teer aus Birken herstellten, um damit Steinspitzen an den Speer zu kleben. Dafür habe man die Temperatur in Meilern über Tage relativ konstant halten müssen - für Hardt ein Beleg, dass die Männer aus dem Neandertal bereits miteinander kommunizierten. Dennoch: „Da war noch nicht viel Hirn drin“, räumt der Experte ein. Dass sich die Paläontologie nach dem Auftauchen neuer Funde hin und wieder mal revidieren muss, hält der Diplom-Biologe für normal. Die menschliche Ahnengalerie sei nun mal kein Stammbaum, sondern eher ein Stammgebüsch. „Es gib viele Verzweigungen, jeder Zweig bringt neue Verwirrung“.

Fest steht nur: Die Paläontologie - die Lehre von ausgestorbenen Tieren und Pflanzen vergangener Zeitalter - ist Knochenarbeit. Denn das ist meist das einzige, was vom Menschen noch übrigbleibt. Wobei eigentlich die Zähne am beständigsten sind. „Der Zahn sagt viel aus“, meint Hardt. Je nachdem, wie der Zahn abgekaut ist, kann man Rückschlüsse auf die Nahrung ziehen. Solche Analysen gehören auch zur Arbeit der Senckenberg-Forscher im südostafrikanischen Malawi. Dort unterhält die Gesellschaft eine Forschungsstation mit Labor.

Dass man gerade in Ostafrika oft fündig wird, hängt mit tektonischen Bewegungen zusammen. Erdplatten, die sich dort auseinanderbewegen, geben auch Geheimnisse der Menschheitsgeschichte preis. Erst mit dem Fund beginnt die eigentliche Arbeit. Die Stücke werden - in Gips oder Schaum - gelagert zum Labor gebracht und mit modernster Technik analysiert. Auch digitale Modelle entstehen. „Hightech hat in der Paläontologie Einzug gehalten“, sagt Bernd Herkner, Leiter im Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum in Frankfurt am Main. Für die Dresdner Ausstellung über sieben Millionen Jahre Menschheitsgeschichte, die am Freitag beginnt, hofft er nun auf große Resonanz. „Sie schauen in eine Ahnengalerie, die unsere gesamte Geschichte reflektiert.“

Jörg Schurig, dpa

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