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Das Absurde beim Thema Tod: Interview mit Academixer-Regisseur Volker Insel

Das Absurde beim Thema Tod: Interview mit Academixer-Regisseur Volker Insel

"Bestatten? Fröhlich." heißt das neue Programm, das Volker Insel für die Academixer inszeniert. Barbara Trommer, Katrin Hart, Jens Eulenberger und Musiker Claudius Bruns bewegen sich in einem Bestattungsunternehmen zwischen Leben und Tod.

Leipzig. Vor der Premiere am Sonntag sprachen wir mit Insel.

LVZ:

Sie betonen gern vor jeder ihrer nun vier Mixer-Inszenierungen, dass Sie kein Kabarett machen. Warum sind Sie da so sicher?

Volker Insel:

Ich habe ein bestimmtes, sehr verbreitetes Bild von Kabarett vor Augen: das klassische Nummerprogramm mit meist pseudopolitischem Anspruch. Es gibt wenige Großmeister, die die messerscharfe Analyse beherrschen. Und es gibt viele, die glauben, das auch zu können - und nicht über Scherze über das Aussehen der Kanzlerin hinauskommen. Diese Art Kabarett interessiert mich nicht.

Sondern?

Kabaretttheater - oder Theaterkabarett, wie man will; jedenfalls mit Elementen des Schauspiels. In der aktuellen Produktion sind zwar einzelne Nummern erkennbar, auch ein paar Lieder, und alle Figuren haben ihren Monolog. Es gibt aber Figuren, die eher dem Schauspiel als dem Kabarett entstammen, und es gibt einen Grundplot.

Nämlich?

Zwei ältere Damen betreiben ein Bestattungsunternehmen in vierter Generation. Hinzu kommen ein ausgemusterter Kirchenorganist, der für die Begräbnismusik zuständig ist, und ein Mann, der vom Friseur zum Bestatter umschult. Der hat schwer mit den alten Mädels zu kämpfen, weil die sich aktuellen Trends verweigern.

Woher stammt die Idee?

Bei einem Gespräch mit den Spielern kamen wir aufs Sterben, jeder hatte dazu nicht nur Trauriges, sondern auch Absurdes zu erzählen. Das war spannend. Dass ich mal wieder für die Academixer inszenieren würde, stand schon länger fest. Ich wollte gern wieder mit Kati Hart und schon lange mit Barbara Trommer arbeiten. Dass Jens Eulenberger dazu kam, war eine glückliche Fügung. Bei einem Casting wurde er sowohl vom Kollegen Hans Holzbecher als auch von mir als Gewinn für die Truppe erkannt.

Wie nähert man sich dem Thema Tod kabarettistisch?

Ich habe letztes Jahr eine Serie für den MDR im Rahmen der Themenwoche "Leben mit dem Tod" gemacht und bringe daher Hintergrund mit. Wir gehen mit dem Thema humorvoll um, ab und zu schwarzhumorig, aber nie pietätlos. Es gibt auch Momente der Schwere und der Melancholie.

Hatten Sie ein fertiges Manuskript?

Nein, es gab einiges Material, zum Beispiel von Philipp Schaller, Julie Bukowski und Conny Molle. Bei den Proben haben wir die Texte eingeflochten und das Stück peu à peu entwickelt.

Hat der Umgang mit dem Thema Ihre Einstellung zum Tod verändert?

Sterben ist normal. Wenn man sich eingehend damit beschäftigt hat, geht man das Thema etwas entspannter an. Und desto mehr schätzt man das Leben. Vielleicht liefern wir ja einen kleinen Beitrag, das Thema Tod zu enttabuisieren - über das man im Kabarett auch herzhaft lachen kann.

Welche Musik können Sie sich für Ihre eigene Bestattung vorstellen?

Die kann ich dann eh nicht mehr hören. Aber für die Zurückbleibenden könnte man gern Stephen Sondheims "Send in the Clowns" spielen, das ist toll.

"Bestatten? Fröhlich." - Voraufführungen Samstag um 16 und 20 Uhr, Premiere am Sonntag um 18 Uhr, Kartenreservierungen unter Telefon 0341 21787878.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.02.2014

Mark Daniel

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