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Das Deutsches Fotomuseum wird gefeiert – aber kaum gefördert

Markkleeberg Das Deutsches Fotomuseum wird gefeiert – aber kaum gefördert

„Our world is beautiful“, unsere Welt ist schön: So heißt die aktuelle Schau im Deutschen Fotomuseum in Markkleeberg. Nicht so schön ist nach wie vor die finanzielle Lage des ambitionierten Hauses. Hier muss sich etwas ändern, fordern die Macher.

Gábor Máté Pusztai fotografierte diesen Dialog eines jungen Boxers mit seinem Trainer.

Quelle: Gábor Máté Pusztai

Markkleeberg. Magisch leuchtet der kleine Eiswagen in die blaue Stunde, mischt sich das letzte Licht des Himmels mit dem künstlichen auf der Erde. Thomas Pedersen hat dieses Motiv in Griechenland gefunden. Ein Sinnbild für persönliches Engagement in schwierigen Umständen und dafür, dass Schönheit gerade dort zu finden ist, wo die Leuchtstrahler der Aufmerksamkeit nicht hinkommen. Pedersen hat damit den internationalen Cewe-Fotowettbewerb in der Kategorie „Transport und Infrastruktur“ gewonnen. Zu sehen ist das Bild mit 57 weiteren oft meisterlichen und nur manchmal die Grenze zum Kitsch streifenden Aufnahmen unter dem Titel „Our world is beautiful“ bis 4. September im Deutschen Fotomuseum in Markkleeberg.

Cewe, Europas größtes Fotoentwicklungsunternehmen, unterstützt seit 16 Jahren das Fotomuseum. 2013 zog es von Mölkau nach Markkleeberg, bespielt hier seitdem mit hochkarätigen Ausstellungen das als Landwirtschaftsmuseum errichtete, architektonisch an das New Yorker Guggenheim-Museum erinnernde Gebäude. „Ohne Cewe hätten wir Umzug und Einrichtung im neuen Domizil nicht geschafft“, sagt Andreas J. Mueller. Als Direktor betreibt er das Museum zusammen mit seiner Lebensgefährtin Kerstin Langner als Kuratorin für einen Förderverein.

15 000 Besucher im Jahr

Rund 15 000 Besucher zieht das Haus im Jahr an. Auch das Großfeuilleton hat das Deutsche Fotomuseum entdeckt, die Region sowieso. Die aktuelle Schau ist schon jetzt ein Renner. Ab 10. September ist hier eine so überraschende wie faszinierende Ausstellung über den vor 150 Jahren in Dresden geborenen Kunstfotografen und Farbpionier Heinrich Kühn mit seinen dem Impressionismus nahestehenden, auf malerische Effekte setzenden Arbeiten. Keine Frage, auch dieses Haus leuchtet – nicht nur mit seiner Sammlung mit rund 2500 Kameras und 40 000 Fotografien. Doch was die öffentliche Förderung betrifft, erinnert das Haus dann auch an einen Eiswagen in der Museumslandschaft.

Vor den jährlich 20 000 Euro von der Stadt Markkleeberg, die auch die Immobilie mietfrei zur Verfügung stellt, bleiben die Mittel aus dem Kulturraum Leipziger Raum, der aus den Landkreisen Leipzig und Nordsachsen besteht, wichtigste Einnahmequelle. Wie berichtet waren die Zuwendungen für 2015 von 40 000 auf 32 000 Euro gekürzt worden. Im Oktober hatte Henry Graichen (CDU), Landrat des Landkreises Leipzig, das Museum besucht und eine Erhöhung der Mittel sowie Unterstützung bei der Suche nach weiteren Fördermöglichkeiten in Aussicht gestellt. Ergebnis unterm Strich: In diesem Jahr gibt es 37 500 Euro, also 5500 Euro mehr, aber immer noch weniger als 2014 aus jenem Topf, aus dem auch das Schildbürgermuseum in Belgern-Schildau oder das Landschaftsmuseum Dübener Heide finanziert werden. Dazu Graichen auf Anfrage: „Die Finanzausstattung des Kulturraumes ist seit dem Jahr 2010 stetig rückläufig. In einer solchen Situation eine erhöhte Zuwendung für einzelne Empfänger zu erreichen, ist daher besonders zu bewerten.“ Das Fotomuseum könne nicht ausschließlich aus Mitteln des Kulturraumes und der Stadt Markkleeberg finanziert werden, so der Landrat weiter. Stattdessen seien weitergehende Finanzierungsquellen zu erschließen. Der Landkreis Leipzig sei gern bereit, den Betreiber dabei zu unterstützen. „Der Betreiber des Fotomuseums Markkleeberg hat mit seiner Konzeption den Anspruch eines Museums mit bundesweiter Bedeutung“, sagte er.

Intransparente Förderung

Immerhin sind inzwischen die Fördersummen für alle Museen im Kulturraum im Internet einsehbar. Bislang lagen die Listen immer nur für kurze Zeit aus, Fotografieren oder Kopieren war nicht gestattet – ein Transparenzverständnis, das an die TTIP-Verhandlungen erinnerte. Weiterhin bleiben Fragen: Die Empfehlungen über die Fördersummen werden in einer Spartenkommission ermittelt, in der verschiedene Museumsleiter sitzen, die dann über ihre eigene Finanzierung mitbestimmen. Kann so objektiv entschieden werden?

Wie auch immer, für ein Haus mit rund 1500 Quadratmetern Ausstellungsfläche, das Anspruch und Substanz hat, im Konzert der europäischen Fotomuseen mitzuspielen, ist und bleibt eine Förderung von insgesamt 57 500 Euro erheblich zu wenig. Dem Engagement von Langner und Mueller, aber auch von Ehrenamtlichen und geringfügig Beschäftigen ist zu verdanken, dass Besucher nicht mitbekommen, wie sehr hier improvisiert werden muss. „Wir würden sehr gerne jemanden fest anstellen“, sagt Kerstin Langner. Sie sitzt an einem Tisch, der früher im Garten von Muellers Eltern stand. Auch die Vitrinen seien aus Privatbesitz, so Langner. Weitere werden dringend benötigt. Die tägliche Arbeit – ein Balanceakt zwischen Wollen und Können.

Our World is beautiful – internationaler Cewe Fotowettbewerb: Bis 4. September im Deutschen Fotomuseum Markkleeberg (Raschwitzer Straße 11), geöffnet täglich außer Montag von 13 bis 18 Uhr.

Von Jürgen Kleindienst

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