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Das Glück in der Betonwüste: Arte zeigt Film über Skater in der DDR

Das Glück in der Betonwüste: Arte zeigt Film über Skater in der DDR

Sie waren die bunten Hunde im sozialistischen Alltag: Ein Film auf Arte erinnert am Mittwoch (22.20 Uhr) an die vergessenen Skater der DDR. „This ain’t California“ zeigt, wie die Stars der Szene in den 80er Jahren im Handstand durch die Betonwüste des Ost-Berliner Alexanderplatzes rollten.

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Ein Skateboarder springt vor der Premiere des Dokumentarfilms „This Ain’t California“ in Berlin mit seinem Skateboard über einen Trabi.

Quelle: dpa

Berlin. „In dem Moment, wo Du skatest, das war auch im Osten so, hast Du so eine gewisse Freiheit für Dich“, erinnert sich einer von damals. „Du hattest dieses Dauergrinsen. Du warst zufrieden.“ Doch dieser Ego-Trip war der Staatsmacht höchst verdächtig: Wenn schon West-Mode, warum passten sich die Skater dann nicht wenigstens so an wie die Ost-Breakdancer? Die ließen sich als Tanzsportler brav bei Wettbewerben vorzeigen. Derweil tingelten Rollbrettfahrer mit ihren Kunststücken nächtelang durch sächsische Provinz-Discos und rissen sich Mädchen auf.

Regisseur Marten Persiel hat die Geschichte dieser verdrängten Jugendbewegung in „This Ain’t California“ (Das ist nicht Kalifornien) als Mosaik aus Wirklichkeit und Erfindung ausgelegt. Die Lebensläufe von Nico, Dirk und Denis werden halbfiktiv aus Erzählungen, alten Super-8-Filmen, nachgestellten Szenen und Zeichentrick zusammengesetzt. Was ist echt, was erfunden? Was ist Originalbild, was auf Retrolook getrimmt? Der Zuschauer kann das auf den ersten Blick nicht unterscheiden.

Damit hat es Persiel 2012 immerhin in die Vorauswahl der acht deutschen Filme für den Oscar geschafft, aber auch Kritik auf sich gezogen. „Wir nennen es eine dokumentarische Erzählung“, sagte er einmal in einem Interview. „Wir wollen dem Kinozuschauer in erster Linie ein Gefühlserlebnis vermitteln, der Film soll über den Bauch funktionieren und nicht über den Kopf.“

Die Atmosphäre ist in der Tat dank der Tricks sehr dicht: Erzählt wird von wilden Partys, von der ersten Liebe, von Freunden, die sich nach der Wende aus den Augen verloren haben, und vom Zusammentreffen der west- und ostdeutschen Skater in Prag kurz vor der Wende. Alles untermalt von einem Soundtrack, der den Bogen vom Wave- und Syntie-Sound von Anne Clark und Alphaville bis zum schmachtenden „Schreib es mir in den Sand“ von Schlagersänger Frank Schöbel spannt.

Echte Skateboards gab es in der DDR lange nicht. Aus alten Rollschuhen und ausgemusterten Schulmöbeln bauten sich die Jungs ihre ersten Rollbretter. Später schmuggelten westdeutsche Skater Einzelteile ein. Je größer die Skater-Gruppe am Alexanderplatz wurde, desto aufmerksamer wurde die Stasi. „So war die DDR nicht gedacht - die Straße war nicht zum Spielen da“, erinnert sich einer der Freunde. Ein vom US-amerikanischen Klassenfeind übernommener Sport ohne Sinn, ohne Ziel - undenkbar im DDR-Sozialismus.

Abwesende Hauptfigur des Films ist der aufrührerische und zugleich verletzliche Denis. Zu DDR-Zeiten wird der sportliche Junge von seinem Vater trainiert, er soll Profischwimmer werden. Immer öfter aber verweigert sich Denis dem massiven Drill. Für ihn bedeutet das Rollbrettfahren ein Stück Freiheit. Unter dem selbst gewählten Namen „Panik“ taucht er in der Skaterszene ab. Nach der Wende wurde Denis Bundeswehrsoldat, im Jahr 2011 starb er laut den Schilderungen in Afghanistan. Seine Freunde erinnern sich im Film an die gemeinsame Jugend - an eine bunte Zeit in der grauen DDR. In der Magdeburger Wäscherei, wo die Kids früher nachts übten, leben heute Waschbären.

dpa

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